Marcus Salem - Selbst die längste Reise beginnt mit einem kleinem Schritt.

    • 24./25. Jhd.

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Willkommen im Forum des TrekZone Network Star Trek Rollenspiels.
    Neu hier? Neben dem Forum findest du viele weitere Informationen in unserem Hauptcomputer-Wiki. Wenn du mitspielen möchtest, melde dich bitte über das Anmeldeformular an. Wir freuen uns auf dich!

    • Marcus Salem - Selbst die längste Reise beginnt mit einem kleinem Schritt.

      Akt I:


      Credenhill, EU


      "IHR SEID NICHT MEHR IN KALIFORNIEN! IHR SEID IM DRECK!" - so begrüßte Cpt. Price die Neuankömmlinge im Sternenflottenausbildungsstützpunkt Hereford, während er sie Liegestütze machen ließ. Sollte auch nur einer schnaufen oder absetzen, setzte er auch mit seiner Rede ab und erst wieder an, als alle fünfzehn Offiziersanwärter vor ihm in Bewegung waren. Der Captain war kein Freund langer Reden und diesem Umstand verdankten die Anwärter, dass sie am nächsten Morgen lediglich einen mörderischen Muskelkater hatten anstatt zurück geschickt zu werden.
      Aber im Moment waren sie auf dem rauh asphaltierten Vorplatz des Stützpunktes während Transporter, Shuttles und Antigrav-Zugpferde an ihnen vorbeirauschten und machten Liegestütze wobei jeder Einzelne von ihnen schon bei zwanzig aufgehört hatte zu zählen. Die grauen, halbrunden Baracken der Unterkünfte, des Waffenlagers und der Trainingshallen lagen vor ihnen während die Trainingskurse hinter ihnen lagen. Die Trainingskurse bestanden aus Baumstämmen, Stacheldraht, Reifen und Schlamm - verschieden angeordnet und manches Hindernis auf den ersten Blick unschaffbar - diese waren für die Teamarbeit. Sie waren an diesem Morgen nicht die einzige Gruppe, die hier war. Zwei Trupps Unteroffiziere liefen ebenfalls über den Platz und hatten teils verachtende, teils belächelnde Blicke für die Greenhorns übrig, die sich noch mit Liegestütze während der Begrüßung abgeben mussten.

      Den Anwärtern, die nur in T-Shirts, Stiefeln und Hosen angereist waren, kroch der kühle Wind der schroffen Landschaft unter die Haut und auch wenn keiner daran glaubte, fielen nach kürzester Zeit die Schweißtropfen über Stirn und Nase bis auf den Boden vor ihnen. Dabei stampfte ihnen der Captain noch immer seine Rede ein: so prägnant, so getaktet, dass sie sich jeder der Kadetten ins Hirn meißelte. "KEINER VON EUCH WIRD DAS ÜBERLEBEN! UND DARUM ÜBERLEGEN WIR JEDEN TAG, OB IHR AM NÄCHSTEN NOCH HIER SEID!", schloss der Captain seine Rede und das waren auch die Sätze, die zur Ausnahme keine direkte Beschimpfung enthielten. Die Kadetten hatten das alles in der Grundausbildung überlebt aber Credenhill umwehte der Wind von sonderbarer Elite. Hier war der Schlamm tiefer, der Stacheldraht schärfer und die Ausbilder gnadenloser - sagte der Flurfunk an der Akademie.
      Die Kadetten standen auf und jetzt sahen sie das erste Mal mehr von Captain Price als die Stiefel und die Tarnmusterhose - beide akkurat geputzt - und der Uniformjacke, die in die Hose gesteckt war. Price war ein ca. 185cm großer Mann in seinen mittleren Vierzigern und mit einem sonderbaren Bart und einer sehr, sehr, sehr akkuraten und tiefen Stimme, die einen innerhalb von Sekunden davon überzeugen konnte, dass er jede Beschimpfung von hier bis zum Delta-Quadranten persönlich kannte und sich mit ihr nach Dienstschluss auf ein Bier traf. Kurzum: Er war der typische europäische Ausbilder: hart, bodenständig und in der Welt herumgekommen. Er war ihr Ausbilder. Sweetwater war ihr Aufpasser.

      Zu Sweetwater muss man ein paar Worte sagen. Er war der komplette Gegensatz zum aufrechten Price, vor allem der gebeugt wirkende Gang. Er wirkte verschlagen und mit seinen weißen Zähnen und den langen Haaren wirkte er fast wie eine Ratte. Sweetwater hatte keinen Rang oder niemand nannte ihn. Seine einzige Aufgabe bestand darin, die Kadetten zu beobachten und dem Captain jeden einzelnen Fehler zu nennen. Das machte Sweetwater extrem unbeliebt aber fast alle Kadetten wussten auch vonm Hörensagen, dass Sweetwater nur ein Holo-Programm war und ihre Nerven an den Rand des Zusammenbruchs bringen sollte. Er teilte ihnen ebenfalls mit, wann sie wo und wie zu erscheinen hatten. Aufstehen jeden Morgen um Vierhundertdreißig und Laufen von Fünfhundert bis Sechshundert. Frühstück in dreißig Minuten, Waffenkunde bis Zehnhundert. Schusstraining bis Zwölfhundert. Mittag in dreißig Minuten, eine Stunde Pause, Trainingskurse bis Fünfzehnhundert und danach war der Unterricht bzw. das Training bis Neunzehnhundert angesetzt, änderte sich aber je nach absolvierter Tagesanzahl: Orientierungstraining, Nahkampftraining, Teamtraining, Sprengstoffkunde, Scharfschützentraining, Grenzfahrten, Orbitalabsprünge. Bei den jeweiligen praktischen Abprüfungen wurde den Kadetten nicht mal gesagt, wieviel Zeit sie jeweils dafür bekamen. Jeder hatte sein Bestes zu geben.

      DerÄlteste unter ihnen war ein Mann mit dem obligatorisch kurzgeschorenem Haar und dem Greifen-Tattoo an der Schulter. Mit seinen frühen Dreißigern war er unter den Kadetten schon weit enteilt und Sweetwater damit näher als seinen Zimmerkameraden. Wobei einem die egal waren, die Kammer wurde meist eh nur zum Schlafen benutzt. In dieser weitestgehend rein männlichen Welt waren die Dialoge kurz und einfach: "Hey Zur, schläfst du schon?" - *schnarch*. Oder etwa: "Wow, du musst echt Hunger haben." - "Hm. *schmatz*". Tatsächlich brachte Price dann noch zehn Kadetten durch die Abschlussprüfung, wobei einer nach einem 20 Stunden-Marsch mit Gepäck über 65km und ingesesamt 7000 Höhenmeter in einen lebensgefährlichen Zustand verfiel und die restlichen einfach ausstiegen. Man kann das Jahr nahe Hereford auch so beschreiben: Es war Viehhaltung mit Bildungsausflügen. Unter anderen Offizieren, zB denen der Wissenschaft, galt Credenhill als archaisches Überbleibsel des Marine Corps und Fossil einer vergangenen Zeit. Unter allen, die es bestanden, war Credenhill ein Synonym für den ganz, ganz schweren Weg.

      Der Älteste mit dem Greif auf der Schulter übrigens war unter den Kadetten als "Oldie" bekannt. Er war nicht der klügste, kreativste, schnellste oder stärkste Mann der Truppe aber derjenige, der die Zähne am besten zusammenbeißen konnte und sich durch die Übungen kämpfte. Er flachste mit den Anderen, kämpfte und verfluchte mit den Rekruten Price und Sweetwater (was Sweetwater meistens hörte und - ganz der Aufgabe entsprechend - umgehend meldete). Was er nicht mit ihnen teilte, war die Geschichte die ihn an diesen Ort führte. Aber manchmal erinnerte er sich spät am Abend, wenn Schlamm und Schreie aus seinem Kopf wichen, warum er hier war ...
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Marcus Salem ()

    • Archangelsk, EU


      Der kalte und trockene Ostwind zerrte an den hellen Arktis-Thermoanzügen der Kadetten 1-13 und 1-08, während sie sich im flachen Gang durch die verschneiten und verwehten Gassen zwischen den Ruinen einer ehemals menschlichen Siedlung bewegten. Der Schnee lag so hoch, dass sie bis zu ihren geknickten Knien darin versanken. 1-08 hatte eine dicke Kapuze über den Kopf gezogen und verdeckte damit sein weißes Haar. Die blaue Haut war auch kaum zu erkennen - was aber dem dichten Schneetreiben in der Luft und einer aufgesetzten Schutzbrille zu verdanken war. Hätten beide ihre Ausrüstung nicht gehabt, so hätten sie sich schon vor langer Zeit aus den Augen verloren in diesem Labyrinth, gebildet aus den kümmer- und jämmerlichen Resten einer Stadt, die in den eugenischen Kriegen beinahe komplett zerstört wurde. 1-13 hatte eine dunkelblaue Mütze über seinen Kopf gezogen und auf ihr prangte die hochgezogene Schutzbrille. Er hatte einen Anfängerfehler in der Vorbereitung begangen und jetzt beschlug sie andauernd - ärgerlich aber er würde es sich für die Zukunft merken. Jetzt trieb ihm der Wind zur Strafe tausend kleine Schneeflöckchen mit Wucht ins Gesicht, während er um eine Ecke an einer roten Backsteinwand spähte und 1-08 mit einem Handzeichen bedeutete, weiter vorrücken zu können. Dieser kam dem kommentarlos mit andorianischer Effizienz nach.

      ***

      Chicago, NA


      "Hey, Marc! Komm schon!".
      Clint hatte eine wahrlich unangenehme Stimme. Sie schwankte zwischen "ständig aufgeregt" und "stets um Aufmerksamkeit heischend". Der Mensch dahinter strafte diesem Eindruck Lügen. Clint Skrittle war der unaufgeregteste Mensch, den man sich vorstellen konnte. Und als er "Marc" zum Kommen aufforderte, war Clint selbst schon 20 Minuten hinter der Zeit. Ihre Schicht bei der Müllabfuhr ab um 8.00 Uhr und es war schon 8.05 - und ihr Transporter stand noch am anderen Ende der Stadt. Aber erst zu Clint. Clint war ein normalgroßer Mensch mit einer normalgroßen Statur und einem etwas schmaleren Gesicht als Marcus. Während dieser abe längere Haare mitsamt dem kurzen Unterlippenbart trug, hatte Clint kurze Haare und nur hin und wieder einen Dreitagebart.
      "Hey! Jetzt beweg dich!", sprach Clint das blaue Klingelhologramm äußerst rüde an, das an der Wohnungstür von Marcus angebracht war. Die im übrigen in einer Nebenstraße der Ecke zwischen Locust Avenue und East End Avenue war - direkt vor der Wohnung.
      "Oh Gott, Clint du alter Bajoranertopf. Jetzt beruhig dich doch mal, ich hab Kopfschmerzen.", gab Marcus zurück, als er die graue Tür beseite schob und hinaustrat. Clint grinste nur sein breitestes Grinsen und entspann eines der seltenen Morgengespräche. Und das auch nur, weil es eigentlich kein Morgengespräch war, beide hatten in dieser Nacht nicht geschlafen:
      "Scheiß Sommerfest in Wrigleyville. Haben die Müllzerkleinerer komplett geschrottet.", begann der Störenfried im Treppenhaus des baufälligen Altbaus, spätes 21. Jahrhundert.
      "Die Cubs haben verloren und wir haben uns alle die Schädel zugedröhnt. Was erwartest du?"
      "Du hättest Bescheid geben können, Marc. Mir war gestern auch langweilig."
      "Erzähl keinen Unsinn, Nancy war wieder bei dir."
      "Stimmt. Und es ging rund."
      "Schön, also lass mir gefälligst auch meinen Spaß mit ein paar Idioten vom anderen Ende der Stadt, die eine Faust nicht mal erkennen, wenn ichs mir auf die Finger schreibe."
      "Jaja, jetzt gib mal nicht so an. Der Türsteher vom NightFlight war mehr wert ..."
      "Du hast seitdem Hausverbot, du Trantüte."
      "Wie gehts eigentlich mit Carla voran?"
      "Alter, Clint. Du nervst. Ich werd ihr nicht in die Arktis nachziehen, auf diese verdammte Forschungsstation. Das ist sie nicht wert."
      "Sie ist der Hammer du verdammter Glückspilz."
      "Ach halt doch die Klappe."
      "Willst du mir was sagen, du Grüngemüse?"
      "Du fährst heute, Ostküstensumpfgewächs."
      "Knausriger Knochentreter."
      "Engstirniger Erbsenzähler."

      Und so weiter.

      Die Mittagspause nahm das Team der Beiden, die mittlerweile leuchtend orange Overalls trugen, in der Nähe von Marcus´ Appartment: In einer Lücke, auch als Howard Avenue bekannt. Marcus konnte die Besorgungen erledigen und ein paar Padds aus der Hillside Bibliothek ausleihen, während Clint etwas Arbeit simulierte und die Reste der Müllzerkleinerer in die nochmals komprimierenden Bauteile des großen Antigrav-Transporters (auch leuchtend orange) warf und die Energiezellen der Zerkleinerer überprüfte.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marcus Salem ()

    • Chicago, NA


      Es fühlte sich seltsam klebrig an. Marcus bewegte seine Finger langsam und sah sie dabei an. Sie wirkten auch seltsam schwer. Was ein Glas Guinness und ein Whiskey doch mit ihm anrichteten. Er folgte mit seinem Blick den Adern, die bei diesem dehydrierten Zustand deutlicher hervortraten. Er betrachtete seine Hand so, als wäre sie gar nicht die seine. Dazu der Hinterkopf, der von Alkohol und Arbeit schwer geworden war und die stickige Luft aus Zigarettenqualm und der klebrige Duft längst verblichener Killersticks. Ein kurzes Naserümpfen, dann fuhr er sich mit der eben noch ausgiebig angesehenen Hand durchs Haar, das mittlerweile wieder ziemlich lang geworden war. Auf den Anzeigen, die in dem Pub Ecke Figuroa Ave installiert worden waren, konnte man solang man wollte ein Fußballspiel verfolgen. Die Anzeige auf der anderen Seite des Raumes lieferte andere Sportarten und -ergebnisse wie etwa Dodgeball von Alpha Centauri oder sowas. Für gewöhnlich starrte die Meute zur Fußball-Anzeige. An den dunkel lackierten und schon ziemlich lädierten Holztischen trieben sich heute die üblichen Verdächtigen herum. Da waren Andy - ein Kerl, der sich um das Klischee des Idioten bemühte. Schmucklose Jacke, ungeschnittener Schnurrbart, Zottelmähne und immer nen Killerstick im Mundwinkel - und wie sie alle hießen. Benennen konnte Marcus sie alle denn er gehörte zu ihnen mit seinem ungewaschenen T-Shirt und der Jeans, die an den Hacken mehr als nur unter die Räder gekommen war.
      Hier in Chathams Corner hielt sich der Rest aller Reste auf. Das Bier war billig und am nächsten Morgen hatte man dafür einen Kopf, der ein ganzes Apartment ausfüllen konnte. Wusste der Teufel, was die da reinmischten um es so billig zu machen. Replikatoren gabs nicht, die waren immer an Freigaben gekoppelt und Chathams Corner konnte ganz sicher keiner einzigen Freigabe oder Prüfung genügen. Und so saß man weiter an ein paar Tischen, Gläser in der Hand und trank sich das Leben schön. Die Truppe um Andy johlte unverhohlen verärgert und als Marcus sich zu ihnen umsah und dann wieder zur Anzeige, wusste er auch wieso: Nachrichten.
      Konnten die einen nicht mit diesem Krempel von Planeten wie Hinterberiberi in Ruhe lassen? Gott. Aber immerhin bewiesen die Nachrichten auch, was er schon befürchtet hatte: Es war nicht mehr Freitag sondern Samstag. Miteinem leisen "Oh Scheiße." schloß Marcus die Augen und fuhr sich mit Zeigefinger und Daumen der rechten Hand über seine Lider. Jetzt hatte das Wochenende einen Tag weniger und die nächste Schicht war zählbar näher gerückt.

      Jemand tippte auf seine Schulter. "Waaas?", fragte Marcus genervt und ließ sich im Stuhl zurückfallen, um besser zum Störenfried aufschauen zu können, wenn er den Kopf in den Nacken legte. Verdammt, es war Mathis.
      Mathis war eigentlich nicht sein richtiger Name. Mathis war sein Nachname. Der Vorname war "Geronimo" und kein Mensch hier wusste, was die Eltern im falschen Moment zu sich genommen hatten. Aber aus der Kollegialität unter Saufbrüdern ersparte man das Aufziehen mit dem Vornamen. Es hatte sich eh kaum gelohnt. Mathis hingegen war ein notorischer Nervtöter. Wiederholte alles, was gesagt wurde und kommentierte die offensichtlichsten Dinge, als hätte er sie entdeckt. Groß, blass, rothaarig dafür der Einzige im weiten Rund, der immer makellos rasiert war. Aber er war ein Choleriker und dann war seine Halsschlagader stets auf dem Niveau einer Stahlstrebe.
      "Marc! Wir wolln ne Runde Quasar zocken. Machste mit?"
      Marcus stand auf und ließ seine zwei geleerten Gläser stehen. Anschreiben, wie immer. "Klar.", sagte er mit wenig begeisterter und müder Stimme.
      "Geilomat.", sofort eilte Mathis zurück zum Tisch der Anderen (mittlerweile auf insgesamt 5 angewachsen, Marcus würde die Zahl dann also rund machen) und zog einen Stuhl heran. Er war wohl immer so unterwürfig, der Kerl. Jedenfalls setzte sich Marcus dankend auf den Stuhl und noch bevor die Karten ausgeteilt waren, legte Mathis mit seiner unglückseligen Geschichte los. Und weil er direkt neben Marcus saß und weil niemand sonst die Story hören wollte, durfte sich der Neuankömmling alles anhören: "Also Marcus, du weißt ja ... Jessica schon wieder."
      Jessica war Mathis´ Frau und eigentlich ein nettes, rundliches Mädchen mit Sommersprossen und sie war im wesentlichen diejenige, die für beide sorgte. Wie sie an Mathis geraten war, war allen ein Mysterium.
      "Also Jessica. Die war doch schon am letzten Wochenende wieder bei einem dieser Rekrutierungsbüros, nä? Hat sich voll in die Idee verschossen, zur Flotte zu gehen, nä? Nä, Marcus?" Marcus brummte.

      "Also Jessica, dieses dumme Ding. Die war wieder bei Turok, diesem Vulkanier, diesem Dreckskerl im Rekrutenbüro. Wo sie die Leute holen, nä? Also das hat mich ne Menge Mühe gekostet, die da rauszuzerren, nä? Die war richtig wild, wollte nicht weg von diesen Uniformskerlen da. Und ich sag noch so: Geh da nicht hin Jess, bei mir hastes doch gut."
      Marcus konzentrierte sich auf die Karten. Ass und Drei auf Hand.
      "Jedenfalls wären mich diese Heinis da fast voll angegegangen, nä? Dachten, ich würd Jess dalassen, wenn die mir ein paar Regeln und so aufsagen, nä? Da ham die sich in mir getäuscht. Ich geh da nich weg ohne Jess, hab ich gesagt. War nich einfach, die da an den Haaren rauszuzerren, nä?"
      Ass, Sieben und Sechs im Flop.
      "Un´ so is das gewesen. Alle ham´se geguckt, was ich da so mach. Aber der alte Mathis lässt sich von ein paar aufgetakelten Flottenheinis nich stoppen, nä? Weißt ja, wird dir beim Quasar auch nich gelingen, alte Nase. Und als ich dann so aus der Ecke da rauswar, hab ich Jess erstmal links und rechts eine geknallt, nä?"
      Ass im Turn.
      "Weil ... das kann ja nich angehen sowas. Hab ja ein Wort mitzureden dabei, nä? Wie kann die mich hier alleinlassen wenn se geht? Ich lieb sie doch. Das hab ich ihr da auch gesacht. Die kann nich einfach so wech. Das geht nich. Die wird hier gebraucht und ich geb die nich her, nä?"
      Joker im River.
      "... und dann hab ich se nachhaus geschleppt, hat geheult wie´n Schlosshund das Ding, nä? Is´ sogar die Schminke verlaufen. Kein schöner Anblick sach ich dir, nä? Hat dann um sich geschlagen und wollte die Scheidung un so. Das geht natürlich nich, nä? Musst ich erstmal ins Bad sperren, das arme Ding. Damit se zu Besinnung kommt, nä? Als ich her bin, hat se immernoch geschluchzt. Hat wohl auch den Spiegel runtergeworfen. Muss ich ihr auch noch beibringen, dass das so nich geht, nä?"

      Irgendwie tat Jessica Marcus leid.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Archangelsk, EU


      Zusammengebrochene Stromnetze. Strom war der Lebenssaft der Menschen geworden und an die Stelle von Blut getreten. Zumindest hätte man das meinen können, als die eugenischen Kriege begannen. Die ersten Atombomben zerstörten nicht die Städte sondern explodierten im Orbit über ihnen und lösten EMPs aus. Das nahm auch der modernsten Verteidigungsstellung den Saft. Später waren es die Kraft- und Umspannwerke, die zu militärischen Prioritätspunkten wurden. Man konnte keine Zivilisten ohne Strom verteidigen. Als der Krieg Archangelsk erreichte, fielen die Strommasten wie Streichhölzer. Und es waren riesige, metallene Skelette, die jetzt im Schnee lagen und ihre Leitungen verhedderten sich ineinander und bildeten Netze. Oder besser: Zäune. Denn diese Netze waren undurchdringlich und es brauchte eine Ewigkeit, bis man sich durch sie hindurchgearbeitet hatte. Aber darum herum zu gehen bedeutete, noch mehr ins offene Gelände zu laufen und vielleicht einer feindlichen Patrouille in die Arme. Hier, zwischen den Betonklötzen, die die Jahre überdauert hatten, lag einer dieser Strommasten und versperrte mit seinen Leitungen 1-08 und 1-13 den Weg. Es benötigte nur einen kurzen Blickkontakt zwischen beiden, eine knappe Armbewegung und 1-08 kniete sich in den Schnee um den rückwärtigen Raum besser überwachen zu können. Er hob sein Typ IIIc-Gewehr und spähte durch seine Brille auf die Fußstapfen der beiden zurück, die langsam begannen zuzuschneien. 1-13 zog sein Messer und machte sich daran, dieses Gewirr aus Leitungen zu durchschneiden, das sie von ihrer weiteren Route trennte.

      ***

      Spring Valley (einen Steinwurf westlich von Chicago), NA


      Es gab nichts besseres. Das gab es schlichtweg nicht. Und wenn doch, dann war es in diesem Moment ganz fern. Die Sommersonne versank mit all ihren Rottönen im Westen und kitzelte mit ihren letzten Strahlen noch an den oberen Enden der übergroßen Stimmgabeln, die an den beiden Enden des Football-Feldes aufgestellt waren. Sie waren allesamt dreckig und glücklich. Ein Haufen Jungs, die sich unbesiegbar fühlten. Und es war absolut egal, dass sie es nicht waren. Sie fühlten sich so und atmeten den frischen Duft gemähten Grases vom Feld, während sie ihren Sieg feierten. Kein großer Sieg sondern ein Bolzplatz-Sieg gegen die Jungs aus LaSalle aber wen interessierte das schon Sie knufften sich gegenseitig härter als notwendig und tobten vom Platz in Richtung des Parkplatzes, wo einige Väter auf ihre Söhne warteten. Sie hatten sich das Spiel mitangesehen denn obwohl es nur ein Bolzplatzspiel war, war es doch ein Kräftemessen zwischen all den Sechzehn- und Siebzehnjährigen. Und wer sah nicht gerne, wie sein Sohn im Football brillierte?
      Heute hatte einer sogar ganz besonders brilliert, was wohl nur an der Tagesform lag: Marcus Salem jr. Zwei Touchdowns waren auf sein Konto gegangen und damit so ziemlich der ganze Sieg. Er hatte sich zweimal auf der rechten Seite durchgekämpft: einmal mit Ball, einmal ohne. Beim zweiten Mal hatte er sogar einen Pass gefangen und war seinem Gegenspieler ausgewichen, ehe er sich in der Endzone dreckig gemacht hatte. Beide Male wurde er von der handvoll Zuschauer aus Spring Valley frenetisch gefeiert. Und jetzt, als sich das Team abklatschte, auf den Rücken klopfte und auf die Autos, Motorräder und vereinzelten Mädchen aufteilte, grinste ein Mann über beide Ohren, wie es nur die stolzesten Väter können: Marcus Salem sr. Ihm entgegen stapfte ein ebenso breit grinsender Frechdachs mit Haaren, die in alle Richtungen standen und einem vor Schmutz starrendem T-Shirt auf dem "STP" prangte.
      "Hey Dad."
      "Marcus.", grinste der Vater unbeirrt weiter. "Ich sollte dich fürs Profitraining anmelden."
      "Vergiss es, Dominic wird es mir nie vergessen, wenn ich ihn auf der Farm zurücklasse und in die weite Welt hinausziehe."
      "Nein, im Ernst. Dieser eine Kerl war heute wieder da. Der, der sich immer eure Spiele anschaut.", das Grinsen verschwand und wich einem verschwörerisch-belustigtem Blick, während Salem sr. den Wagen aufschloss.
      "Das ist keiner von den Bears. Du spinnst."
      "Na wenn du das meinst ... ich hätte nichts gegen einen Sohn, der von allen Frauen am Spielfeldrand angehimmelt wird. Du hättest heute ihre Blicke sehen sollen ..."
      "Ich war damit beschäftigt, zum Ball zu sehen. Sonst hätten wir nicht gewonnen.", wand der Junior grinsend ein und setzte sich in den Wagen, die Tasche mit seinem Wasser auf den Schoß nehmend.
      "Du findest auch für alles eine Ausrede, nicht wahr Marcus?", setzte sich der Vater hinters Lenkrad.
      "Absolut, Marcus.", schmunzelte der zurück. Eine kurze Pause folgte, in der sich beide ansahen, dann hielt der Senior die Hand für einen Shakehands hin und der schlug ein.
      "Deine Mutter hat mir bescheid gesagt, heut gibts dein Lieblingsessen."
      "Dad! Das meinst du nicht ernst!"
      "Oh doch. Aber wenn du dich beim Duschen nicht beeilst, isst Dominic dir alles weg und du kriegst nur kalte Nudeln ..."
      "Das wird nicht passieren. Ich brauche nur acht Minuten.", währenddessen startete der leise Motor des Kompaktschwebers.
      "Und ich bis zur Farm nur fünf. Soll ichs demonstrieren?", fragte der Mann am Steuer mit diabolischem Grinsen. Marcus jr. warf den Kopf zurück:
      "Mum sagt, du sollst nicht so schnell fahren. Sie kriegt sonst Angst, weil wir beide am Baum enden könnten."
      "Siehst du irgendwo Bäume? Hier gibts nur schöne, glatte Feld-"
      "- ich weiß. Ach komm, fahr schon. Ich will Dominic nicht vor leergegessenem Teller sehen."
      "Na wenn du willst, dass ich mich so beeile ...", lächelte Elliot Marcus Salem IV. Aber sein Sohn sah in diesem Moment aus dem Fenster. Ca. 10 Meter entfernt stand ein atemberaubend hübsches Mädchen mit karamellener Hautfarbe und nachtschwarzem, schulterlangem Haar im Mittelscheitel, das ihre Schulter streichelte. Sie trug ein knielanges Kleid in einem gelblichen Farbton, für den Marcus grade keinen Begriff fand. Aber er erkannte ihre langen, schlanken und glatten Beine, die zarten Finger, die gerade einen Zaunpfahl fassten, damit sie locker stehen konnte. Ihre Beine endeten in hellen Ballerinas, vermutlich auch gelblich. Ihre Wangen waren makellos, nur wenig Make-Up aufgetragen, ihr Kinn war rund und süß, ihre Lippen voll und ihre Mundwinkel gruben kleine Fältchen in ihre Wangen, als sie lächelte. Sie lächelte. Sie lächelte Marcus an und warf ihm einen kecken Blick zu. Sie warf nicht nur, sie erschlug ihn förmlich damit.

      Aber als Marcus auch nur daran denken konnte, den Türgriff in die Hand zu nehmen um auszusteigen, war sein Vater schon losgefahren und sie war damit schon hunderte Meter entfernt. Aber er kannte ihren Namen, sie kam aus Chicago. Camille. Und sie hatte ihm zugelächelt.
      Marcus jr. starrte geradeaus auf die kerzengerade Strecke, die vor ihnen lag. Die Sonne ging unter und der westliche Horizont erstrahlte noch in einem hellvioletten Licht, während das saubere Blau der Nacht langsam hochkroch, die ersten Sterne blitzten und sich Vater und Sohn im Wagen anschwiegen. Marcus fühlte noch das Blut durch seine Adern pulsieren von all der Aufregung. Den Adrenalinstoß des Touchdowns. Den berauschenden, alleinnehmenden Kick des Sieges. Das dreckige T-Shirt, der klebrige Schweiß des hitzigen Spiels, die aufgeschrammten Knie, die Aussicht auf einen heißen und würzigen Hackfleisch-Nudelauflauf von Mum im warmem Licht der kleinen Küche und Dominics Witze. Eine angenehme, prasselnde Dusche und der stolze Vater neben ihm. Das Lächeln von Camille und die Aussicht, die Konturen ihres Schulterblattes mit dem Zeigefinger sanft nachfahren zu können ...

      Marcus jr. öffnete das Beifahrerfenster. Der Schweber war nur ein Summen in der abkühlenden Luft. Er schnupperte und schloss die Augen. Es roch nach gemähtem Gras und Wald - mit einem Hauch Zimt darin. So fühlte sich Glücklichsein an.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Monteriggioni, EU


      Die Sonne war am Untergehen und das Foto gemacht. Die Arbeit war getan und die Arbeit der Sonne damit auch. Sie tauchte alles ins goldfarbene Licht wie das untergehende Sonnen eben so tun und erdrückte damit fast die in den Hügeln wogenden Felder vollen Korns. Die Ähren senkten sich unter dem Gewicht der reifen Körner schon gen Boden und bald würde man ernten. Auf einer sanften Erhebung inmitten dieser Felder standen drei Häuser. Ineinandergebaut, sodass es beinahe wie ein großes Haus aussah. Insgesamt bildeten sie - wenn man es von oben betrachtete - ein großes L, das eine Terrasse einrahmte und von einem Swimming Pool gekrönt wurde. Der Swimming Pool in seiner hellblauen und beinahe türkisem Wasserfarbe hatte aberkeine Chance gegen die untergehende Sonne. Vor allem nicht, weil ein Teenager und ein Vorschulkind wie wild darin herumplanschten. Auf der Terrasse - mit dem Haus im Rücken und dem Garten und dem Pool vor sich - saßen zwei Männer. Doch vorher soll der Garten beschrieben sein. Denn eigentlich war es kein Garten sondern viele längliche Erdhaufen Mutterboden, aus denen ein paar frisch gepflanzte Grünlinge ihre Köpfe emporreckten. Es duftete nach frisch gemähtem Gras, von Frauen aus den umliegenden Dörfern gestiftetetem Rosmarin und frischer Erde.
      Die Männer saßen in Teakholzliegestühlen und schauten Artie dabei zu, wie der mit Anlauf ins Becken sprang. Beide hatten ein Bier in der Hand und zur Feier des Tages auch Echtes besorgt, kein Repliziertes. Wenn auch nur für jeden eine Flasche. Zwischen ihnen stand ein kleiner, schnörkelloser Beistelltisch aus passendem Holz - auch Teak. Darauf eine Schale Chashewkerne, zwei Kronkorken und Schlüsselkartenbund. Beide genossen die Ruhe und den Luxus, in Anwesenheit eines Freundes nichts sagen zu müssen. Sich zu verstehen, ohne miteinander zu reden. Dann brach Marcus doch die Stille:
      "Clint ... danke für das alles hier. Ohne dich wär ich nicht mal zur Erde zurückgekommen, geschweige denn dass ich das hier hätte aufbauen können ..."
      Der Schwarzhaarige schaute zum Offizier der in Jeans und dreckigem, grauen T-Shirt gar nicht mehr wie ein Offizier aussah: "Du weißt, dass das selbstverständlich ist, oder?"
      "Naja, schon. Aber ihr habt so eine kleine Wohnung und ich mit einem Schlag so ein Riesengehöft. Das ist irgendwie nicht fair."
      "Das Leben war nie fair. Du hast mal gelebt wie ne Kakertratte, schon vergessen?"
      "Wie könnte ich das vergessen?", Marcus schaute auch zu Clint hinüber und beide grinsten schwach, ehe sie sich zuprosteten. Aber er beließ es nicht dabei sondern setzte nach nur zwei Schluck wieder ab:
      "Ich kann das nicht. Ich kann kein Gut besitzen von jemandem, den ich nie kannte und dann dauernd im Weltall rumfliegen während ihr in Chicago hockt.", protestierte er wieder.
      "Okay okay.", Clint hob beschwichtigend die Hand, "Gut, du alter Pirat. Ich weiß schon, worauf du hinauswillst."
      "Und?"
      "Ja natürlich machen wir das, gottverdammt. Wann krieg ich denn wieder die Chance auf so ne Aussicht? Da muss ich in Chicago lange fahren."
      "Ich dachte ... wegen Artie und Harry ... und ihren Freunden ...", gab Marcus dezent verdattert zurück.
      "Mach dir darum mal keine Sorgen. Wir werden hier ne Menge Spaß haben. Und so wie ich das sehe, hat Harry nur noch seinen Abschluss vor sich und wird mich dann eh in Richtung Flottenakademie verlassen ...", Clint versuchte die Bitterkeit beim letzten Teil in seiner Stimme zu vertuschen, was ihm nicht gelang. Eine betretene Pause entstand.
      "Altwerden ist schrecklich.", resümierte Marcus dann.
      "Es ist nur schrecklich, wenn man alleine alt wird.", gab Clint kurzerhand zurück. Marcus sah ihn fragend an.
      "Ich hab die Jungs. Die letzten 15 Jahre waren die Besten meines Lebens. Du warst zwar gegen Ende nicht mehr so oft da aber Harry hatte neulich mal ne Freundin beim Essen."
      "Wie hast du sie verscheucht?"
      "Der Trick mit dem Kronkorken."
      "Du bist grässlich.", erklärte Marcus unter Prusten und beide lachten so laut, dass sogar die quietschvergnügten Jungs zu den beiden erwachsenen Männern verwundert hinübersahen. Nur Sekunden später erschlug Harry wiederum Artie fast mit einem riesigen Platschersprung. Marcus wischte sich eine Träne des Lachens aus dem Auge, Clint aber hakte nach kurzer Ernüchterungsphase nach:
      "Wie siehts mit dieser Celes aus? Keine Kinder geplant?"
      "Du weißt, wie ich darüber denke."
      "Herrgott, komm von deinem Vater los.", Clint wurde mit einem mal sehr ernst, "Nur weil irgendwer ne verworrene Theorie hatte, bürstest du alles auf Anti. Keine Familie, keine Kinder ... ja, ich weiß. Vor 16 Jahren dachte ich genau wie du. Aber das war vor 16 Jahren. Du denkst immernoch so. Glaubst du, du kannst die Welt verbessern, indem du dem Namen 'Salem' ein Ende setzt?"
      "Ja.", gab der Angesprochene zurück, während er abwesend ins Kornfeld starrte.
      "Wenn du einsilbig wirst, ist immer alles verloren. Die Nummer kenn ich schon.", lehnte Clint sich zurück. "Lern ich diese Celes denn wenigstens mal kennen?"
      "Heute jedenfalls nicht mehr.", sagte Marcus tonlos wie zu sich selbst, ehe offenbar ein Blitz in ihn fuhr. Denn dann sah er Clint wieder direkt an und fragte mit hoffnungsfroher Stimme, "Wie gehts eigentlich Carla?"
      "Ein Kind, eine Karriere, ein Mann, eine Stelle in Kapstadt mitsamt Haus. Soweit ich das begriffen ha-", weiter kam er nicht denn Harry und Arty kamen mit einem Eimer voller Wasser direkt auf ihren Vater zumarschiert und der sprang aus seinem Stuhl, das Bier hochhaltend, und rannte vor ihnen spielerisch davon - die beiden hinterdrein. Marcus sah ihnen hinterher, wie die drei über den gemähten, hellgrünen Rasen rutschten, sich auszuweichen versuchten und sich Artie und Harry am Ende selbst nassmachten. Während dieser ganzen Zeit saß er nur da und lachte über dieses ulkige Schauspiel und fühlte sich rundum glücklich.

      An diesen Moment würde er sich immer erinnern, wenn er das Foto der drei in seinem Quartier sah.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Archangelsk, EU


      Die nächsten Kilometer würden die Schwierigsten werden. Das war kein Problem, solange man es einplante. 1-08 und 1-13 hatten lange geplant: Die Route, die Witterung und sobald sie nur auf eine Spur stießen, kontrollierten sie die Patrouillenabstände. Die letzten Kilometer nun führten über einen Fluss. Einen Fluss der so kalt war, dass sogar der blauhäutige 1-08 keine rechte Freude daran haben würde. Für 1-13 jedoch war das eine Katastrophe. Der einzige Weg zum Ziel führte über einen Staudamm ... einen äußerst instabilen Staudamm. Und das war bei weitem noch nicht das Schlimmste. Gepanzerte Patrouillen waren hier unterwegs - in unregelmäßigen Abständen. Der Albtraum jedes Infiltrators. 1-08 und 1-13 lagen geschlagene zwei Tage in der windigen und knarzenden Ruine eines Fertigteilbaus mit Blick auf den Damm. 1-08 fand das angenehm, 1-13 hielt sich vornehmlich mit unflätigen und stummen Flüchen warm, während der eiskalte Wind an ihren weißen Thermoanzügen zerrte. 46 Stunden ohne viel Regung, nur mit einem Vergrößerungslgas vor den Augen. Es musste einen Weg geben. Nach 46 Stunden hatten sie ihn gefunden.
      Unsichtbarkeit ist eine Frage von Geduld und Wendigkeit. Die Geduld war gefordert gewesen, die Wendigkeit war nun entscheidend. Entgegen vieler Meinungen können sich zwei Menschen zusammen besser verstecken als einer alleine - sie haben immerhin vier Augen. 1-08 und 1-13 waren ein ziemlich eingespieltes Team, als sie sich auf den Parkplatz der Schweber schlichen. Es gingen hier Patrouillen um aber anders als am Damm waren sie hier regelmäßig und damit berechenbar. Sie auszuschalten würde heißen, dass man den Verlust der Männer im Funkverkehr schnell merken würde und das konnte man sich in dieser Phase des Plans nicht leisten. Die Abdrücke im Schnee konnten tödlich für die beiden sein, wenn die Patrouille darauf stoßen würde. Würde sie nicht. Denn ein kleines Ablenkungsmnöver, 2km flussaufwärts zog die Aufmerksamkeit des Mannes auf sich, den die beiden aus 8m Entfernung aus einer Schneewehe heraus beobachteten. Nichts Dramatisches, lediglich ein paar losgeschnittene Baumstämme, die verzurrt am Ufer gelegen hatten um irgendwann abgeholt und zu Brettern verarbeitet zu werden. Genug für die beiden, um zu den parkenden Schwebern zu sprinten und sich, wie tausendmal geübt, mit einer Rolle darunter in Sicherheit zu bringen. Der stärker werdende Schneesturm verhinderte die Sicht und würde die Abdrücke im Nu verschwinden lassen. 1-08 und 1-13 zurrten sich mit ihren Karabinern unter dem Transportschweber fest und wünschten sich stumm Glück, dass er sie ungesehen auf die andere Seite des Flusses bringen würde. Jetzt begann wieder der Teil mit der Geduld ...

      Chicago, NA


      Was für ein Kater. Ein Kater, der jede Katze der Welt hätte glücklich machen können, wenn er nicht ausschließlich in Marcus' Kopf stattgefunden hätte. Ein Kater, der bereits den ganzen Tag versaute bevor der Tag angefangen hatte. Die Wohnung fühlte sich ein paar Nummern zu klein für diesen Kater an und Marcus fühlte sich, als hätte man ihn im Bett festgeklebt. Rotzeelend. Es war wohl auch schon nach 10 Uhr Vormittags, als er endlich genug Willenskraft beisammen hatte um sich aufzusetzen. Spärliches Licht drang durch die verdunkelten Fensterscheiben und Marcus beschloss in den Windungen seines dröhnenden Gehirns, etwas zu unternehmen.
      Wie immer, wenn der Kater zu groß war, mussten Hausmittel herhalten: Unmengen Wasser trinken. Mittelchen gegen Kopfschmerzen nehmen. Irgendwas Salziges essen ... gott, der Replikator funktionierte schon wieder nicht! In seiner Küchenzelle stehend hämmerte der noch vom Restalkohol benebelte Mann gegen die Verkleidung, als könne er Wasser aus ihm herausprügeln. Das Wasser kam dann auch irgendwann, das Salzige - Chashewkerne hatte er bestellt - dann aber nicht mehr. "Scheiß Replikator.", waren die einzigen Worte, die das unschuldige Gerät für sein Ende bekam.
      Darauf folgend setzte sich Marcus wieder ins Bett und schmiss sein schweißverklebtes T-Shirt in die Ecke und ließ den Blick durch die kleine Wohnung streifen. Es sah grauenvoll aus, sogar für seine Verhältnisse. Dreckige Kleidung mit Spritzern von Nahrungsmitteln lag herum, weitere schweißverklebte T-Shirts, die dreckstarrenden Arbeitsschuhe und jetzt wo der Replikator den Geist aufgegeben hatte, würde er nicht mal die Essensreste aus der Spüle dematerialisieren können. An den Wänden sah es nicht besser aus als auf dem Boden: karge Wände, kein einziges Bild. Da war nur ein Kalender und eine Uhr und - ach du Scheiße, es war schon halb 11!

      Andererseits - und Marcus vergrub an dieser Stelle sein Gesicht in den Händen - war das eh egal. Es war ein verdammtes Scheißleben hier und er hatte keine Sekunde länger Lust darauf, sich diese Bude mit seinem eigenen Mief zu teilen. Marcus stand auf und ging ans Fenster, stellte die Verdunkelung niedriger und ließ damit Licht ins Zimmer. Viel würde das nicht werden, denn hier schien nie die Sonne. Das hatte mit Chicago nichts zu tun. Viel eher damit, dass es eine Wohnung zur Nordseite hin war und noch dazu lediglich die Aussicht auf einen der anderen Wohntürme bot. Es war ein grauer, dreckiger und ziemlich unbelebter Ort hier. Schade, dass man in diesen Wohntürmen nicht mehr die Fenster öffnen konnte, seitdem die Selbstmordrate hier drastisch gestiegen war. Dafür konnte eigentlich keiner was, am wenigsten die Fenster aber irgendwer fand sich immer, der irre genug war um aus einem Hochhaus zu springen. Hätte man das Fenster öffnen können, hätte sich Marcus heute zu den Irren gezählt. So aber blieb nur der ewig gleiche Ausblick in eine verdammte Monotonie, die sich nie ändern würde. Marcus ließ sich wieder ins Bett fallen und stellte sich vor, wie sein Leben weitergehen würde: Alt und zu so einem Kauz wie alle in Chathams Corner werden. Mit Clint auf ewig einige Bierchen heben. Vielleicht fand sich sogar mal irgendwann irgendjemand, der ihn bekochen und vor den Altar zerren würde. Marcus nahm sich fest vor, diesen Jemand nicht so zu behandeln wie Mathis das mit Jessica tat. Sie war einer der vielen Gründe, warum die Fenster nicht mehr zu öffnen waren.

      Der Summer summte. Aber nicht, wie sonst. Einmal hieß, es wäre irgendwer, der eigentlich zu jemand anderem im Turm wollte aber bei Marcus klingelte. Zweimal hieß, dass es Clint war. Dreimal war jemand, der es eilig hatte und Viermal waren die Besoffenen Nachts. Jetzt summte es zweimal. Aber in einem Stakkato, das Marcus noch nie zuvor gehört hatte. Obwohl er sich wie ein vergammelnder Baum im Wald in seinem Bett fühlte, stand er auf und trottete auf dem kalten Boden zur Tür. Es war Clint, der allerdings außer sich war:
      "MARCUS! BEWEG DEINEN VERDAMMTEN ARSCH SOFORT HIER RUNTER!"
      "Moooment. Wasn los?"
      "BEWEG! DICH!", schleuderte Clint nur durch die Gegensprechanlage entgegen. Man muss an dieser Stelle über Clint Skrtel sagen, dass er eigentlich ein gefasster Mensch war. Sogar bei den obligatorischen Schlägereien war er keiner von der Schrei-und-Schlag-Fraktion. So wie er jetzt an der Tür stand, hatte ihn noch niemand zuvor gesehen. Er keuchte und schien vielmehr hysterisch als wütend. Auf seinem Gesicht lag der Ausdruck eines Mannes, der vor seinem Tod gerade drei Stunden lang sprintend geflüchtet war. Gehetzt und doch nicht mit akuten Problemen. Naja ... die schrie er heraus:
      "ALTER! WENN DU NICHT SOFORT HIER UNTEN BIST ...!"
      "Jaja, ich komm ja schon.", brummte Marcus unmissverständlich angepisst in das Mikrofon und machte sich gar nicht die Mühe, seine Hose zu tauschen. Er nahm sich das letzte saubere T-Shirt aus dem Schrank. Kurioserweise war es eines seiner Lieblingsshirts. Retrostil. Darauf stand "Harley Davidson". Bis heute konnte niemand Marcus erklären, was das nun eigentlich hieß.
      Unten angekommen, fiel Clint Marcus eher in die Arme, als dass er ihm eine verpasste - womit der gerechnet hätte. Er hatte vor irgendwas Angst ... Marcus klopfte ihm perplex auf den Rücken. Er klopfte so unbeholfen wie jemand, der schon lange nicht mehr umarmt worden war und vergessen hatte, wie das ging. "Ist ja ... gut?", versuchte Marcus ein zaghaftes Trösten. Es misslang. Auch in den nächsten Minuten wollte Clint nicht damit rausrücken, was los war. Er ging mit Marcus, der das Sonnenlicht eher mied, zu einem der Wohntürme.

      "Ich kann diese Gegend nicht mehr sehen.", erklärte Marcus.
      "Wir müssen irgendwas tun, irgendwas ...", faselte Clint abwesend. Als hätte er seinen Freund gar nicht gehört. Mit dieser seltsamen Abwesenheit fuhren sie auch im Turm nach oben. Marcus kannte diese Wohnung nicht, zu die ihn Clint brachte.
      "Versprich mir Eines - wir haben ihn zusammen so das erstemal gesehen, ja?"
      "Wie meinst du da-?", wollte Marcus noch nachhaken aber da hatte Clint das Schloss schon mit einem gezielten Fußtritt ausgetreten.
      Und dann sah Marcus es. Oder besser - ihn. Genau konnte man das im allerersten Augenblick nicht sagen, denn auf Augenhöhe hingen nur zwei Beine in der Luft. Erst als der Blick instinktiv nach oben wanderte erkannte Marcus das Gesicht des Mannes, der an einem Strick an der Decke hing - Mathis.

      "Ach du Sch-"
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Spring Valley, NA


      Es ist ein meilenweiter Weg von "etwas verstehen" zu "etwas begreifen". Man konnte die Rauchsäule kilometerweit sehen und obwohl Marcus ganz genau wusste, was sie bedeutete, akzeptierte sein Verstand diese Tatsache nicht. Obwohl der Rauch beißend stank, ignorierte er ihn. Es konnte keine eindeutigeren Beweise geben als ein Feuer, blinkende Warnleuchten und eine Rauchwand. Aber man musste immer direkt vor dem Elend stehen, um es zu verstehen.
      Es war weg.

      Als hätte es diesen Ort nie gegeben. Als wäre die Erinnerung an ihn ausgelöscht worden aus allen Archiven, Gedanken und Erinnerungen dieser Welt. Marcus starrte in Flammen, schwarzen Rauch, den staubigen Boden und die zusammenbrechenden Reste eines Farmhauses. Stand er? Er wusste es nicht und wenn ihn jemand angesprochen hätte, hätte er es überhaupt nicht gemerkt. Sein Blick war allein und einzig auf das brennende Skelett eines Hauses gerichtet, dass dem Tode geweiht war. Gleich würde die Westwand einstürzen, das sah man ihr an. Wie eine Salzsäule erstarrt und mit ebenso starrem Blick schaute der junge Mann in das lodernde Feuer, dass sein bisheriges Leben verzehrte. Alles weg. Alles. Sogar der Schuppen brannte. Die Fäulnissilos waren offenbar schon zu Beginn explodiert und hatten jede Menge brennenden Schrott in die Gegend gespuckt. Der Boden war übersät von groben, brennenden oder verkohlten Splittern. Alles bot einen dreckigen Kreis um das brennende Haus in der Mitte.

      Marcus starrte in das Feuer und egal wieviele Leute es löschen würden - jede Flamme verbrannte ihn mit und würde bis auf ewig lodern. War es sinnvoll, hineinzulaufen und sich einfach nur zwischen all die Flammen stellen bis man selbst Teil des Hauses und jedes Windstoßes war - nur ein Haufen Asche? Marcus wusste nicht, was ihn abhielt und würde es nie erfahren. So stand er vor dem großen Feuer, das das Haus seiner Eltern, seiner Familie und all ihrer Freunde verbrannte.

      Die anrückenden Helfer sahen ein großes, alles verzehrendes und gefährliches Feuer. Ein Mann sah etwas Anderes.

      Fünf Tage Später


      13 Särge. Keiner war gefüllt. Die Bestattung war ein Witz und doch hatte Marcus das versessene Pflichtgefühl, es auf diese Weise zuende zu bringen. Er hoffte, er würde begreifen, was da passiert war. Er tat es nicht. Dads Priester sprach ein paar einfache Worte, die sowieso niemand hörte denn jeder Freund der Familie - die gesamte Sekte war in dem Feuer umgekommen. Selbstverursacht, wie später in den Berichten stehen würde. Alle wären im Haus gewesen und hätten keinen Fluchtversuch unternommen. Nicht die Kinder, nicht die Alten, nicht die Eltern. Niemand. Keiner. Nie.
      Es war so unverständlich wie es irreal war. Man hätte Marcus an diesem Tag einen als Banane verkleideten Vulkanier zeigen können, er hätte nicht mal den Sinn dahinter verstanden. Wie paralysiert, wie eine Salzsäule saß er vor den Särgen seiner Eltern. Kleine Projektoren warfen Bilder von ihnen in die Luft. Es war, als wären sie doch immernoch da und wären nur kurz gegangen. Der Gedanke war viel eingängiger als das sie für ewig fortsein würden. Sogar so eingängig, dass Marcus zur Tür schaute, ob sie nicht doch hereinschneien würden. Er war der einzige Gast dieser Beerdigung und verdankte es nur dem Mitgefühl von Clint, dass er nicht alleine 13 Särge ertragen musste. Später würde Clint über Marcus sagen, er sei ein unheimlicher Idiot und das wäre vielleicht auch wahr ... aber Marcus' stures Ehrgefühl zwang ihn dazu, eine Nacht lang vor den eigenhändig zugeschütteten Gräbern zu stehen. Er hoffte, er würde es begreifen. Er tat es nicht.

      Auch Tage danach blieb Marcus wie in Stase. Er weinte nicht einmal. Das hatte er seit seinem siebten Lebensjahr nicht mehr getan und das er es nicht tat, machte alles irgendwie nur schlimmer. Er saß einfach nur in seiner Wohnung, starrte die Wand an und hoffte, er würde es begreifen. Er tat es nicht. Er hatte keine Ahnung, wie er damit umgehen sollte. Er stand vor einem Nichts. Und hätte man das Licht gelöscht und den Fenstergläsern Verdunkelung befohlen - Marcus hätte keine Dunkelheit bemerkt. All die lachenden Menschen seiner Kindheit, die Küche, sein Zimmer, Dominics Spitzbubenlachen - ausgelöscht und für immer von der Erde getilgt durch den Wahnsinn weniger. Konnte man das begreifen? Nein.

      Chicago, NA


      Der Abend war lustig gewesen und Marcus hatte bei den Wetten auf das Football-Ergebnis der Cubs sogar gegen Mathis und Clint gewonnen. Andy war gar nicht erst angetreten und die nächste Runde Guinness wartete schon an der Theke darauf, geordert zu werden. Ein heiteres Treiben, hin und wieder durchbohrt vom Auflachen einiger Gäste über einen guten Witz beherrschte Chathams Corner und sogar an den Spielboxen herrschte mal gute Stimmung. Rauch von Killersticks und den alten Tabakrauchern erfüllte die schwere, heiße Luft und überall roch es nach Schweiß, Rauch und Alkohol. Einige begannen auf den Sieg der Cubs zu singen, andere wiederum hatten es ins Auge gefasst, den Abend volltrunken zu beenden und orderten mehr Bier als gut war. Mit einer Stimme, die schon den Abgang innerhalb der nächsten drei Minuten ankündigte. Die dunkel lackierten Tische wiesen wieder ein paar Spritzer von übergeschwapptem Bier oder ein paar Kratzer auf, Quasar-Karten lagen herum und wurden als Bierdeckel missbraucht, das Licht flackerte heute mal ausnahmsweise nicht andauernd und irgendwie schien die Stimmung im ganzen Pub gelöst, locker und problemlos. Hier trafen sich die einfachen Menschen und ließen ihren Bedürfnissen freien Lauf - ungekämmte Haare und speckige Jacken waren an der Tagesordnung. Es gibt nichts Falsches daran, sich am einfachen Leben zu erfreuen.

      Marcus, nach zwei Guinness mehr beschwipst als besoffen, erhob das Glas ein drittes Mal zu Ehren der Cubs und mit ihm Mathis, Andy, Clint und wie die Anderen der Runde noch so hießen. Ein gejohltes "HOW!" raste durch den Raum als die Runde gemeinsam auf einen sorglosen Abend anstieß. Marcus als Nesthäkchen und mit nunmehr langen Haaren und dem Versuch, sich einen D'Artagnan-Bart stehen zu lassen, war das Ziel aller Frotzeleien und ein dankbares Ziel, das keinen Konter ausließ. Das Polster unter Clints Hintern neben Marcus war aufgeplatzt und gelbliches Gel trat hervor. Warum fiel Marcus gerade jetzt sowas auf? Er wollte doch nur kurz zur Seite sehen, ob eben Clints Schlüssel runtergefallen war. Ja, war er. Aber das interessierte Marcus offenbar gar nicht. Er starrte den Schlüssel an. Diese kleine, silbrige Karte mit dem entscheidenden Chip darin. Das Licht der Decke spiegelte sich darin und Marcus fiel zum allerersten Mal auf, dass man hier echtes Holz verbaut hatte denn die Rillen im Boden hatten Tiefe und waren echt. Direkt neben dem Schlüssel war ein Astloch, ob da mal ein Stuhlbein hängengeblieben war?

      -

      Clint hatte gute Karten auf der Hand. Er freute sich über diese Tatsache, auch wenn Mathis da drüben schon wieder so siegessicher grinste. Das tat er immer, wenn er am gewinnen war und niemand konnte ihn daran hindern. Vielleicht war das aber auch egal. Clint jedenfalls dachte nicht an seine nächste Schicht, eine Art von Arbeit sondern wiederholte in Gedanken immer wieder das Bild, wie Ronny Rottan den entscheidenden Touchdown erzielte. Die Bedienung brachte auch den Tequila, für den alle zusammengelegt hatten und brachte sogar sieben Gläser mit, in derem Inneren bei jedem ein Wurm krabbelte. Ein Wurm, den sie alle gleich im Tequila ertränken würden und dergestalt machte sich Andy daran, das Gesöff aus der Flasche auf die Gläser zu verteilen. Clint sah kurz zu seinem Kumpel Marcus.

      Für Clint war Marcus ein Sonderling. Aber ein besonderer Sonderling, denn Marcus verstand was von Ehre. Menschlicher Ehre. Alle bei der Flotte ... all die Menschen, die sich für gebildet hielten oder den Weltraum bereisten, verurteilten Ehre. Es hieß dort, man brauche Ergebnisse. Der Zweck heilige die Mittel. Es ging um Forschung, um Fortschritt und nicht darum, dass der EInzelne ein würdiges Leben haben könnte. Rassen wurden ausgelöscht, Kriege um Lebensraum gefochten und Religionen wurden zerschmettert, weil sie der Wissenschaft nicht standhielten. Auch diese seltsamen Klingonen waren nicht ehrvoll. Sie kannten keine Kollegialität, kein Beieinanderstehen. Für Sie ging es immer nur um Ruhm und Ansehen, nicht um Ehre. Marcus kannte Ehre. Clint kannte Ehre. Die Kraft, sich für jemanden einzusetzen auch wenn man rein gar nichts davon hatte. Sich vor den Anderen zu stellen, auch wenn der ihn eigentlich hintergangen hatte. Mehr zu sein als ergebnisorientiert. Marcus kannte das. Und er schätzte ein gutes Bier und war sich nie zu schade, die Hände schmutzig zu machen. Clint mochte ihn. Aber jetzt sah Marcus unter seinen Stuhl und hatte einen verdammt leeren Blick aufgesetzt. Clint legte die Karten auf den Tisch und rüttelte kurz an Marcus' Schulter:
      "Hey, Marc!"
      "Clint?", dieser Tonfall besorgte Clint. Das klang ernst, als Marcus aufsah und Clint direkt in die Augen. Kein Blick eines Betrunkenen. Sondern der eines verlorenen Mannes. Und dann öffnete der Verlorene auch noch seinen Mund:
      "Meine Eltern sind tot."

      Clint stutzte. Und er begriff.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marcus Salem ()

    • Irgendwo im Grenzdreieck zwischen Klingonischem Reich, Romulanischem Imperium und der Föderation


      "Verfluch-", hustete Marcus mehr schlecht als recht hervor und mit dem "ch" kam auch noch ein Klumpen aus Rotz und Blut aus seinem Mund und wollte auf den Boden gespuckt werden. Der Offizier hatte keine Ahnung, wie lange man ihn schon folterte. Aber es war der dritte Tritt in den Magen seit Beginn. Zumindest ließ man ihn jetzt für einen Moment am Boden liegen. Beim zweiten Mal hatten sie ihn gleich ins Eiswasser geworfen. Das war so richtig beschissen gewesen.

      Wenn man gefoltert wird, darf man nur Dienstrang, -nummer und Namen verraten. So bekommt man es an der Föderation beigebracht. Im Verlauf des "robusten Verhörs", wie es die Romulaner nannten, hatte Marcus auch schon alle drei Sachen genannt. Vielleicht waren sie auch mit seiner Dienstnummer zufrieden. Bei Folter - so wird einem beigebracht - muss man eine "Alles egal."-Haltung entwickeln. So kann man sich nicht kompromittieren, falls die Gegenüber mit den "Du kannst deine Geliebten noch retten usw."-Maschen anfangen. Man hält alles aus, weil man seinen Verstand leert und einem eben alles egal ist. in Holoromanen schleuderten die Gefolterten oftmals noch verächtliche Sprüche, um ihre Überlegenheit zu zeigen. Sowas tat aber keiner. Wenn man die Kerle in den schwarzen Anzügen verhöhnte, dann nur weil man etwas Ruhe brauchte und dafür dann bewusstlos geschlagen wurde.

      Nach dieser kurzen, geistigen Exkursion kehrte Marcus ins Hier und Jetzt zurück. Er hatte keine Ahnung, wo er war. Der Boden war dreckig, der Raum war eng und drei Romulaner hielten ihn mehr als nur in Schach. Der SC hatte ihnen die Spitznamen "Hagi" (weil er der Hagere war, vermutlich der Chef), "Dicki" (weil er kräftiger war als die anderen Beiden) und "Rommy" (weil ihm bei einem Romulaner nichts Besseres einfiel) gegeben. Dicki und Rommi verfrachteten Marcus von einer Scheinhinrichtung in die Nächste und warfen ihn ins kalte Eiswasser. Im Moment kam dem Lieutenant alles einfach nur wie ein böser Fiebertraum vor: Fern, verschwommen und nicht wirklich da. Da war nur vor ihm der Boden von diesem verdammten Raum. Vielleicht hatten Sie ihm schon Drogen gegeben ... vielleicht fühlte er seine Beine und seinen Mund kaum noch. Der Hals war auch verdammt trocken.

      "Die übliche Behandlung.", erklärte Hagi nur. Oder er sagte etwas Anderes, Marcus verstand eh kaum etwas richtig. Was er auch nicht verstand und woran er sich glücklicherweise auch nie erinnern würde, waren die nächsten sechs Stunden, die er unter dem Einfluss diverser erinnerungsfördernder Medikamente verbrachte. Für ihn würde alles ein böser Fiebertraum bleiben, durchbrochen von der Eiseskälte eines Wasserbads, Stromstößen und Erinnerungsfetzen. Ausrisse, die waren: Familie, die Erde, Monteriggioni. Ausrisse die sind: Clint, Celes, die Aurora. Und Ausrisse, die noch sein konnten: Eine Celes im Todeskampf, eine brennende Föderation und ein toter Clint mitsamt den zwei toten Leibern seiner Söhne zur Seite. Grausamkeit über Grausamkeit und nichts als Verschwurbelter Unsinn, der sich so quälend dahinzog, als würde man ein Seil schlucken, es beim Rauskommen packen und dem Stück am Mund anfassen und es hin- und herbewegen um einem den Magen auszuputzen.

      --


      Mit leerem Blick saß Marcus in der Zelle, in die man ihn verfrachtet hatte. Niemand war darin und vor dem Kraftfeld war nur ein Frachtdeck zu sehen, auf dem sich ein paar Romulaner bewegten. Sie gingen herum, einige trugen Waffen und eskortierten Hagi, der gerade in ein Shuttle stieg um abzureisen. Irgendwas schien wieder zu wirken denn fast auf der Stelle schlief der Lieutenant ein. Und wachte auf, als Hagi bereits abgereist war. Waren es Stunden später? Tage? Die Wachen vor der Zelle hatten gewechselt und Marcus spürte seine Beine wieder. Sein Mund aber blieb taub und auch sein Hals fühlte sich echt verdammt malzig an. Seine Hände waren aneinander gekettet und er hockte in der Ecke seiner Zelle. Zerrissene Uniform, blutige Stellen am ganzen Körper und wie sein Gesicht aussah, wollte er gar nicht erst wissen. Eigentlich wollte der Lieutenant nur aufstehen und sich mal etwas mehr bewegen als geschleift zu werden und auf irgendeinem Boden herumzukriechen aber als er das tat, schaltete sich wie auf Kommando das Kraftfeld ab. Noch bevor die zwei Wächter vor der Zelle reagieren konnte, rammte der SC einem den Ellenbogen ins Gesicht und trat dem Anderen in die Kniekehle. Einen entrissenen Disruptor und zwei Schüsse später stellten die beiden kein Problem mehr dar.
      Aber der Disruptor lag schwer in der Hand, die er lange nicht mehr koordiniert benutzt hatte. Eine Tür blinkte grün und deutete an, dass jemand eintreten würde. Marcus hechtete zur Tür und hatte Glück, dass es jemand von den Romulanern war, den er erwischte denn es hätte jeder sein können - und dann hätte Marcus seinen Angriff nicht mehr stoppen können. So konnte er dem Kerl einen Haken verpassen und ihm die Handschellen an den Hals drücken. Eigentlich war es eher ein Ziehen, da er jetzt hinter ihm stand. Wie ferngesteuert, als hege er einen Hass gegen alle Romulaner, drückte er dem Mann die Luft ab und wurde erst dabei gestört, als ihn eine blaue Hand nach hinten wegriss, und das Spielchen beendete. Die blaue Hand von Kaaran, XO der Aurora.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Monteriggioni, EU


      Es war ein netter Tag gewesen. Am Morgen konnte Clint seine Söhne mit dem stets gleich lauten "REISE REISE!" wecken aber die hatten sich schon lange an die Worte gewöhnt, die die Wecker ersetzten. Meistens musste also noch ein zweites oder drittes Mal gerufen werden damit die beiden aus den Federn kamen. Und man sollte ja nicht glauben, dass Clint Arty und Harry verwöhnen würde. Immerhin hatte er den beiden schon die Tupari-Drinks repliziert aber den Rest sollten sich Kinder doch bitte selbst machen. So begrüßte er den notorisch etwas schnelleren Harry nur mit einem Grinsen und den hinterdrein tappsenden Arty, der noch mit seinem T-Shirt kämpfte, schon mit hochgezogenen Augenbrauen: "Na, wollt ihr etwa ewig hungrig bleiben? Macht mal was zu Essen."
      Clint glaubte manchmal selbst nicht, welche Energie in den zwei schlaftrunkenen Brüdern steckte. Ratzfatz hatten sie Teller und Besteck von den bekannten Orten auf den Tisch verfrachtet, Milch repliziert und die Frühstücksflocken mit dem alten Namen "Flakes" in die Schüsseln geworfen. Und weil Clint nach all den Jahren in Chicagos Sumpf nicht ganz ohne konnte, brauchte er seinen Morgenspeck. Aber den machte er sich selbst. Von der Herdplatte aus konnte man den quirligen Arty und den stets auf seinen jüngeren Bruder achtenden Harry gut beobachten. Und wie jeden Morgen ging das "Ja!"-Spiel los.

      Das Ja-Spiel muss man erklären. Clint hatte es eingeführt, damit jeder im Haus eine gewisse Pflicht hatte, die er erledigte. Wenn jemand den anderen um etwas bat, sollte er "Ja" sagen. Der Erste, der an einem Tag "Nein" sagte, musste am nächsten Tag alle Pflichten erledigen. Bei Arty drückten Harry und Clint ein Auge zu aber sie selbst ertappten sich stets dabei, sich mit diversen Tricks auszumanövrieren. Und Clint war dadurch kein guter Vater. Er erlaubte Harry bereits viel zu viel aber wen kümmerte das? Das Ja-Spiel war lustig und bereitete eine angenehme Atmosphäre für alle. Marcus hätte es gemocht.

      "Papa, darf ich deinen Tupari-Drink haben?", quengelte Arty. Was kommen musste, war ja klar ...
      "Ja.", erwiderte Clint und grinste als er ihm die Dose hinüberschob.
      "Darf ich den anderen haben?", hakte Harry nach, der sich sofort in Artys Masche stürzte.
      "Ja. Klar.", gab Clint nur trocken zurück und schob Harry auch die zweite Dose zu. Da hatte sich Arty aber schon auf seine gestürzt. Harry klemmte den Fingernagel unter die Lasche um die Dose aufzureißen. Das Ergebnis war eine kleine Explosion auf dem Tisch:
      "NAAAIII-ARGH!", fluchte Harry und hatte den Trick seines Vaters grade noch rechtzeitig durchschaut und in der Mitte abgebrochen.
      "Harry, machst du bitte den Tisch sauber?", fragte Clint knochentrocken, der natürlich die Dose vorher etwas präpariert hatte. Arty saß nur da und war wie vom Donner gerührt.
      "Ja ...", antwortete Harry zerknirscht. Sauber machten sie dann aber doch alle drei zusammen. Der Vormittag war dann den Pflichten überlassen. Eine kleine Villa war vielleicht klein aber immernoch eine Villa. Im Winter ließ sich nichts wirklich erledigen aber die Wäsche lag schon in großen Haufen im Arbeitszimmer, wo niemals jemand arbeitete. Clint benutzte es Aufbewahrungsort für Akten, Gläser, Flaschen und deren Inhalte. Harry und Arty derweil vergnügten sich ein bisschen am 3D-Schach, das Arty erst zu begreifen begann. Harry ließ zwischendurch mal fallen, dass seine Freundin Michelle vielleicht heute vorbeisehen würde und schob sich dann die Mütze wieder über den Kopf, die er neuerdings wohl für besonders modisch hielt. Clint grinste nur und schob die Wäsche zum Waschautomaten. Er hielt von replizierter Wäsche nichts. Man trug sie nicht ein und irgendwie passte sie dann nie richtig. Lieber mal waschen anstatt immer verschwinden lassen. Er war eben ein altmodischer Mensch.

      Mittag aßen die drei im nahen Dorf bei Pietro. Clint war sein bester Kund und über die Monate ein guter Freund geworden. Pietro führte einen kleinen Laden für alle in der Gegend und war ein verhutzelter, untersetzter alter Mann mit weißem Schnurrbart, früh ergrauten Haaren, ledriger Haut und einem immerwährendem Lächeln im Gesicht. Hier bekam man alles, wenn mal etwas fehlte und auch Besonderheiten der Gegend. Olivenöl aus der Gegend war berühmt und Clint schickte Carla oder Anderen gerne mal eine Flasche. Alte Liebe rostete nicht. Aber bei Pietro ließ sich auch hervorragend essen. Die Zutaten kamen im Winter zwar zumeist aus dem Replikator aber was die Hände des Gastgebers in der kleinen Küche daraus zauberten, war immer wieder erstaunlich. Heute gab es zwar nur Spaghetti Bolognese aber ... wie! Die Spaghetti selbst waren auf den Punkt gekocht. Gerade so fest, dass das Fleisch an ihnen klebenblieb und nicht immer herabfiel und auch so weich, dass sie auch gelutscht hätten werden können. Das Fleisch war würzig und warm, genau wie die salzige Soße, nach deren Genuss Arty immer ein neues T-Shirt brauchte. Unrepliziert. Der Clou aber war der Parmesankäse. Etwas, was Pietro partout nie replizieren wollte. Ein paar Streusel davon bekam jeder der drei auf seinen Teller und der Käse verlieh dieser Bolognese die feste-zupackende Note die man im Winter für einen Rückweg brauchen konnte. Da störte Clint auch gar nicht mehr, dass Harry ihm auf dem Rückweg einen Schneeball an den Kopf warf um seinen Vater darauf hinzuweisen, dass Michelle im Anmarsch war.

      Der Nachmittag war übrigens nicht minder nett. Zwar hockte man beieinander in der Wohnstube und Michelle hörte sich geduldig die ollen Kamellen von Clint an und ließ sich zum wiederholten Male darauf hinweisen, dass das Haus eigentlich irgendeinem Flottenoffizier gehörte, der weit draußen im All war. Alles, was auf diesen Mann hindeutete war ein Bild nahe am Kamin, dass ihn und Clint zeigte. Der Kerl hatte lange Haare und einen schlechten Bart. Sah so jemand aus, der bei der Flotte war? Während Clint sich aber in einigen der alten Geschichten verlor, hörten sie aus dem Bad einen Knall, der das Haus fast erschüttert hätte. Zumindest klang das für Clint so. Ohne auch nur um Verzeihung zu bitten, hechtete er in den zweiten Stock und zur Badtür. Michelle und Harry hinterdrein, beide gespannt. Was hätte das auch sein können? Als Clint die Tür aufriss, sah er etwas zutiefst schockierendes: An den Wänden klebte Schaum und Wasser sammelte sich auf dem Boden. Arty hockte auf einem Regal nahe der fast vollen Badewanne und hatte eine Taucherbrille aufgesetzt. Eine, an der Schaum klebte. War der eben etwa in die Badewanne gesprungen?
      "Darf ich nochmal, Papa?"
      Clint rang mit sich, das sah man deutlich. Michelle und Harry sahen an ihm vorbei ins Bad hinein. "Was zum ...?", entfuhr es Harry nur. Das "Ja-Spiel". Arty hatte seinen Vater kalt erwischt. Doch der rang nur kurz, sah zu Arty hinauf aufs Regal und mit einem ausführlichen und langsamem Nicken genoß Clint selbst das "Ja.", das er aussprach. Arty sprang umgehend und machte damit alle nass. Immerhin durfte der Replikator für Michelle mal Kleidung erstellen denn Frauenkleider gab es in diesem Haus nicht.

      Clint ließ sich in den Sessel des Arbeitszimmers fallen. Die Wäsche war erledigt. Harry, Michelle und Arty saßen auf dem warmen Terrakottafußboden in der Wohnstube, jeder mit einer Tasse dampfendem Kakao neben sich und draußen klebte etwas Frost an der Scheibe. Michelle lag neben Harry auf dem Bauch und fuhr ihm mit der Hand sanft durchs rote Haar und dann den Rücken hinunter. Clint konnte die beiden Brüder sehen, wie sie im 3D-Schach ein paar Züge ausprobierten. Arty kannte das Spiel nicht aber Harry spielte auch nur spontan. Clint grinste und freute sich. Es war eine unglaubliche Wendung gewesen, dass Marcus ein Haus geerbt hatte. Und noch viel unglaublicher, dass er Clint alles gegeben hatte. Marcus war schon komisch. Schlug sich durch die düstersten Ecken Chicagos um dann einer Wissenschaftlerin hinterherzuflattern und dann zur Flotte zu gehen. Dann bekam er ein Haus und hätte alles haben können aber er gab es eben dem besten Freund. Was trieb Marcus eigentlich im Innersten an? Manchmal sah Clint an dieser Stelle einfach aus dem Fenster um sich davon abzuhalten, Marcus eine Nachricht mit tausendmal "Danke!" zu schicken. Das hasste der. Die beiden wussten voneinander, wann der jeweils andere dankbar war. Aber als Clint wieder auf das Hausterminal sah, sah er eine eingehende Nachricht. Die Verwaltung ... aha. Clint ging hinüber und öffnete die Nachricht, die vor Formalitäten nur so strotzte. Energiestau über ein paar Wochen, aha. Naja, das erklärte wieso die Dusche oben manchmal kaltes Wasser ausspuckte. Der Brief wies Clint eigentlich nur darauf hin, dass sein Anschluss mehr Energie verbrauchte als alle Geräte im Haus zusammen je konnten. Aber wieso? Hm.

      Nachsehen war die beste Lösung. Der Anschluss verlief durch den Vorratsraum. Der Waschautomat brummte als Clint in den unaufgeräumten Raum mit den paar Vorräten und einem Haufen Handwerksgeräte eintrat. Sogar ein blinkender Tricorder war irgendwo dabei. Und hinten links in der verschlossenen Box war der Typ II-Phaser, den Clint immernoch für Notfälle bereit hielt. Er ging zum Kontrollpanel und sah sich die Zahlen an. Hier kam gar nicht die Menge an, die in der Nachricht beschrieben wurde ... also musste vorher etwas verloren gehen. Clint kniete sich hin und öffnete die Platte zur manuellen Steuerung, die unter dem offenen Panel lag. Was ihm nicht auffiel, war die fehlende Sicherheitsschaltung der manuellen Steuerung. Was ihm aber auffiel war der kleine grüne Knoten, der an der Leitung klebte und versöhnlich-gleichmäßig rot blinkte. Clint hatte genug Holoromane gelesen um zu wissen, was das war. Ein Energiepuffer. Er sammelte Energie bis er sie nicht mehr aufnehmen konnte. Dann entlud sich alles auf einmal. Und bei der Menge, die dieser hier in den letzten Wochen gefressen haben konnte ...

      Die Explosion spürte dann niemand im Haus mehr. Aber bei Pietro klapperten die Teller im Schrank.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Archangelsk, EU


      Sie waren drin. Es hatte den langen Weg durch den Schnee gebraucht und viele Stunden Warten unter den Transportschwebern in denen sich 0-13 fast einen Ast abgefroren hätte. 1-08 und 1-13 hatten eine alte Ruine erklimmen müssen um einen sauberen Schuss auf das Ziel abgeben zu können. Man kam unmöglich an die Zielperson heran, wenn man sich ihm auf Bodennähe nähern wollte. Es brauchte also eine erhöhte Position um den Abschuss liefern zu können. 48 Stunden lang harrten die beiden im Wind der Ruine aus - im Vierstundenwechsel takteten sie die Schichten. Einer beobachtete die schneeverwehte Geisterstadt und einer schlief, wenn er denn schlafen konnte. 1-13 gehörte zu der Art Mensch, die lieber in der Kälte einschlief als in der Hitze also war das kein größeres Problem. Allerdings konnten 48 Stunden schon sehr lang werden. Man lernt dafür, den Kreislauf zu verlangsamen während man sich kaum bewegt. Um aber im Ernstfall wieder blitzschnell da zu sein, gibt es diverse Techniken, die nur den Absolventen des Credenhill-Kurses geläufig waren. Allerdings waren es unkomplizierte 48 Stunden: Essen, ein paar Witzeleien und Schlafen.

      Als dann nach fast 50 Stunden die Konvois mit der Zielperson eintrafen, hatte 1-13 seinen Dienst und weckte ohne Umschweife 1-08. Der Schlafende bekam das Beobachtungsgerät und der Diensthabende das Gewehr. Beide hatten das Gesicht der Zielperson im Kopf und wussten, wohin sie sehen mussten. Es würde ein Austausch stattfinden und sie mussten schnell sein.
      "Da!" flüsterte 1-08 laut. und markierte das Ziel mit seinem Feldstecher für den Schützen, in diesem Fall 1-13.
      "Bestätige." erklärte 1-13 und rückte sich die Waffe auf dem Boden liegend kurz zurecht, ehe er durch die Zielerfassung sah. Grün war der Kreis, der die Zielperson umrahmte. Danke, 1-08. 1-13 atmete langsamer und wartete kurz, während das Ziel zwischen einigen Soldaten umhermarschierte und Befehle brüllte. Er würde seine gottgerechte Strafe schon verdient haben, mutmaßte 1-13 in Gedanken. Er atmete langsamer und sein Finger spannte sich um den Abzug. Einatmen. 1-13 rückte seine Schulter näher an den Kolben. Dann atmete er langsam aus, visierte den Kopf des Zieles an, hielt wenige Zentimeter vor und drückte den Abzug dann weich und bestimmt durch. Das Ziel wurde von einem nie von der Sternenflotte zugelassenem Magnetgeschoss zerfetzt. 1-13 und 1-08 kehrten wohlbehalten zurück an einen Ort, wo sie eine Auszeichnung für ihre Einzelkämpferqualitäten erhielten.

      Auf der Urkunde würde später anstatt "1-13" der Name "Jonathan Fox" stehen. Es war der Name des Mannes, der Marcus Salem töten würde.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Akt II


      Kapstadt, AF


      Carla Vegaz verließ das Forschungsinstitut eiligen Ganges. Sie war eine Frau, die den perfekten Weg zwischen Ästhetik und Praxis in Sachen Kleidung gefunden hatte. Jedes ihrer Kleidungsstücke musste drei Anforderungen erfüllen: Es musste gut aussehen, sie musste sich darin wohlfühlen und - so sagte sie gerne scherzhaft - sie müsste darin laufen, springen und einen Baum hochklettern können. Bei ihrer Arbeit im Biologischen Institut musste sie allerdings kaum noch Bäume hochklettern, die Zeiten waren nun mit 32 Jahren doch schon seit langer Zeit vergangen. Tatsächlich hieß das nun, dass sie außer bei feierlichen Anlässen meist auf Absätze verzichtete und wenn schon Röcke angesagt waren, dann nur mit Leggins. Was wiederum ihrer Neigung zupass kam, ihre alten Balletttrainingsstücke wieder aufzutragen. Faszinierend, wie Dinge die vor 15 Jahren dem Sport gedient hatten jetzt modisch sein konnten. Man musste nur richtig kombinieren. Und Carla hatte nach fast 20 Jahrgängen der Vogue, der Forpap und der Elle gelernt, wie man jede Art von Mode kombinieren konnte. Überhaupt las sie viel. Viel alte Literatur, viel neue Literatur und ja, sie schrieb auch selbst sobald ihr die Zeit dazu blieb. Wenn man sich also ein Bild von Carla Vegaz in diesem Moment machen wollte, so war sie eine schlanke 32-jährige, die wie 29 aussah, mit schulterlanger Frisur und einem Kittel über die Handtasche geworfen. Sie ließ das Institut hinter sich. Das Institut, das hauptsächlich aus Glas und Stahl bestand. So war der Zeitgeist. Sie hatte in ihrem Büro ein repliziertes Gemälde aufgehängt, das den menschlichen Werken aus der Zeit der sogenannten "Romantik" entsprach. Prä-Warp-Kunst. Sie hatte ein Faible dafür. Und wenn Sie nicht gerade das Ferienhaus in Australien für ihre Familie gekauft hätte, so hätte sie in ihrem Büro auch noch Stuck anbringen lassen. Im Moment war sie allerdings froh darüber weder ans Büro noch an Stuck zu denken sondern an ihre Tochter und ihren Mann. Sie musste lächeln, als sie sich an die Transitstation stellte und sie ein Kind an der Hand einer erwachsenen Frau sah. Carla sah an ihr hoch und erkannte eine Kollegin. Sie nickte ihr zu und schaute dann wieder geradeaus auf die Gärten, die sich an der Transitstation erstreckten. Es war Frühling und der Duft der blühenden bajoranischen Kräuter konkurrierte nur zu gut mit den Tulpen von Betazed. Die Eisblumen von Andor hatte man ins Gewächshaus verfrachten müssen da sie unter der terranischen Sonne viel zu gut gedeihten und wohl innerhalb von zwei Jahrzehnten den gesamten Planeten überwuchert hätten. Die Untersuchung, die sich damit befasste, hatte Carla damals in der Polarstation angefertigt und unterzeichnet.

      Ein sanftes Rauschen an den Schienen kündigte den Transit an. Carla sah nach links um ihm entgegenzuschauen. Es war bereits Nachmittag und die Sonne brannte kaum noch. Die Temperaturen hatten in der letzten Woche einige Höhenflüge erlebt und das Wetter war immernoch gut. Im Romulanischen Imperium tobte ein Krieg aber Carla war Meisterin im Verdrängen. Das waren wohl alle hier bei solchem Wetter. Niemand dachte an Flüchtlinge, Verschleppung oder Warbirds. Man dachte an warme Duschen, Abendessen mit der Familie oder vielleicht noch ein paar Seiten im Alpha-Centauri Roman "Das Pjotr-Prinzip", die gelesen werden wollten. Carla schaute kurz in ihre Tasche ob ihr ID-Ausweis - der auch als Fahrschein und Arbeitsausweis galt - in eben jener war und als sie ihn unter einem Padd fand, war sie beruhigt. Jedenfalls beruhigt genug um einzusteigen. Wie immer sah sie die Vulkanierin schon von weitem. T'Ling war Vulkanierin - so typisch wie man nur sein konnte. Strenger Haarschnitt und damit wohl das Gegenteil der impulsiven Biologin. Aber Carla genoss die abendlichen Gespräche mit T'Ling im Transit jedesmal. Wenn sie länger als die konstanten 20 Minuten dauern würden - dann nämlich müssten beide aussteigen - würden sie sich vermutlich böse in die Haare bekommen aber so war T'Ling ein Blitzableiter der Carlas Tiraden andauernd standhielt. Egal welche Probleme Carla gerade im Institut wälzte. T'Ling Fand immer Antworten oder auch Ideen dazu, die so logisch und klar augesprochen waren das Carla ihr um den Hals hätte fallen können weil diese brünette und kapriziöse Forscherin sich vor ihren eigenen Emotionen nicht retten konnte. Wenn Carla dann manchmal ausstieg, hatte sie das Gefühl, das genau dafür die Föderationg gegründet worden war: Gegenseitige Hilfe und ein Austausch, bei dem sich alle ergänzten. Dieser Gedanke hatte etwas paradiesisches.
      "T'Ling, ich habe da mal eine Frage an Sie ..."
      "Sprechen Sie, Mrs. Vegaz."
      "Also wenn Ihr Mann Ihnen Blumen kaufen würde - aber nicht die Blumen, die Sie mögen. Und er weiß, dass Sie sie nicht mögen-"
      "Mein Mann kauft mir keine Blumen."
      "Lassen Sie mich ausreden. Also er weiß, dass Sie sie nicht mögen ..." Und so ging das dann 20 Minuten lang.

      Später am Abend würde Carla dann mit Keith und Keri zu Abend essen, vermutlich würde es Salat oder Nudeln geben. Etwas, das ganz einfach war. Traditionell, könnte man sagen. Keith - Carlas Ehemann - war respektabler Beamter. Er arbeitete für die Verkehrsbehörde der Föderation. Also war er dafür verantwortlich, dass der Transit funktionierte. Das ging hoch bis zu den Schiffen, die im Orbit lagen und die Samen bajoranischer Gewürze lieferten. Alles musste logistisch geplant und verarbeitet werden. Ein Job, den Carla todsterbenslangweilig fand aber Keith war jemand mit einem abgebrochenen Kunststudium. Carla liebte Künstler. Keri war die bezaubernde Tochter der beiden. "Vier Jahre alt" und "aufgeweckt" waren die treffendsten Beschreibungen. Zwar war Keri nie so aufgeweckt und exzentrisch geworden wie Arty, der Sohn von Clint aber Carla seufzte oft genug über den kleinen Wirbelwind. Anders als Clint versuchte sie nämlich, ihr so etwas wie eine Erziehung angedeihen zu lassen. Es hatte Carla fast die gesamte Schwangerschaft gekostet, um ein Hologramm nach ihren Wünschen zu programmieren. Ein Hologramm, das als Babysitter und Erzieher arbeitete wenn Keith und Carla auf ihren Arbeitsplätzen weilten. Allerdings war "Hilary" (so nannte Carla das Programm) im Moment abgeschaltet und Keri beschwerte sich lautstark über den harten Brotrand. Carla konnte nur seufzen während Keith schmunzelte. Nun muss man nur noch wissen, wo sich alle befanden. Aber erstmal muss erklärt werden, warum Carla immernoch Vegaz hieß und nicht Anderson. Wie ihr Mann. Sie hatten beschlossen, ihre alten Namen zu behalten. Es war einfach nicht notwendig, die Namen zu ändern und Carla fühlte sich sowieso nicht allzu wohl, wenn sie sich mit dem Namen als Eigentum von jemandem kennzeichnete. Keith sah das ein, wie immer bei seiner Frau.

      Das Haus der Vegaz-Familie lag am Stadtrand von Kapstadt. Einer der ruhigen Vororte in denen auch abstraktere Architektur lebte und atmete. Carla und Keith hatten sich lange über die Gestaltung ihres trauten Heimes gestritten und mehr als einmal waren beide den Tränen nah - so sehr fochten sie um ihre Träume. Carla wollte es eher altmodisch-terranisch während Keith von vulkanischer Moderne schwärmte. Letztendlich war es tatsächlich Keri, die den Gedanken ins Rollen brachte. Eine ihrer Kritzeleien war ein buntes Haus ohne jede erkennbare Gerade. Ohne Geometrie im weitesten Sinne. Einige Besuche bei alten Freunden von Keith später hatten Sie Keris Kritzelei in einen Entwurf umgewandelt: Ein nahezu pinkes Haus mit allerlei Schrägen, gewundenen Linien und Farben, die sich bissen. Das Innere war genauso. Hier und da nur eine halbe Wand, eine Beinahe-Durchreiche und das Kinderzimmer war das einzige Zimmer im Haus, das tatsächlich ganze Wände besaß. Der Rest war Beton, buntes Glas und zersplitterte Kacheln, die in den Boden eingefügt waren. Es war traumhaft. Und mitten in der Küche stand dann auch ein unförmiger Tisch, an dem alle ihren Platz fanden während sie sich am Salat gütlich taten. Carla würde später Keri ins Bett bringen und dann noch einige Zeilen lesen. Das Kaminfeuer würde dabei sein Übriges tun und Keiths warmer Schoß als Platzhalter für ihren Kopf dienen. Heute würde sie vermutlich mit ihm schlafen, ihre Stimmung war einfach zu gut und es würde mit Sicherheit so leidenschaftlich sein wie immer. Ja, es war ein gutes Leben, das sie da hatten.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • ZR-756, ehemalige Romulanische Neutrale Zone


      Manchmal entwickeln sich die Dinge im Leben von miserabel zu supermiserabel. War Marcus eben noch ein Offizier mit einer Mission gewesen, so hatte sich das für ihn jetzt in Dampf aufgelöst. Anstatt mit seinem Team einen wohlgeplanten Sabotageakt durchzuführen, stand er einem wutschnaubenden, riesenhaften Klingonen gegenüber. Und der hatte zu allem Überfluss offenbar die Ausrüstung eines Generals - Tarnrüstung und sogar mobile Schilde. Kein Schuss konnte ihn verletzen. Und gegen einen 160kg-Brocken aus Fleisch und Knochen, der in seinem Leben nur für den Krieg trainiert worden war, wollte man wohl nicht mal mit Selbstmordabsichten antreten. Das war also die Lage in der von hellem Licht durchfluteten Lagerhalle der romulanischen Basis, deren Wände aus klarem, fast durchsichtig blauem Eis bestanden. Und am Lift standen sich die 160kg und der Lieutenant in seiner weißen Tarnkleidung gegenüber. Und es gab nur einen Gedanken, den Marcus dachte: "Verfluchte Scheiße."

      Der Klingone machte keine großen Anstalten. Er zog in aller Ruhe sein bat'leth und schwang es ein paarmal herum, um dem Sternenflottenoffizier den personifizierten Tod zu demonstrieren, dem der gegenüberstand. Bis auf das Scharren der Stiefel störte nichts das leise Zischen, als die messerscharfe Klinge durch die Luft schnitt. Marcus umkreiste den lebenden Riesen, dem er gegenüberstand. Der wiederum ließ den Menschen nicht aus seinen wutdampfenden, fast rötlich gefärbten Augen. Wie auf ein unsichtbares Signal legte Marcus direkt an und das kurze Woof! des Phasergewehrs erfüllte die Luft. Der Schuss wurde von den Schilden aufgefangen - aber die kamen in einem Satz näher. Der Klingone kam näher und das sehr schnell! Ehe Marcus reagieren konnte, hielt er nur noch die Hälfte seines Phasers in der Hand, den Rest hatte der Klingone sauber abgetrennt. Ohne viel Zeit zu verlieren ließ Marcus den Griff fallen und warf sich jetzt in den Schwertarm des Klingonen, der zum tödlichen Schlag ausholte. Überrascht vom törichten Angriff des Menschen wankte der haarige Golem und fiel hintenüber. Marcus hatte sich schneller berappelt und seine Hand riß den Typ II-Phaser aus dem Holster. Er drückte dem Klingonen die Mündung direkt in die Pranke mit der dieser das bat'leth hielt und feuerte.

      Erstaunlich. Das war das passendste Wort. Man konnte einen Phaser auf Desintegration stellen aber selbst das hielten diese Schilde aus. Es dauerte nur 2 Sekunden - und dennoch eine gefühlte Ewigkeit, wenn man auf einem klingonischen Arm hockt - und die Hand des Klingonen schmolz unter dem unerbittlich glühenden Strahl des Phasers. Aber der Klingone dachte nicht daran, loszulassen. Obwohl er vor Schmerz brüllte, ließ er sein Schwert nicht los. Marcus drückte sein Knie mit aller Wucht auf die Schulter des Klingonen aber der verdammte Teufel ließ die Waffe nicht los. Er brüllte nur noch lauter und allein der Ton hätte jedes lebende Wesen zu Tode erschreckt. Als der Phaserstrahl zu husten begann, verlor Marcus gar nicht mehr viel Zeit. Dieses ... Ding konnte man nicht mal mit einem Schiffsgeschütz erlegen, da war er sich sicher. Keuchend stand er auf, warf den Phaser weg und rannte weg von diesem Ungetüm. Er rannte - dahin, wo er gekommen war. Mit ein bisschen Glück konnte er abhauen und sich noch abseilen, so lautete sein Plan. Er kam vorbei an der zerstörten Kommunikationsanlage, kam auf den Flur und ehe er sich versah, stand er trotz der Kälte schweißnass in dem Raum, durch den sie gekommen waren. Schnee wehte durch die offenen Fenster hinein und bildete langsam kleine Wehen auf dem Boden. Es gab ein gewaltiges Trommeln ... nein, es war ein Stampfen. Der Klingone kam dem Offizier hinterhergerannt und 160kg wütende, klingonische Biomasse waren eine leichte Entscheidungshilfe, wenn es um Flucht ging.

      Der Lieutenant sah aus dem Fenster. Er suchte nach den Seilen, die hier hätten hängen müssen. Aber da waren keine Seile. Der Wind hatte sie offenbar aus der Wand gerissen. Ganz große Klasse. Marcus sah aus den Fenstern nach unten. Fast 200 Meter ging es laut Missionsbeschreibung steil in die Tiefe. Eine Tiefe, die man von hier nicht mal sehen kann. Marcus sah zur Tür und die antwortete nur mit einem womp! Womp! WOMP!.
      Gut, das wars dann also. quittierte das Hirn des Menschen sanft seinen Dienst. Schnee verfing sich in seinem Bart und er nahm die wohl letzte Verteidigungsposition seines Lebens ein. Das war mal ein Gegner, bei dem Verlieren keine Schande war. Der Gürtel mit den Granaten war schnell geöffnet und flog beiseite. Man muss schnell sein, wenn man große Gegner schaffen will. Vielleicht konnte er ihm lange genug ausweichen, bis der Klingone müde wurde. Der brach gerade durch die Tür und machte einen Eindruck, als hätte er seinen Lebtag noch nie geschlafen. Brüllend vor Schmerz und Zorn warf sich der Riesenhafte auf den Menschen, der nur kurz nach links ausweichen konnte. Der nächste Schlag mit der leeren Hand fetzte Marcus von den Beinen. Keine Sekunde zu spät denn die Photonengranaten seines Gürtels gingen hoch und warfen die beiden Kontrahenten mit gewaltiger Wucht und einer orange aufblühenden Explosion durch die zerspringende Fensterfront.

      Es dauerte einen Augenschlag, bis sich Marcus gewahr wurde, dass er flog. Naja, er fiel und die rasenden Schneeflocken machten Orientierung unmöglich. Lediglich ein harter Schlag auf den Brustkorb traf den Sicherheitschef und das war der Klingone, der offenbar viel schneller sein Ziel ausgemacht hatte. Marcus klammerte sich an den Arm, als wäre der Klingone ein Fallschirm und der wollte den Menschen so abschütteln wie eine lästige Fliege. Die Fliege aber trat mit aller Wucht - absichtlich oder unabsichtlich - dem Langhaarigen ins Gesicht. Der biss zu, was wiederum einen Aufschrei beim Menschen provozierte. Dann schlugen sie irgendwo auf ein Stück Schnee auf und fielen kurz noch einmal. Dann schlugen sie wieder auf, diesmal härter. Marcus schlug auf dem Klingonen auf. Der schlug auf dem Boden auf.

      Es mussten ein paar Minuten gewesen sein denn es hatte sich bereits etwas Schnee in kleinen Wehen auf Marcus gesammelt und der spürte seine Finger kaum noch. Er wälzte sich zur Seite und fiel von dem Fleischberg herunter in den kalten, weichen Schnee. Der linke Arm war wohl übel verknackst und auch ansonsten fühlte sich das Innere des SCs nicht nach Ordnung an. Aber er drehte den Kopf zur Seite und sah aus den Rüstungsteilen des Klingonen etwas Oranges quellen ... Der lag in einer bizarr-verdrehten Positon neben Marcus und es war ein komisches Bild, wie die beiden Todfeinde eben noch rangen und jetzt nebeneinander im Schnee lagen. Aber wieder blieb keine Zeit. Etwas am Handgelenk vom Sicherheitschef piepste. Es war ein Timer. Jemand hatte den Sprengstoff an die Sprengköpfe angebracht. Wenigstens lief die Mission gut. Marcus hockte sich hin und versuchte in dem Wirrwarr zu sondieren, wo er war. Aber der Schneesturm ließ so gut wie keine Orientierung zu. Außer vielleicht, wo oben und unten waren. Nach einigen Minuten gab es neben dem gleichgültigen Rauschen des Windes aber noch ein anderes Geräusch - Waffenfeuer! Und gar nicht mal allzu weit entfernt. Es war so gut wie nichts zu sehen, aber es war ebenso leise wie deutlich - Waffenfeuer! Disruptoren, dem Intervall nach zu urteilen. Marcus spähte in die Nacht hinaus und wurde sogleich von einem Feuerball geblendet, der aufstieg und in den Himmel zog. Dann rauschte die Druck- und Schallwelle heran und machte das Spektakel hörbar. Obwohl sich sein Körper echt beschissen anfühlte, begann der SC mit dem Abstieg. Es war hier kein Steilhang mehr sondern eher ein recht steil verlaufender Abstieg. Die Füße knirschten im Schnee und jeder noch so miese Fährtenleser hätte seine Spur verfolgen können. Aber das war ihm egal. Grunzend watete der SC durch den Schnee, immer in Richtung des Waffenfeuers. Ein Dröhnen ertönte und das Waffenfeuer wurde leiser. Ging er in die falsche Richtung? Nein, er tat zweifellos das Dümmste: Er ging genau in Richtung des Gefechts und das mit angezogenem Arm. Verflucht. Dreck. Mist. Die Schimpfworte wurden auch immer schlechter.

      Als Marcus am Hangar ankam, wo der Kampf zwischen seinen SOs und den Klingonen getobt hatte, rauchte die ganze Anlage und ein dutzend Leichen lagen herum. Verbrannt. Einige SOs dabei. Al-Ghazi war noch zu erkennen, ansonsten kaum einer. Zum Glück waren weder Kaaran noch Celes unter den Toten. Ein paar Romulaner ... Ein Tank war gesprengt worden und brannte aus. Feuer loderte und Glutstücken flogen en masse. Marcus nahm sich den Moment, um die Leichen zu untersuchen. Vielleicht wollte er aber auch nur im Hangar bleiben, der um Nuancen wärmer war. Die kopflosen Reste von Petty Officer Casey erkannte Marcus noch aber das war auch schon alles. Allerdings hatten sie noch Munition und Gewehre fallen gelassen und die konnte er jetzt gut gebrauchen. So schnallte sich der Lieutenant das Phasergewehr über den Rücken, nahm Al-Ghazis Gürtel, schnallte sich den um und jagte sich aus dem kleinen Medikit von Casey eine Adrenalinspritze in die Halsschlagader. Der Schweiß brach ihm abermals aus und fühlte sich sein Inneres vorher durcheinander an, so wurde es jetzt richtig durchgerührt. Aber da war kein Schmerz mehr. Salem steckte eine Energiezelle ins Gewehr, lud durch und sah aus dem Hangar. Er schritt humpelnd durch den Glutsturm auf einen der Gleiter zu. Er stieg ein. Romulanisches Fabrikat aber einfach zu bedienen. Das Verdeck sirrte zu und der Sicherheitschef folgte der Spur, die andere Gleiter hinterlassen hatten. Irgendwohin mussten sie ja führen.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marcus Salem ()

    • ZR-756, ehemalige Romulanische Neutrale Zone


      Übelkeit glitt die Speiseröhre von Marcus hoch. Aber nicht, weil er vor ein paar Stunden die sterblichen Überreste von Ensign Walsh und anderen geschätzten Mitgliedern seiner Abteilung gefunden hatte sondern weil er auf dem Bauch lag und das mitten im Schnee. Die Kälte schlug ihm auf den Magen. Und das, obwohl er kaum etwas gegessen hatte. Noch im Morgengrauen - als Walsh den zerstörten Gleiter von Walsh gefunden hatte - hatte sich kurz die Sonne verdunkelt. Was der Lieutenant nicht kannte, war die Ursache dafür: Tholianer, die das System durchzogen und mit ihrer schieren Masse an Schiffen die Sonne verdeckten. Jetzt aber herrschte klares Wetter und der Schnee glitzerte hell in der Vormittagssonne. Einige verdrehte Ausgaben der örtlichen Flore hielten stand aber ansonsten gab es nur eines, das in dieser Eiswüste hervorstach: Ein Bird of Prey, aufgeschlagen inmitten der Weite. Sein Team hatte Marcus verlassen ... sie waren geflohen. Er fühlte nicht mal Bitterkeit. Sie hatten getan, was nötig war und das rechtfertigte sein Zurücklassen wohl ausreichend. Jetzt aber lag Marcus mit einem romulanischen Feldstecher vor Augen inmitten einer Schneewehe und beobachtete eine Gruppe Klingonen am Heck des Bird of Preys. Offenbar die Crew, die sich beriet wie man den Vogel wieder flott bekam. Der Feldstecher lieferte einen erbärmlichen Grünstich und versah das Blickfeld mit allerlei kuriosen Symbolen aber Marcus brauchte nur die freie Sicht. Alles andere war Piepan.

      Die Klingonen fächerten auf. Sie trugen zwar Waffen aber scherten sich nicht um eine gestaffelte Bewaffnung. Offenbar war die Überraschung eines so abrupten Absturzes noch allgegenwärtig. Da kein Schnee mehr fiel, musste Marcus auf seine Spuren achten. Und das war bei frisch gefallenem Schnee eine Herkulesaufgabe. Aber da man vom Rumliegen auch nicht weiterkam ... kämpfte er sich durch die Wehen. Immer mit der Sonne im Rücken, auf Vorsicht bedacht und mit einem Mindestabstand von 120 Metern auf die Klingonen. Aber je weiter er in den gefühlten Osten vordrang und sich damit in die Nähe der Lücke zwischen Klingonen und Ladeluke vorarbeitete, desto eher arbeitete sein Instinkt auch. Aber er brauchte Schlaf. Die letzten Stunden hatten ihren Preis gefordert und offenbar hatte der Sturz bei der Basis ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Als Marcus aus dem Gleiter gestiegen war, waren dort kleine, unschuldige Blutflecken an der Kopflehne gewesen. Am Hinterkopf fühlte er Schorf. Es musste wohl eine kleine Wunde am Hinterkopf sein. Platzwunde vielleicht. Aber jetzt war sie offenbar zu.

      Die Klingonen betrachteten eingehend die Flügel ihres Bird of Preys. Sie brüllten einander an, deuteten darauf und gaben keinerlei Acht auf ihre Bereiche. Amateure vermutlich. Marcus stellte all seine Waffen aus, sonst würden sie ihn entdecken. Jetzt gab er keine Energiesignatur mehr ab. Und es waren nur noch 30 Meter bis zur Ladeluke. Es war ein Glücksspiel ohnegleichen aber er musste es wagen. Mit dem Bauch im Schnee schaute der Mensch zu den Klingonen. Als sie sich zum Gang wendeten, sprang er auf und sprintete die letzten 30 Meter bis zur Ladeluke und hechtete hinein. Keine Wache darin, stellte er mit dem ersten Blick fest. Dann landete er hinter einer Kiste auf dem dreckigen Boden. Die Spuren konnte er jetzt nicht mehr verwischen. Sie würden wissen, dass jemand an Bord war. Und Marcus konnte alleine keinen Bird of Prey fliegen. Es würden spannende Zeiten werden.


      ---



      Etwas nagte am Stiefel. Es quiekte, als Marcus es beiseite trat. Er wachte auf und streckte sich, so gut es der Kanal zuließ. Laut dem Chronometer hatte er 8 Stunden geschlafen, seitdem er sich einen der Tarnanzüge geklaut und die Brücke verwanzt hatte. Er hatte in diesem lichtlosen und dreckigen Kanal geschlafen, weil ihm die Augen zufielen. Er hätte mehr tun müssen aber durch die Improvisation blieb keine Wahl. Die Wanzen waren ebenso handgemacht wie seine Einrichtung eines Tarnsystems. Alles während der Bird of Prey - Marcus nannte ihn mittlerweile nur noch "Eimer" - ohne Energie war. Aber jetzt verriet das Brummen und Vibrieren des Kanals, dass das Schiff unter Energie stand. Marcus wollte noch einmal aufs Chronometer gucken und stellte fest, dass er seinen Arm nicht fand. Ach, die Tarnung hatte sich eingeschaltet. Marcus legte den kleinen Schalter um. Klingonentechnologie war zumindest simpel. Ab jetzt war er also mitten in einem klingonischen Schiff, dessen Ziel unbekannt war, mit vielleicht dreißig Klingonen. Langsam robbte der SC durch das, was bei Klingonen wohl eine Jefferies-Röhre war. Jetzt waren die Klingonen die Gejagten und er der Jäger. Ein ausgeschlafener Jäger.

      Zwei am Ausstieg, einer an der Lebenserhaltung. Das machte per Daumenmaß noch 27 Gegner. Ob Klingonen wohl ihre Toten betrauerten? Den Ausführungen von Moore und Davion war der SC immer nur müde gefolgt. Jetzt hätte sich etwas Grundwissen in Klingonisch sehr positiv ausgewirkt. Aber was nicht war, war eben nicht. Dafür wusste er, dass man die Klinge zwischen den ersten und den dritten Halswirbel eines Klingonen jagen musste, damit dieser lautlos starb. Es blutete kaum und der Gegner hatte keine Chance auf eine Gegenwehr. Aus dem Dunklen zuschlagen - das war die Devise. Unachtsame Gegner von hinten erledigen. Liquidieren. Erstechen. Das waren die Vokabeln, mit denen Marcus jetzt ausschließlich dachte. Kein Schnee, keine Menschen. Nur noch Dreck, Schatten und eine fortwährende Analyse der Lage. Marcus dachte nur noch von Schatten zu Schatten, von Deckung zu Deckung. Nach Tag 1 lebten nur noch 25 Klingonen und es wurde kein Alarm ausgelöst. Mit den Wanzen stellte der Sicherheitschef fest, dass der Warpantrieb zerstört worden war. Zumindest wurde es dann eine lange Reise. Was sie vorhatten, wusste er nicht. Aber er schlief die nächsten 5 Nächte in einer Röhre auf einem kaputten Bird of Prey. Und jedes Mal hatte er mehr Blut an den Fingern.


      ---



      Tag 6. Die Klingonen unterhielten sich auf der Brücke über die Verluste. Es lebte nur noch die Brückencrew und die konnte wohl nicht mehr von sich aus wenden. Dafür sprach sie von einem "veqlargh", der an Bord sein sollte. Wer auch immer das war. Aber es erfüllte Marcus nicht mit Optimismus. Er schüttelte sich kurz um die Glieder zu lockern. Er fühlte sich schwach, hatte lange nichts gegessen. Trinken konnte er nur das Kondenswasser der Wasseraufbereitungsanlage. Es musste heute passieren. Einen direkten Zweikampf konnte Marcus in dem Zustand nicht mehr riskieren. Er hätte ihn innerhalb kurzer Zeit verloren. Einmal noch dachte er nach. 5 Feinde auf der Brücke. Zeit, zur Arbeit zu gehen.

      Es bleibt hier keine Zeit und kein Platz, um angemessen von dem zu berichten, was Lt. Salem auf der Brücke des Bird of Preys anrichtete. Würde es Rechte unterhalb der Spezies geben, auf die sich alle Rassen geeinigt hätten, er hätte sie dutzendfach verletzt. Als die Enterteams der USS Reaumur nach der Schlacht um Sternenbasis 492 den Bird of Prey auf dem Schlachtfeld enterten, fanden sie 25 Leichen - verwest und versteckt in den Wartungsröhren des Schiffes. Die Durchschnittstemperatur im Schiff lag bei fast 37,8°C. Vier Leichen lagen ausgenommen auf der Brücke des Schiffes herum. Einen Klingonen fand man gefesselt und verschnürt im Sessel des Captains, er hatte schwerste Verletzungen und in seinem Inneren die Reste der anderen Klingonen. Er hatte nur noch ein Auge. Ihm waren beide Hände amputiert worden. Der Klingone würde nie wieder Kinder haben können. Sein Kiefer hatte sich schwer verzogen und er wimmerte nur noch ein Wort: "veqlargh". Die Enterteams drangen ins Schiff vor und fanden immer neue Zeugnisse der Gräuel: abgeschnittene Körperteile von Klingonen. Es sah aus, als hätte man eine Horde wilder Tiere auf die Aliens losgelassen. Die Enterteams beantragten nach dem Erkunden geschlossen Behandlung beim Counselor. Der Lieferraum war gespickt mit Blutspritzern und ein Klingone hing von der Decke. Man fand eine Stasiseinheit im Lieferraum. In ihr war ein Mensch. Seine Haare waren dunkelbraun. Seine Uniform war einmal eine Schneetarn-SHARC-Uniform gewesen, jetzt übersät mit Blutspritzern. Als er aus der Einheit fiel, knallte er nach vorne direkt auf den Boden und konnte sich gerade noch mit seinen Ellbogen abstützen. Er wirkte desorientiert. Er spürte seine Beine nicht mehr - man würde später sagen, dass die miserable Handhabung der Staseeinheit zu einer Unterversorgung seines Rückenmarks und mit einer zeitweiligen Lähmung der Beine einherginge. Er würde für ein paar Wochen im Rollstuhl sitzen.

      Der veqlargh war frei.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • San Francisco, "Thirsty Scholar Pub"


      Es war bereits nach Mitternacht, als sich die ersten Plätze im "Thirsty Scholar Pub" leerten. Der Pub war bei den Kadetten der Akademie recht beliebt, vor allem bei den Kadetten, die sich mit dem Bereich "Sicherheit" näher befassten. Vielleicht, weil er ganz in der Nähe des Footballfeldes lag, vielleicht weil die Holosimulatoren für Gefechtsfälle ganz in der Nähe waren ... oder ganz einfach, weil man hier das beste europäische Bier im ganzen Viertel bekam. An der Innenausstattung konnte es nicht liegen, die war verplüscht, dreckig und wurmstichig, wo es nur möglich war. Flecken von Getränken zierten die Sitzmöbel an unmöglichen Stellen, an den Tischen waren Kanten und Ecken bereits abgebrochen, die Stühle quietschten beim Herumschieben und die Beleuchtung war eine Mischung aus Kerzenschein und sterilem Neonlicht an der Theke. Und zwischen all den altbekannten Gesichtern an der Theke und den Kadetten innerhalb des Etablissments mischten sich ein paar normale Besucher, die vermutlich ihren letzten Happen für heute einnahmen und noch einen Absacker tranken. Aus den Lautsprechern dudelte träge einer der Golden Oldies aus den 60ern und der Wirt - ein eifriger Tellarit - war damit beschäftigt, die letzten Getränke einzuschenken. Vereinzelte Lacher füllten die rauchgeschwängerte Luft weil jemand einen Witz fallen ließ und ein anderer ihn nach dem hastigen Genuss eines alkoholischen Getränks nun endlich in der Lage war, ihn zu verstehen. Ganz hinten, noch hinter der Theke brutzelte irgendwas in einer Fritteuse. Offensichtlich stammte hier nicht alles aus dem Replikator.

      Nahe einer der dunkel ausgeleuchteten Ecken saß ein Kadett mit raspelkurzem, braunen Haar und trägem Blick. Die zwei Gläser vor ihm, die die letzten traurigen Reste von Bierschaum aufwiesen, sprachen eine deutliche Sprache und so wie der junge Mann ins Feuer der Kerze vor ihm starrte, dachte er offenbar direkt über die nächste Order nach. Und es wäre wohl auch genau so gekommen, wenn just in diesem Moment nicht die kleine, helle Klingel an der Tür geläutet und damit die Ankunft eines Gastes angekündigt hätte. Jeder hob seinen Blick und nur die weniger zahlreich anwesenden Damen senkten ihn sofort wieder, was dafür sprach, dass eine weitere Frau eingetreten war. Ihr honigbraunes Haar mit angedeuteten Strähnen und fast niedlichen Locken an den Enden krönten das hellhäutige Gesicht mitsamt der spitzen Nase und den vollen Lippen. Sie trug eine sandfarbene Jacke, die wohl gerade in Mode sein musste, und eine der Jeanshosen, die langsam wieder in Mode kamen. Sie kannte sich offenbar hier aus und benötigte nur drei kurze Blicke durch den Raum - trotz ihrer geringen Größe - bis sie gefunden hatte, was sie suchte. Sofort griff sie die Handtasche an ihrer Schulter fester und marschierte in eine der Ecken zu. Genau dahin, wo der Kadett vor seinen Biergläsern saß und nun ebenfalls aufsah:
      "Carla?", fragte er etwas reaktionsarm und sah hoch.
      "Schön, dass du mich noch kennst.", antwortete sie mit ruhiger Zurechtweisung in der Stimme. Ohne weitere Begrüßungsrituale auszutauschen zog sie sich den Stuhl gegenüber des Kadetten zu sich heran und setzte sich ihm gegenüber hin, die Handtasche fiel auf den Boden:
      "Ich habe mir wegen dir die Augen ausgeheult, Marc. Wegen dir du Arschloch.", begann sie unverhohlen und direkt mit der Attacke. Sie lehnte sich vor, stellte ihre Ellenbogen auf dem hölzernen Tisch ab und deutete mit ihrem spitzen Finger auf den Kadetten.
      "Ich kann doch einen Kommilitonen nicht einfach sitzen lassen.", kam die müde Erwiderung. Offenbar hatte Marcus Salem diese Attacke wie auch das Urteil bereits erwartet.
      "Du kannst auch deine Freundin nicht einfach sitzen lassen.", kam die kecke Erwiderung, die jedoch auf keinen Lacher wartete. "Ich hab endlich meinen Abschluss in der Tasche, hab gehofft das du kommst und wir miteinander 'feiern' und du hast doch wirklich nichts besseres zu tun als mir zu erklären, dass einem Kadetten dabei helfen musst, seinen Arsch aus dem Sumpf zu ziehen, weil er betrogen und belogen hat!", führte Carla halblaut aus. Der Tellarit näherte sich, Carla wandte sich noch in eine Richtung bevor er angekommen war und mit einer Handbewegung bestellte sie mindestens genauso halblaut "Das Gleiche für mich, wie für ihn hier."
      "Ich musste ihn verteidigen, sonst hätten die ihn geschmissen.", wiederholte Marcus. Als hätte er das gleiche Gespräch schon einmal genau so geführt.
      "Nichts musstest du. Wer sich erwischen lässt und zu dumm zum bescheißen ist, hat es nicht anders verdient.", urteilte Carla ebenso schnell. Offenbar hatte er das Gespräch genau so schon einmal mit ihr geführt.
      "Ich kann doch auch nicht später in der Flotte einfach hinwerfen und sagen 'Macht ohne mich weiter, ich werde zuhause gebraucht.'", gab Marcus schon etwas motivierter zurück. Obwohl seine Körperhaltung nichts Gutes erahnen ließ und fast eingesackt wirkte, flackerte das Licht der Kerze in seinen Augen sanft.
      "Das wirst du sicher nicht, weil du ein Arsch bist."
      "Wo ist die Carla hin, die mir gesagt hat 'Geh zur Sternenflotte, da erlebst du neue Sachen, neue Sichtweisen und lernst mal was Ordentliches.', hä?"
      "Die ist zuhause geblieben. Genau wie du, als ich meinen Abschluss gemacht hab. Ich hatte mich auf unser Wochenende gefreut ..."
      "Du planst immer alles und ich soll es erahnen. Was als Nächstes? Gibst du mir auch die Hausaufgaben für Logistik? Oder Taktik?"
      "Marcus, ich find es ja heiß wenn du aggressiv wirst aber das ist jetzt verletzend.", antwortete Carla mit festem Blick.
      "Oh, wunderbar. Ich werde verletzend. Ein Glück, dass du das in den letzten Jahren nie geworden bist!", kam der direkte Nachtritt. "Wie oft hab ich einstecken müssen, nur weil dir deine Forschung so wichtig war? Wie oft hab ich warten müssen, weil du ein Praktikum gemacht hast? Wie oft hab ich- Moment. Was machst du überhaupt in San Francisco?"
      "Ich wollte dich mal besuchen, Marcus. Und dann finde ich raus, dass du nicht in der Akademie bist sondern dich volllaufen lässt. Weißt du, was ich glaube? Das mit dem 'Kommilitonen verteidigen' ist reiner Dünnschiss, das hast du dir doch nur ausgedacht um mich nicht sehen zu müssen!"
      "Das stimmt ni-"
      "Und wie das stimmt. Du hast dir einen Lenz auf einer Party gemacht, anstatt mit mir mal ein Wochenende zu verbringen. Ich finde sowas schrecklich."
      "Carla, beruhig dich bitte wieder.", meinte Marcus etwas leiser, einige Umsitzende hatten öfter schon in ihre Richtung missbilligend in ihre Richtung geblickt.
      "Ich will mich nicht beruhigen. Ich will dir direkt ins Gesicht erzählen, dass ich an dem Wochenende nicht mit dir 'gefeiert' habe sondern spontan auf einer Party von Freunden war und dort Matt getroffen habe. Und dann hab ich ihn flachgelegt.", Carla ließ die Worte trocken wie einen Peitschenknall im Raum stehen. Marcus' Blick drückte puren Schockzustand aus. Für fast vier Sekunden konnte er keinen Laut artikulieren, dann fuhr sein Programm für Sprache nach dem Totalabsturz wieder hoch:
      "Aaaa ... Waaas?"
      "Ich habe mit einem anderen Kerl geschlafen. Und noch was - ich habe ihn wiedergetroffen. Und noch ein paar mal. Und er ist toll. Und er sagt mir wenigstens, wenn er auf eine Party geht - dann zieh ich mich schick an und geh mit ihm. Und ich bin den ganzen Weg von Paris hierher geflogen, nur um dir ins Gesicht zu sagen, dass es aus mit uns ist.", zweiter Totalabsturz für Marcus an diesem Abend.
      "Wa-?"
      Und ich will auch nicht mehr mit dir befreundet sein. Dein obskures, selbstmitleidiges Gerede hat mich in den letzten Jahren so sehr kaputtgemacht. Das war so unnötig. Dabei hättest du das gar nicht nötig. Aber du brauchst das offenbar.", urteilte sie in einem rasanten und nicht direkt diskretem Ton. "Hauptsache, es geht um dich. Egal was an der Akademie war, immer hast du gejammert, du würdest es ohne mich nicht schaffen. Jetzt werden wir ja sehen, was du alleine schaffst.", Carla griff nach ihrer Handtasche.
      "D-d-das wars?", erkundigte sich Marcus unsicher, als hätte er die letzten Sätze gar nicht gehört.
      "Ja, das wars du dämliches Arschloch.", stand Carla sicheren Fußes auf und sah Marcus nach vorn gebeugt noch einmal fest an: "Du wirst mit Sicherheit irgendwann mal ein guter Offizier. Aber du wirst dich immer fragen, wieso du beziehungsunfähig sein wirst. Und lass es mich dir mit aller Verlaubtheit sagen: Es liegt nicht an den Frauen. Es liegt daran, dass du mit dir selbst nicht klarkommst.", stieß sich Carla energisch vom Tisch ab und marschierte direktemente zum Ausgang, rannte dabei fast den Tellariten um, der ein Bier auf Marcus' Tisch stellte. Dieser sah Carla noch grobe zwei Minuten nach - bzw. nach sieben Sekunden stierte er die Tür an - und leerte das Glas dann in einem Zug. Beim Hinausgehen, sechs Bier später, gefiel ihm das Gesicht eines Kadetten nicht. Die folgende Prügelei brachte Marcus Hausverbot ein. Und eine Nacht in der kalten, regnerischen und pfützenbewehrten Gasse hinterm "Thirsty Scholar Pub".
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    • Alpha Centauri, nahe Libertus Landing


      Sanft steuerte die Iustitia, ein Shuttle vom Typ 9, durch den Abendhimmel von Alpha Centauri B II. Die Dämmerung streichelte noch den mit Bergprofilen gepflasterten Horizont, ehe sie hinter selbigen verschwand um dem tiefdunkelblauen Nachthimmel den Weg freizumachen. Aber noch war es nicht so weit. Und noch suchte der damalige Lt. Marcus Salem nach Koordinaten. Dies war eine abgelegene Region. Bergig und noch dazu von Seen durchzogen. Hier lebte nur, wer wirklich seine Ruhe haben wollte. Unter dem Shuttle nahm Marcus das Tiefblau des Sees wahr, an dessen Rändern sich noch Reste der feuerroten Dämmerung zeigten. Er sah wieder auf die Koordinatenangabe, genervt von den Überflügen, die er bereits hatte tätigen müssen. Das war jetzt der vierte Versuch, eine Landestelle an den von ihm gesuchten Koordinaten zu finden aber da war nichts. Nur dieser See, begrenzt an allen Seiten von schroffem Gebirge.

      Als er das spiegelglatte Wasser abermals überflogen hatte, entschloss er sich zu einem letzten Versuch und ging in den letzten Überflug. Es mochte am letzten Streifen Sonnenlicht liegen - oder daran, dass der jetzt kaum noch blendend ins Cockpit fiel - aber da fiel Marcus etwas auf, das er vorher nicht erkannt hatte: Am Abhang des Berges schlängelte sich eine Linie auf gleicher Höhe zum See entlang, ca. 10 Meter über der konstanten Wasserlinie. Eine in den Berg gehauene Straße, eindeutig. Er lenkte das Shuttle näher an den Abhang heran und sah auf die Angabe der Koordinaten: es passte haargenau. Das Shuttle setzte auf, die Straße würde es halten und breit genug sein. Ein kurzes Entriegeln, das Abmelden von der Steuerkonsole - alles Dinge, die ein Pilot automatisch tat, wenn er das Shuttle verließ. Marcus Salem erhob sich aus seinem Sitz, legte den kurzen Weg durchs Shuttle zurück und stieg durch die Luke nach draußen, wo er das Shuttle hinter sich verriegelte. Die Luft war angenehm, er schätzte sie auf ca. 19 bis 20 Grad Celsius. Hier, am Rande der Dämmerung, sangen noch ein paar Vögel, die in den zerklüfteten Berghängen nisteten. Und just in diesem Moment frage sich Marcus auch, warum er so etwas über Vögel auf Alpha Centauri wusste. Ein Blick aufs Chronometer verriet, dass Marcus zu dem Treffen bereits 12 Minuten zu spät war, aber weit und breit ließ sich niemand erkennen. Auf der Straße nicht. Am Abhang nicht. Und der Lt. in Zivil ging sogar an den Rand der Straße um hinab in den See zu schauen. Auch dort war niemand. Er seufzte kurz und beschloss, noch etwas zu warten. Und es ließ sich sicher an einigen Stellen schlechter warten als an einer Straße mit solcher Aussicht auf einen Sonnenuntergang. Erneut sah Marcus auf sein Chronometer: Der Rest der Führungsoffiziere würde sich jetzt bei Häppchen und Getränken in der Oper vergnügen. Die Glücklichen.

      "Mr. Salem?"
      Wie von der Tarantel gestochen fuhr Marcus herum. Ihm war nicht klar, von wo die Worte kamen, aber es musste hier in der Nähe sein. Rechts war ein Tunnel, durch den die Straße führte. Er war schlecht einzusehen und düster, es zeichneten sich aber keine sichtbaren Silhouetten ab. Marcus ignorierte das und machte einige Schritte von dem Shuttle, das immernoch im Dämmerlicht glänzte, weg in Richtung des Tunnels.
      "Aye, kommen Sie her.", wiederholte die Stimme und befeuerte so Marcus' Antrieb, auf sie zuzugehen. Neugier besiegte Angst, wie so oft bei ihm. Als er in die Dunkelheit des Tunnels eintauchte, gewöhnten sich seine Pupillen an die neuen Lichtverhältnisse. Und langsam tauchten geisterhafte Profile an den Wänden auf, wo sie verweilt hatten. Während er blinzelte, um den Prozess der Lichtgewöhnung zu beschleunigen, kam eine der dunklen Gestalten auf ihn zu:
      "Gestatten Sie, Greg Shapiro. Ich arbeite für Walsingham Corporation.", stellte sie sich vor. Marcus identifizierte sie als männlich, schlank, grauhaarig.
      "Warum soll ich hier sein?", fragte der Lt. vorsichtig und behielt Shapiro vorsichtig im Auge, "Warum bin ich hier und trage keinen Smoking wie der Rest meiner Crew, um damit eine schöne Frau auszuführen?"
      "Wenn es Ihnen um schöne Frauen geht ... damit kann ich dienen.", schmunzelte Shapiro süffisant und deutete auf zwei weitere Gestalten im Schatten, die Marcus langsam besser erkennen konnte, eine hatte rote, wallende Haare und-
      "Allmächtiger ...", entfuhr es Marcus, "Walsh, Sie leben?!"
      "Ganz richtig.", bestätigte diese und trat hervor, um ihm kurz die Hand zu schütteln. Ihre Haut war so rein wie eh und jeh, die Haare wirkten fast noch besser gepflegt als sie es zu ihrer Zeit als Sicherheitsoffizierin an Bord der Aurora waren.
      "Ich ... ich habe Sie sterben sehen. Ihren Kommunikator auf der Erde abgegeben.", zeigte sich Marcus mit schrägem Blick und ging die Optionen durch, was hier vor sich ging.
      "Mr. Shapiro wird alles erklären.", tat Walsh das mit ihrer üblichen Sachlichkeit ab, die einen Vulkanier vor Neid würde erblassen lassen und trat einen Schritt zurück. Shapiro begann:
      "Dann sind da noch Ms ... ach, Sie kennen sie wohl besser als 'Erzengel', Lt.", erklärte der Grauhaarige und deutete auf das nächste Profil an der Wand. Blondes, langes Haar. Auch eine Frau.
      "General Zorak tr'Lovok, Abteilungsleiter des Tal Shiar ...", ging Shapiro mit Marcus die knappe Reihe ab, "... und Cmdr. Jonathan Fox.", endete er auch schon wieder bei einem Mann in Sternenflottenuniform, der die drei goldenen Pins eines Commanders am Kragen hatte. Marcus hätte beinahe salutiert, ließ das aber sein - er war in Zivil unterwegs. Die Tage mit Commander Kaaran hatten bereits gereicht, um einen Salutfanatiker aus ihm zu machen. Shapiro hatte damit offenbar gerechnet: "Nun, Sie zuerst. Was denken Sie?"
      "Entweder haben Sie hier eine verdammt exklusive Urlaubsrunde oder aber eine Verschwörung ist am Laufen.", urteilte Marcus rasch. Er bereute gleich, so schnell geantwortet zu haben. Shapiro und der romulanische General sahen ihn missbilligend an, Walsh und Fox mussten sich ein Grinsen verkneifen.
      "Knapp daneben, Mr. Salem. Wir alle sind Mitglieder der Sektion 31."

      Das hatte gesessen. Sektion 31. Berühmt. Berüchtigt. Gehasst. Gefürchtet. Jeder in der Sternenflotte hasste die Schwarzjacken mindestens zehnmal so sehr wie die Schwarzkragen vom Geheimdienst. Die wenigsten trafen überhaupt auf einen. Und Marcus gleich auf Fünf in einem Tunnel an einem See mitten auf Alpha Centauri. Das verhieß nichts Gutes.
      "General Zorak hier sind vor einigen Jahren ein paar Agenten desertiert. Er wäre Anwärter auf einen Platz im Senat gewesen, wäre das nicht geschehen. Leider sind die Romulaner bei solchen Fehlern ungnädig.", begann Shapiro und gab Zorak einen mitleidigen Blick mit, dem der mit steinernem Ausdruck entgegenstand. "Wir haben dann dank unserem Erzengel hier herausgefunden, dass sie sich im Grenzdreieck versteckten und sich Ausrüstung zum Klonen beschafften - meist unter der Hilfe von Samunen-Kontakten ..."
      "... um mich zu klonen?", ergänzte Marcus.
      "Ganz genau.", bestätigte Shapiro mit dem ausgestreckten Zeigefinger in Richtung Salems. Der verschränkte die Arme.
      "Sie wurden gerettet, der Klon starb. Das wissen Sie. Und auch Ensign Walsh hier starb.", ließ Shapiro die Aussage etwas sacken und näherte sich Walsh, die noch immer straffe Haltung angenommen hatte.
      "Wir konnten Walsh mit den Mitteln von Walsingham Corporation wiederbeleben. Ihr ein zweites Leben schenken. Das können wir auch für Sie tun."
      "Ich bin aber nicht tot.", wandte Marcus ein. Wieder musste zumindest Cmdr. Fox grinsen.
      "Sie nicht. Aber ihr Freund und seine Söhne.", hielt Shapiro dagegen. Marcus glitt die Selbstsicherheit aus dem Gesicht. Das Gespräch nahm keine gute Wendung.
      "Sie ... wurden ermordet, Mr. Salem.", legte Shapiro offen.
      "Wieso?", wollte Marcus sofort wissen und nahm den Wortführer ins Visier.
      "Das wissen wir nicht. Wir nehmen an, es sollte Sie unter Druck setzen."
      "Wieso mich?"
      "Diese Splittergruppe hatte auch Menschen in ihren Reihen. Menschen aus dem GHD, wie ich bedauern muss. Sie stahlen etwas und gaben es den Romulanern ..."
      "... das Buch!", ergänzte Marcus. Shapiro sah ihn an, als sei Marcus gerade ein Barren goldgepresstes Latinum auf den Kopf gefallen.
      "Wieder richtig. Dieses Buch ist ungemein wichtig für unsere Rasse. Darin stehen Dinge, die - sollten sie enthüllt werden - die Fundamente der Menschheit zum Einstürzen bringen würden. Aber das wissen Sie sicher. Sie haben es gelesen."
      Marcus nickte.
      "Wir sind hier, um Ihnen ein Geschäft anzubieten.", trat Walsh vor.
      "Was für Eines?", wollte Marcus wissen. Er stellte die Frage mit Nachdruck.
      "Sie geben uns das Buch - und wir beleben ihren Freund und seine Söhne wieder. Wir geben Ihnen Sigma-10-Codes, eine Blankobegnadigung des Föderationspräsidenten - und des romulanischen Imperiums -", setzte Shapiro hinzu, mit einem Blick auf General Zorak, "... wenn Sie sich Sektion 31 anschließen."

      Marcus sah zwischen den Fünfen hin und her. Keiner sah wie jemand aus, den man bei Sektion 31 vermuten würde. Zwei Frauen, drei Männer, davon einer ein Romulaner. Alle Fünf waren unterschiedlich und auch wenn Marcus Commander Fox nicht kannte, so wirkte er nicht gerade wie ein Amateur in einer Sternenflottenuniform. "Sie beleben meinen Freund und seine Söhne wieder im Tausch gegen das Buch?", fragte er abermals nach.

      Shapiro nickte, genau wie auch Walsh.
      Marcus Salem

      » Don’t give people what they want, give them what they need. «
      (Joss Whedon)
    Seit 2004 imTrekZone Network