GRS 2009 - Flammen des Wandels - Epilog

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  • GRS 2009 - Flammen des Wandels - Epilog

    Krankenstation der Aurora


    Das soll sie also gewesen sein, die letzte Schlacht dieses Krieges. Doppelschlacht, um genau zu sein. Schließlich war parallel zur Schlacht um Veritar IV noch die viel größere Operation Tiebreak gelaufen, in welcher die alliierte Flotte die Hauptflotte von Fraktion 1 gebunden hat, die plötzlich ihrer Rückzugsmöglichkeit beraubt, einem Waffenstillstand zustimmte.

    Die Bilanz von Operation Tiebreak war noch vernichtender, die alliierte Flotte hatte hunderte Schiffe und Zehntausende Besatzungsmitglieder verloren, je nach Besatzung der Mutterschiffe gingen die Verluste der Raghdor möglicherweise gar in die Millionen. Die Doppelfunktion der Mutterschiffe als Flugdeckkreuzer und Kolonisationsschiffe hatte auf Seiten der Sternenflotte für ein moralisches Dilemma gesorgt, welches jedoch von ihren Verbündeten nicht so kritisch bewertet worden war.
    Doch auch auf und über Veritar IV hatte eine dramatische Schlacht geherrscht. Ein Mutterschiff war in einem Kamikazeangriff zerstört worden, mehrere Sternenflottenschiffe ebenfalls, eines davon war in der Atmosphäre von Veritar IV verglüht. Die Aurora hatte nach dem Ausfall der T’Plana-Hath, die immer noch auf Notenergie im Orbit des Planeten hing erneut das Kommando erhalten und im Verlaufe der Schlacht die schwersten Schäden der noch jungen Schiffsgeschichte erlitten. Es würde Wochen dauern, bis wieder an eine Operationsbereitschaft des Schiffes zu denken wäre.

    Die Kämpfe auf der Oberfläche Veritar IVs waren wahrscheinlich die schwersten Bodenkämpfe, an denen die Sternenflotte seit Jahren beteiligt gewesen ist. Die Lage war so verzweifelt, dass ich gar ein Orbitalbombardement durch die Phaser angeordnet hatte, außerdem war eine Staffel unserer Angriffsjäger laufend Tiefflugangriffe auf die Raghdortruppen geflogen und hatte dabei auch unsere eigenen Leute getroffen.

    Vor dem Krankenbett eines der Opfer dieses Eigenbeschusses stand ich nun, es war ein bekanntes Gesicht, vielmehr war es ein bekanntes Gesicht gewesen. Wüsste ich nicht dank der Anzeige des Biobetts, dass hier Captain Gebo Lavin vor mir lag, ich hätte es nicht gewusst. Sein Gesicht war verbunden, sein Körper ebenfalls von medizinischen Geräten und Verbänden bedeckt. Auf der Anzeige konnte ich erkennen, dass er ein Auge verloren hatte und einige Nervenbahnen beschädigt worden waren. Um das Fehlen eines Beines zu erkennen, brauchte ich kein Display. Es war noch nicht sicher, dass er überleben würde, sonst wäre er wohl schon in eines der Notlazarette an Bord verlegt worden. Doch wenn er überleben würde, wäre es wohl ein gänzlich neues Leben für ihn. Ohne groß darüber nachzudenken fummelte ich mit meiner Rechten an meinem Ohr herum. Als ich auf meine Hand blickte, stellte ich fest, dass ich meinen Ohrring in dieser hielt. Lavin hatte ihn mir vor Jahren geschenkt. Es war der Ohrring seines Vaters gewesen, den er bei Nachforschungen irgendwo in der Cardassianischen Union entdeckt hatte. Dieser Ohrring, wie ihn fast jeder Bajoraner trug, stellte eine symbolische Manifestation der Verbindung zwischen dem bajoranischen Volk und ihren Propheten dar, zumindest dachte ich das. Propheten ... ich würde sie im Moment nicht brauchen, Lavin schon.

    Meine Augen wurden schwer, die Ursache dafür waren wohl Erschöpfung und die Tränen, die ich zurückhalten musste. Ich musste hier weg, sofort. Hier war ich nutzlos, ich habe zwar Hände gedrückt und Schultern geklopft, aber außer dem medizinischen Personal und dessen Helfern war auf der Krankenstation kaum jemand ansprechbar. In den Lazaretten würde dies wohl einfacher sein. Daher bedachte ich den Ohrring mit einem Kuss und hängte ihn an das Biobett, auf das der halbtote Bajoraner gebettet war. Das Schiff war vorerst gerettet, nun galt es die Moral an Bord zu retten.

    Ich verließ die Krankenstation, vorbei an den Leichensäcken, die sich mittlerweile vor deren Eingang gestapelt hatten, da die Helfer nicht mehr mit deren Abtransport zurechtkamen. Zu sehr waren sie mit der Verlegung der noch lebenden Opfer dieses Krieges beschäftigt. Doch wo ging ich hin? Wo wollte ich hin?
    Ja, in die Frachträume, ins Lazarett. Ich ging dorthin, weil ich dorthin musste. In Wirklichkeit wollte ich nur noch nach Hause, zu meiner Frau, meinen Kindern, zu meiner Schwester, zu meiner Mama. Wie wahrscheinlich fast jeder an Bord, vielleicht sogar Lavin...


    Angriffsjäger von Lieutenant Commander Melinda „Redout“ Al-Jaffa,
    im Orbit von Veritar IV


    Angeblich hat sie ja mal majestätisch gewirkt. Doch so wie die Aurora gerade aussah, war dies definitiv nicht der Fall. Andererseits fand ich ohnehin, dass Raumschiffe selten majestätisch aussahen, eigentlich nie. Diese Eigenschaft lag doch eher in den Bewegungen begründet. Sah eine humpelnde Königin majestätisch aus? Nein, sie musste einen majestätischen Gang haben und ein Raumschiff hatte diesen nie. Dafür brauchte es schon richtige Schiffe wie Betty und richtige Piloten, wie mich. Der Kampf war interessant und erfolgreich. Wir hatten gewonnen und zwei Drittel unserer Jäger dabei verloren. Allerdings kann man sagen, dass diese Verluste wohl einkalkuliert waren, das war eben das Schicksal eines Jägerpiloten. Zwei Drittel, das war deutlich weniger als alle.

    Was war geschehen? Wir haben die Raghdor schon beim Anflug überrascht und dann den Planeten verteidigt und die Schiffe gegen anfliegende Jäger. Ich konnte mir nun drei weitere P-Waggons auf meine Betty malen, vielleicht würden es die letzten sein. Vielleicht würden noch welche hinzukommen. Wie sollte ich das jetzt auch wissen?
    Am aufregendsten an diesem ganzen Gefecht war ganz klar die Bodenunterstützung. Die Aurora hatte kurzzeitig ein Orbitalbombardement mit den Phasern gestartet. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Wow ... im Weltraum wirkt die Feuerkraft so steril, aber wenn man ihre Wirkung auf dem Boden sieht, bekommt man es mit der Angst zu tun. Ich hätte mir anstelle der Schlammhüpfer da unten die Hosen voll gemacht, aber ... die Hitze der Phaser hätte diese wahrscheinlich binnen Sekunden wieder getrocknet.
    Und dann unsere Tiefflugangriffe ... Als die Raghdor zu nahe an unserer Stellung waren, wurden wir hinbeordert, um die anrückenden Truppen aufzuhalten ... das war etwas, was wir nur selten taten, und fast genauso selten trainierten. Handerson der Trottel leistete sich einen Fehlschuss auf die eigene Stellung, aber er hatte ‘nen P-Wagon an der Sechs und Schäden an der Zielerfassung. Kurz darauf ging er auch selbst runter. Aber er lebt noch, alleine auf einer einsamen Insel auf Veritar IV. Ich habe ihm gesagt, er soll schon mal das Bier kaltstellen. Ich komme gleich runter.

    Ein Blinklicht mit begleitendem Piepton sprang unverhofft an und kündete von neuem Unheil. Scheiße! Mein Antrieb ist doch hinüber, ich dachte ich hätte die Treibstoffzufuhr überbrückt. Die Gravitation Veritar IVs würde mich wohl in nächster Zeit wieder haben. Durch das Cockpitfenster sah ich erneut zur Aurora. Hoffentlich würden die mir Hilfe leisten, laut meinen Anzeigen war die T’Plana-Hath schon relativ früh ausgefallen.

    Mit ruhiger Stimme startete ich meinen Notruf, etwas anderes blieb mir nicht übrig. Ansonsten konnte ich in ein paar Minuten gemeinsam mit Handerson das Bier kaltstellen.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Krankenstation der USS Akirojavi


    Huhu, da bin ich wieder! Donna Biran. Und wisst ihr, was das Beste ist? Ich lebe noch! Ja, richtig gehört, ich habe die Schlacht überlebt, Operation Tiebreaker, wie man mir mitgeteilt hatte. Der Plan war aufgegangen, die Anomalien verschwunden und die Raghdor hatten einem Waffenstillstand zugestimmt. Ein voller Erfolg für uns, ein Sieg für die Föderation. Ein Sieg, den viele nicht miterleben konnten und einige wohl auch nicht mehr lange auskosten würden.

    Ich hatte wieder einmal die grausamste Aufgabe, ich war mit für die Triage zuständig. „Du brauchst keine Hilfe. Du kriegst Hilfe. Für dich kommt jede Hilfe zu spät.“ Sie können sich denken, dass dies nichts ist, was ein Arzt gerne tut, nicht nur ein Arzt. Manch romantisierte Ansicht machte aus Ärzten Engel des Lebens. Ich war zwar kein Arzt, aber ich fühlte mich wie ein Engel des Todes. Allerdings ... ich habe an die Moral gedacht. Wenn ich Zeit hatte, habe ich meine Patienten aufgemuntert, auch die noch lebenden Toten. Zuversicht, das war wichtig, Moral, das war auch wichtig. Mindestens 30 Personen hatte ich gemeinsam mit einem der Ärzte den Stempel „So gut wie tot“ verpasst, dass daraus fast eine selbsterfüllende Prophezeiung wurde. Diese 30 Personen waren allesamt tot. Ich hätte auch unter ihnen sein können, doch ich war es nicht. Warum? Das weiß ich nicht. Sie vielleicht?

    Ganz ehrlich, an den Anblick gewöhnt man sich. An fast jeden Eindruck. Zerfetzte Körper, Hilfeschreie, das Wimmern und Flehen, schwache Hände, in denen mehr Tod als Leben steckt und die sich mit letzter Kraft an meine Uniform klammern und um Hilfe flehen. Je weniger ich das an mich ranlasse, desto besser kann ich ihnen helfen. Jetzt war ich damit fertig. Es kamen keine neuen Verletzten mehr rein. Die lebenden Toten waren schon tot, die Schwerverletzte auch, oder eben versorgt, wir konnten uns den Leichtverletzten widmen. Es war ruhig geworden, nicht nur akustisch, sondern auch in meinem Kopf. Endlich waren sie tot! Ja, haben Sie schon mal den Gedanken eines Toten zugehört? Seinen Erinnerungen? Ich empfehle Ihnen, lassen Sie sich darauf ein. Eine solche Ansammlung älterer Herren und Damen, vermutlich die Eltern, und Familienportraits, in dieser Dichte, das bekommen Sie sonst nirgendwo, nur bei Leuten, die wissen, dass der Tod nahe ist.

    Einige haben es gar gewagt mir Vorwürfe zu machen. Die Leute waren nicht so blöd, wie sein sollten. Jemand, der im Sterben lag, wusste das, also erkannte er auch, dass er angelogen wurde, wenn man ihm etwas wie „Alles wird gut“ oder „Sie schaffen das“ sagte. Das letzte was viele dieser Leute gehört haben, waren Lügen, Lügen von mir. Ich habe mein Bestes getan. Viele Leben konnten gerettet werden, in meinem Kopf herrschte endlich Stille, fast, beinahe. Meine Gedanken rasten, überdeckten alles, was noch blieb. Fast mechanisch sortierte ich das OP-Besteck nach, welches ein wohl vor zu langer Zeit geschulter Helfer falsch angeordnet hatte. In meinen Händen hielt ich nun ein Laserskalpell, in den richtigen Händen, ein Wunder der Präzision, zumindest in den richtigen Händen. Man konnte damit vieles tun, Körper aufschneiden, um zu operieren, Gliedmaßen amputieren oder es als Waffe verwenden.

    Ich aktivierte das Skalpell, welches nun das angenehme, leise Summen von sich gab, das ich im Laufe des Tages schon so oft gehört hatte. Kurz darauf hörte ich etwas, das wie „Biran!? Was in aller Welt tun Sie da?“ klang. Es wie der Chefarzt, er klang geschockt und aufgeregt zugleich. Ich fühlte ein Stechen in meiner Brust, die kurz darauf fast völlig taub wurde. Die Stimmen in meinem Kopf wurden leiser, meine Knie weich. Ha, sehen Sie sie auch? Das sind meine Eltern. Ja, sie sind schon alt, Papa ist 57 Jahre alt, Mama sogar schon 58, sie waren eher Spätstarter. „Kommt, lasst euch umarmen!“ Meine Mutter hat so ein schönes Lächeln, es wirkt auf alle Personen in ihrem Umfeld bezaubernd und das, obwohl man kein Lächeln braucht, wenn man die Gedanken lesen kann. Das war eine Kunst, das war Mami. Das war es mit mir.

    Donna Biran ...


    Auf einem Truppentransporter


    Der junge Petty Officer saß auf der Bank in dem großen Aufenthaltsraum des Truppentransporters. Welchen Namen dieser trug, hatte er vergessen. Nach dem Ende der Schlacht war es sein Bestreben gewesen, den Planeten Veritar IV einfach zu verlassen, egal wie. Transporterstrahlen hatten ihn erfasst und nun war er hier, zusammen mit jenen Kameraden, die noch aufrecht stehen konnten.
    In Händen hielt der junge Mann sein Kompressionsgewehr. Fest umklammerte er den Lauf der Waffe, den Kolben auf den Boden gestützt und wog sie leicht vor und zurück. Zu viele Gedanken schwirrten ihm in diesem Moment durch den Kopf, als dass er sich auf seine Umgebung hätte konzentrieren können. Vor seinem geistigen Auge wiederholten sich die Bilder der schrecklichsten Momente in den vergangenen Stunden. Jene Minuten, da die ersten Artilleriegeschosse in die eigenen Reihen einschlugen, wo das Orbitalbombardement einsetzte, verirrte Torpedos aus dem Raum in der Ferne einschlugen und sich Pilzwolken gen Himmel erhoben, die einem für die Ewigkeit geschaffenen Monument mehr glichen als dem Rückstand einer alles vernichtenden Explosion. Wer weiß, vielleicht würde man ja ein Monument später an jenem Bergzug errichten. Es wäre angemessen.
    Ein Gesicht erschien geisterhaft vor dem Petty Officer. Er erkannte es sofort. Es war der Ensign, welcher seine Einheit im vordersten Graben angeführt hatte. Sein Leben hatte so abrupt geendet, wie das vieler anderer ebenfalls. Doch er war nicht durch des Feindes Hand gefallen, sondern durch den Krieg selbst. Eine Staffel Kampfjäger hatte ihre Bomben falsch abgeworfen. Kaum, da die Erinnerung an den Tod des Ensigns ihren Weg an die Oberfläche fand, verbannte der junge Soldat sie wieder. Der Anblick war unerträglich. Vielleicht würde es ihm gelingen, diesen eines Tages zu vergessen, aber er zweifelte daran. Andererseits war das auch nicht wirklich notwendig. Er würde sich daran gewöhnen, es verarbeiten und weitermachen. So war das Leben und dass er an diesem noch teilhaben konnte, war etwas, wofür er höheren Mächten danken wollte, an die er jedoch eigentlich nicht glaubte. Womöglich würde er damit jetzt beginnen.
    "James?" Die Stimme drang dumpf zu ihm durch und er schüttelte einen Augenblick den Kopf, bevor er aufsah. Vor ihm kniete eine junge Frau. Es war Abie, die Hawaiianerin - zumindest bezeichnete sie sich immer so. "Ja?", fragte er. "Ist alles in Ordnung? Du sieht ziemlich blass aus." Er wunk ab. "Nein, es ist alles in Ordnung. Ich war nur etwas in Gedanken versunken." Sie lächelte und wuschelte durch das kurze, braune Haar des Petty Officers. "Denk nicht so viel nach, James, es ist vorbei."
    Ja, das war es. Es war vorbei. Die Offiziere hatten bereits erste Meldungen verlauten lassen, dass der Krieg vorbei war. Allerdings hatten sie auch gesagt, dass man nicht gewonnen hatte. Wie konnte ein Krieg vorbei sein ohne Sieger? Natürlich sagten viele, ein Krieg würde nie einen Sieger hervorbringen, doch einer sollte sich doch zumindest so fühlen, als habe er gewonnen. Eine Pattsituation sei entstanden, die wohl zu einem Waffenstillstand führen würde. Es hörte also auf, wie es begonnen hatte: Einfach so. Es kam ihm ein wenig absurd vor, fast schon unwirklich, als habe er einen Film mit offenem Ende gesehen, aber er fühlte sich sehr wirklichkeitnah an. Der junge Mann öffnete seine Hände und ließ das Kompressionsgewehr los, das polternd zu Boden fiel. Er sah es noch einen Moment lang an und lehnte sich dann zurück, schloss die Augen. Vermutlich würde er in wenigen Minuten eingeschlafen sein. Ruhe, danach sehnte er sich und nun bekam er sie. Der Raghdorkrieg war vorüber. Er war kurz, grausam, zerstörerisch und ohne Sieger gewesen. James zuckte mit den Schultern. "Egal, Hauptsache, es ist Frieden." Mit diesen leisen Worten schlief er ein.

    [Wieder in Coproduktion von Marie und Kaaran ;) ]
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
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