Anastasia Celís Vergangenheit

    • 24./25. Jhd.

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    • Akt I - Sequenz I

      »Gefrorene Gedanken«

      Schmerzen. Anastasia versuchte sich aufzurichten, aber sofort begann ihr ganzer Körper zu schmerzen und sie bracht den Versuch ab. Kälte. Sie startete einen zweiten Versuch und ignorierte den Schmerz. Sie fühlte sich starr und matt, aber nachdem sie den ersten Widerstand gebrochen hatte schaffte sie es. Sie hatte eine ganze weile im Schnee gelegen, wer weiß wie lange. Sie spürte die Nässe in ihren Haaren, als der Schnee unter ihrem Kopf zu schmelzen angefangen hatte. Sie fühlte sich komisch. Ihr Kopf schmerzte. Ihr war überall kalt, auch wenn sie warme Kleidung trug. Spezialkleidung um auch diesen Temperaturen unter 255 Kelvin gewachsen zu sein. Aber ihr Kopf war nicht geschützt. Sie sah neben sich die Mütze liegen, welche eigentlich dafür bestimmt gewesen war. Sie wollte sie aufsetzen, aber so einfach ging das nicht.
      Wo bin ich da reingeraten, verurteilte sie sich selbst. Nun saß sie hier und hatte völlig die Kontrolle über die Mission, über alles verloren. Und nicht nur das war verloren gegangen. Nun war sie völlig auf sich alleine gestellt. Und das alles war ihre Schuld. Sie war unvorsichtig gewesen. Dabei war sie darauf hingewiesen worden, dass diese Mission weder einfach noch ungefährlich sein würde. Sie unterdrückte die Verzweiflung, die in ihr heraufstieg.
      Nein!
      Sie hatte keinen Fehler gemacht, sie hatte sich nichts zu schulden kommen lassen. Sie hatte von vorn herein keine Chance gehabt. Ihre Aufgabe war es nur gewesen ihn zu finden, nicht ihn zu überwältigen. Hätte man ihr von vorn herein gesagt mit wem sie es zu tun hatte, so hätte sie diesen Auftrag sicherlich abgelehnt. Und dennoch hätte man sie wohl geschickt. Nein, sie hatte gegen diesen Agenten keine Chance gehabt.
      Hätte ich fliehen sollen? Hätte ich fliehen können ...?
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz II

      »Zugang«

      Kalt wehte der Wind Anastasia ins Gesicht. Die weite, weiße Fläche bot keine Hindernisse. Sie zupfte an ihrer Brille, setzte ihre Kopfbedeckung zurecht und blickte zurück auf die Landekapsel, welche sie soeben verlassen hatte. Es war das erste mal, dass sie diese Methode der Anreise hatte benutzen müssen. Da befürchtet wurde, dass ein Transport zu sehr auffällt, hatte man sie und ihren Kollegen in jeweils eine gerade mal zwei Meter große Landekapsel gepackt, welche dann in eine Höhe von etwa 20 km gebeamt wurden, weit genug weg nicht entdeckt zu werden, und von dort, abgeschirmt von Sensoren, gen Boden schwebten. Vermeintlich auffällig, war dies in wirklichkeit eine sehr elegante Methode der Inflitration. Die Energie eines Transportes war im Gegensatz dazu geradezu leiche anzumessen. Lediglich die Landekapseln musste man verstecken, was in diesem Falls aber nicht notwendig war.
      Doch nun waren es noch zwei Kilometer über die Eiswüste, welche sich in alle Richtungen ausbreitete. Sie überlegte, ob sie schon mal an solch einem lebensfeindlichen Ort gewesen war. Allein der Anblick ließ ihr die Kälte in die Glieder kriechen. Aber sie riss sich zusammen. Sie war gut ausgerüstet und der harte Teil würde zudem erst danach beginnen, wenn sie sich in den Untergrund begaben.
      "Alles in Ordnung bei Ihnen?", bemerkte Anastasia ihren Kollegen rufen, welcher zu ihr herüber gestapft war. Gehört hatte sie ihn gegen den Wind allerdings kaum. Sie nickte, wartete einen augeblick, bis er noch ein paar Schritte näher gekommen war und rief dann: "Ich habe mich nur versucht zu orientieren."
      "Dort befindet sich das Ziel."
      Die Person deutete in die Richtung, welche Anastasia schon vermutet hatte. Sie schulterte ihren Rucksack, welcher zu ihren Füßen gelegen hatte, schloss zu der Person auf und beide gingen in die zuvor gedeutete Richtung.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz III

      »Puppenspiel«

      Anastasia öffnete die Augen und begann sich umzusehen. Sie lag scheinbar rücklings auf dem Boden, die Arme zur beiden Seiten ausgestreckt. Sie setzte sich auf und rieb sich die behandschuhten Hände.
      'Endlich bis du wach', drang es fremd in ihren Kopf ein und ihr wurde die Präsenz einer weiteren Person bewusst. Er war es und er war etwa 100 Meter entfernt. Sie stand auf und blickte sich ratlos um.
      Was ist los? Was mache ich hier? Warum hat ...
      'Pass jetzt gut auf, wir haben nur wenig Zeit!
      ', riss sie eine weitere, eindringliche Botschaft aus ihren Fragen.
      'Es werden gleich zwei Personen auftauchen. Du wirst mit ihnen einen Handel abschließen und etwas übernehmen.'
      Sie stand in einem Gewöble gut 10 Meter groß, in welchem drei Tunnel abgingen. Neben ihr standen zwei Kisten.
      'Wenn du tust, was ich sage, wird dir nichts passieren. Wenn du aber einen Fehler machst, werden sie dich töten...'
      Nach einer Minute und wenigen Gedanken dürftiger Erklärung materialisierten sich zwei Personen in einem blauen Transporterstrahl. Das Gespräch war kurz und Anastasia folgte mangels Alternative strikt den Anweisungen, die sie bekam. Die beiden Kisten waren offenbar unwichtig, denn die beiden Personen verlangten nach einem Computerchip, welchen Anastasia in ihrer Brusttasche fand. Im Gegenzug erhielt sie ein einzelnes Wort, ein Codewort oder ein Passwort wohlmöglich. Und sie erhielt die Warnung sich besser nicht mehr in Angelegenheiten einzumischen, welche sie nichts angingen. Jene Angelegenheiten waren offenbar von Syndikat, aber ihr Souffleur war in ihren Kopf eingedrungen und verhinderte, dass sie diese Gedanken jener Personen deutlicher mitbekam. Sich dagegen zu wehren, während sie auf ihn angewiesen war und befürchten musste von diesen Personen getötet zu werden, traute sie sich nicht und das Gefühl immer mehr in den telepathischen Griff zu geraten entmutigte sie zunehmens.
      'Keine Angst, gleich ist es vorbei.'
      Eine der Personen holte ein Kommunikationsgerät hervor und baute eine Verbindung auf.
      "Wir haben das Bonbon. Wir beenden den Austausch jetzt."
      Mit diesen Worten zog die andere Person grinsend einen Disruptor aus seiner Manteltasche und hielt ihn demonstrativ hoch. Anastasia blieb versteinert stehen.
      "Es tut mir Leid, aber das Passwort wird Ihnen nicht viel nützen, wenn Sie tot sind."
      Sie hatte so keine Chance. Sie stand auf offener Fläche, den nächsten Tunneleingang gut 5 Meter entfernt. Bis dahin war sie bereits tot. Doch soweit kam es nicht. Zwei Phasertrahlen trafen in kurzer Kadenz beide Personen, welche zu Boden fielen. Eine dritte Person trat aus dem Schatten eines der anderen Tunnel heran und beugte sich über die beiden Personen, welche offensichtlich tot waren, nahm die Waffe, das Kommunikationsgerät und den Chip ansich und trat zu Anastasia, welche apathisch das Geschehen verfolgte.
      'Du warst ausgezeichnet. Nur noch einen Moment, dann ist es vorbei.'
      Er strich ihr über die Schulter, nahm dann ihre Hand, aktivierte etwas auf dem Kommunikationsgerät und beide verschwanden in einem blauen Transporterstrahl.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz IV

      »Maus und Katz'«

      Seit zwei Stunden hatte nun das Katz' und Maus-Spielchen begonnen. Noch wusste die Maus nicht, dass die Katze sie gefunden hatte und Anastasia hatte fest vor, dass dies auch so blieb. Mit ihrem 6. Sinn hatte sie die Zielperson ausgemacht und nun galt es diese durch das System an Höhlen zu erreichen, ohne, dass dies die beiden Agenten bemerkte. Dazu waren sie beide mit Camouflage-Ausrüstung bestückt, welche aktive Scanns vereiteln würde. Passiv war im Höhlensystem ebenso nicht viel zu machen. Und so war es lediglich noch an Anastasia ihre telepathische Aura unter strenger Kontrolle zu halten - denn die Zielperson war ebenfalls Telepath.
      Noch war es kein Problem, aber Anastasia war bewusst, dass die Zeit nun gegen sie lief. Sie konnte sich nicht ewig vor der Person verbergen und sie gleichzeitig versuchen aufzuspüren. Dies war ein difiziler Akt, welcher viel Konzentration benötigte und auf Dauer sehr anstrengend war. Sie schätzte, dass sie dafür alles in allem etwa 18 Stunden hatte, bis ihre körperlichen Grenzen erreicht waren, aber es war ihre Aufgabe, hierfür war sie an dieser Mission beteiligt und sie wusste, dass sie diese Aufgabe erfüllen konnte. Alles weitere Lag in der Hand ihres Kollegen.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz V

      »Subjektschutz«

      'Na, liebes...'
      Janush ließ sich neben ihr nieder und rückte an sie heran. Sie hingegen rückte instinktiv von ihm weg.
      'Nicht doch. Es ist so kalt, da darf man die Körperwärme nicht vergeuden.'
      Er legte seinen Arm um sie und zog sie zu sich heran. Sie bemerkte sein Missfallen um die dicke Kleidung, welche keinen Körperkontakt zuließ.
      'Ich bin froh dich zu sehen, zu sehen, dass es dir gut geht, Anastasia.'
      Sie gab keine "Antwort", aber ließ vor ihrem inneren Auge jenes Ereignis ablaufen, welches dazu geführt hatte, dass sie nun hier saß.
      'Wenn jemand einen Phaser auf dich richtet, dann ist es am klügsten einfach zu gehorchen und keine Fragen zu stellen.'
      Er grinste sie an. 'Quid pro quo, aber wenn du magst verspreche ich dir das nicht wieder zu machen.'
      Sie schloss hingegen als Geste des Ignorierens die Augen um das Grinsen nicht zu sehen. Doch zu mehr Widerstand traute sie sich nicht. Ihr kamen die Erlebnisse, die sie aus der Ausbildungszeit an diese Agenten hatte, in denn Sinn und erinnerten sie wir skrupellos und kaltblütig diese Person war. Damals hatte sie Angst bekommen nur wenn sie in seiner Nähe war.
      'Bitte hab keine Angst vor mir. Ich möchte dir nichts tun.'
      Die Aussage war grundehrlich, aber Anastasia bezweifelte, dass dies ihn bremsen würde, wenn sie etwas tat, was nicht in seinem Sinne war. Er hatte seine Hand ausgestreckt und strich ihr sanft über die Wange, wobei ihm ihre Zweifel nicht verborgen blieben. Sie brauchte ein paar Sekunden, um sich aus der Starre zu lösen, in welche die Berührung sie versetzte und legte dann den Kopf zurück um die Berührung zu beenden. Sein Wunsch sie weiter und intensiver zu berühren verstörte sie, was ihm nicht unbemerkt blieb und offenbar Einhalt gebot. Mit einem Lächeln erhob er sich und sah sich kurz um.
      'Ich würde dich ja fragen, ob du mir behilflich bist, aber ich kann verstehen, wenn du im Moment nicht gut zu mir stehst.' Ein Gedanke von ihm, dass dies sich ändern konnte, strif Anastasia. Sie konnte seinen tiefen Wunsch nach ihrer Zuneigung und Wohlwollen spüren, aber daneben war auch seine Gewissheit, dass sie ihm helfen würde ob sie es wollte oder nicht.
      Er kniete sich vor sie und blickte ihr in die Augen.
      'Es ist schade, dass wir offenbar im Moment auf gegenüberliegenden Seiten stehen. Aber du musst mir bitte glauben, dass es mir ehrlich leid tut das zu tun.'
      Sie wich ein wenig zurück, als er ihr eine Haarsträhne zurück strich, doch zu spät merkte sie, dass dies dieses mal nur eine Ablenkung gewesen war. Sie sah den Bruchteil der Sekunde die volle Bewegung, spürte wie der Ellenbogen ihren Kopf traf und verlor dann das Bewusstsein.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz VI

      »Exegese«

      Dösend saß Anastasia auf dem Sitz und versuchte ihre Gedanken irgendwo ganz weit weg in die Ferne zu lenken. Viel konnte sie nicht machen. Die Kontrollen für den Autopiloten des Warpantriebs waren gesperrt und ihre Versuche diese zu umgehen waren bisher eher kläglich ausgefallen und von Hand zu fliegen sah sie als noch aussichtsloser an als mit ihren rudimentären Computerkenntnissen ihr Glück zu versuchen - zumal sie hier bei einem Fehler das Schiff nicht in seine elementaren Bestandteile zerlegen würde.
      Ein Blinken einer Konsole erregte schließlich ihre Aufmerksamkeit. Sie lehnte sich vor und erkannte, dass eine Nachricht empfangen wurde. Ihre Fähigkeiten hatten gereicht um auf die Kommunikationsanlage zugriff zu nehmen und eine Subraumnachricht abzusetzen. Der Absender war unbekannt, aber damit hatte sie gerechnet. Ihre Gedanken streiften die Person, welche sich in einer Rettungskapsel befand, eingesperrt, und ihrer diese Nachricht wohl gebührte. Sie öffnete die Transmission und erhielt schließlich einen knappen Text. In diesem wurden einer gewissen Mara Glückwünsche für ihre erfolgreich verlaufene Geburt gewünscht, ebenso das Bedauern darüber, dass der Vater des Kindes nicht anwesend sein konnte und dass die Familie sich um alles kümmern würde. Jemand werde sie besuchen kommen und mit dem Papierkram helfen. Der Säugling sollte möglichst geschont und gepflegt werden.
      Codewörter, deren Bedeutung sie im Kontext ahnen konnte. Zweifelsohne würden dieser Jemand aber wissen, was sie genau zu bedeuten hatten. Sie war sich immerhin ziemlich sicher, wer dieser Jemand sein würde, das beruhigte sie. Und endlich hatte sie Gewissheit, dass sie nicht ewig hier festsitzen würde. Sie stand auf, ließ ihren Blick aus dem Fenster auf den Planeten fallen und verließ dann das Cockpit. Nachdem dies nun überraschend schnell geregelt war hatte sie noch eine letzte Sache zu erledigen, etwas, das ihr zum einen zwar widerstrebte, aber von dem sie spürte, dass sie es tun musste. Sie stieg die Treppe hinab zum zentralen Korridor und machte sich auf dem Weg zu jener Rettungskapsel.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz VII

      »Fallen«

      Ein Dröhnen war das erste, was Anastasia daraufhin bemerkte. Der Blick wurde langsam wieder klar und sie merkte, dass sie nicht aufrecht stand. Dann wurde ihr bewusst, was eben passiert war und sie bemerkte, dass jemand ganz in ihrer Nähe dabei war aufzustehen. Sie griff nach dem Phaser, welchen sie am Gürtel trug, doch der Griff ging ins leere...
      Panik ergriff sie. Sie richtete sich etwas auf um zu sehen wo sie ihre Waffe verloren hatte. Die Person, welche sie nun wieder erkannt hatte, war bereits erfolgreich damit sich hinzuknien. Sie entdeckte den Phaser etwa einen halben Meter außer Griffweite neben ihr. Schnell rollte sie sich herum, ergriff das kleine Gerät, riss den Arm herum, doch es war bereits zu spät.

      Nur langsam kam Anastasia mit ihrem Gefangenen voran. Zunächst war es noch etwas schneller gegangen. Sie hatte ihm Handschellen angelegt wodurch sie relativ gefahrlos folgen konnte. Aber für einige Abschnitte war es notwendig, dass er die Hände frei hatte. Und nun musste sie jede seiner Bewegungen im Auge behalten, auf Abstand bleiben, jederzeit reagieren können, während sie gleichzeitig dafür zu sorgen hatte nicht abzustürzen oder auch nur hinzufallen. Janush machte keine Anstalten zu verbergen, wie ihn ihre Unruhe amüsierte und demonstrierte ihr Gelassenheit mit dem offenen Hintergedanken, dass er nur für einen kurzen Moment aktiv werden musste, während sie permanent unter Stress stand. Schaffte sie es so lange durchzuhalten, bis jemand sie hier abholte? Oder musste sie sich einer jener Mittel bedienen, mit denen Janush sie ruhig gestellt hatte?

      Janush hatte ihren Arm gepackt und drückte ihn zu Boden, sodass der hektisch abgefeuerte Strahl an ihm vorbei zur Höhlendecke ging. Anastasias anderen Arm hatte er ebenfalls ergriffen und verdrehte ihn ihr hinter den Kopf. Sie schrie auf und lies den Phaser los, wie es Janush ihr telepathisch befahl. Ihr Rucksack verhinderte, dass sie sich wegrollen konnte. Mit zur Schau gestellter Gemütlichkeit kniete sich Janus nun auf ihren Arm und nahm mit der nun freien Hand den Phaser auf.
      'So mag ich das ganze doch schon viel eher', grinste er sie an, machte aber keine Anstalten den schmerzhaften Griff zu lösen. Nachdem die Überraschung gewichen war schlug sich der Schmerz auch immer mehr in ihrem Gesicht wieder. Janush ließ sich Zeit, bis Anastasia merkte, dass er nur darauf wartete, dass sie realisierte, dass sie sich nicht befreien können würde. Sie hörte auf sich zu winden und blickte den Agenten ängstlich an. Nun war sie in seiner Gewalt.
      Was wird er jetzt tun?

      Sie konzentrierte sie wieder auf den weg, denn nun wurde es steiler.
      Einige Meter hatte sie bereits gemacht, als Janus plötzlich abrutschte.
      Pass auf! rief sie sich zur Achtung.
      Er war gut 5 Meter über ihr und schlitterte nun die schräge Röhre hinab.
      'Reich mir deine Hand!' bat er sie hektisch.
      Anastasia hatte Mühe dem Reflex zu widerstehen und auf diesen offensichtlichen Trick hereinzufallen. Eilig balancierte sie zu anderen Seite, damit er an ihr vorbei fiel und sie nicht mitnahm. Sie würde dann wieder hinabklettern um ihm zu helfen. Doch zu spät sah sie, dass es sich wiederum um eine Falle handelte. Ein wenig über ihr befand sich auf Janushs Seite ein Vorsprung und diesen nutzte jenen nun um sich dort abzustoßen und schoss auf sie zu. Sie versuchte seinen Arm noch weg zu drücken, aber er hob sie einfach in die Luft, sodass sie den Halt verlor und ebenfalls rückwärts hinab stürzte.

      Zu Anastasias Überraschung lies Janush sie los und stand auf. Überrascht und unsicher schob sich Anastasia ein wenig zurück. Janush ging ein paar Schritte zurück und hob seinen Rucksack auf, welchen er scheinbar beim Sturz verloren hatte. Sie konnte nicht erkennen, was seine Absichten waren, seine Abschirmung war zu stark.
      'Na los, steh auf!'
      Anastasia gehorte, schon um nicht länger auf dem kalten Boden liegen zu müssen.
      'Die Handschellen von vorhin ... leg sie dir an.' Er hatte ihr den Rücken zugekehrt und schulterte lässig den Rucksack.
      'Was hast du jetzt vor?'
      'Das braucht dich nicht zu beschäftigen. Und jetzt gehorche!'
      Seine Drohung war undefiniert, aber deutlich.
      'Wenn du mich auch töten willst ... '
      Janus gab ein Seufzen von sich und schüttelte mit dem Kopf, während er sich wieder zu ihr hindrehte. Alles muss man selber machen...
      Er trat an sie heran und Anastasia bekam unmissverständlich mit, dass er nicht lange mit Konsequenzen fackeln würde. Schon wollte sie tun, was er verlangte, als er ihr unvermittelt den Phaser auf die Brust setzte und abdrückte. Wie eine Puppe, der man die Fäden durchtrennte, klappte Anastasia zusammen.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz VIII

      »Todesgriff«

      Die Stärke und Widerstandsfähigkeit des Vulkaniers schienen kein Vorteil zu sein, denn die Person war flink und wich den Angriffen geschickt aus. Anastasia konnte aus der Deckung verfolgen, dass der Kampf auf allen Ebenen, physisch wie telepathisch, geführt wurde, kaum zu entscheiden, wer wirklich die Oberhand hatte. Ein wuchtiger Treffer beförderte den Betazoiden schließlich gut drei Meter durch die Luft, was in einer mehr schlechten denn rechten Rolle endete. Dieser schrie, rappelte sich auf und rannte wieder auf Anastasias Kollegen zu. Dieser blockte den schwungvollen Angriff und trat dabei neben seinen Gegner, den Versuch dessen rechten Arm unter Kontrolle zu bringen. Mit einem rückseitigen Ellbogenstoß des Linken Arms wollte dieser sich scheinbar durch einen Gegenangriff daraus befreien, nur darauf hatte der Vulkanier offenbar schon gewartet um seinen Nackengriff ansetzen zu können.
      Anastasia verharrte ihre Präsens tunlichst verbergend ihren Phaser umklammert in der Deckung und schaute vorsichtig hervor um den Verlauf zu verfolgen. Ihr gefiel die Entwicklung überhaupt nicht. Warum hatte ihr Kollege den Nahkampf gewählt? Hielt er sich für so überlegen? Sie bemerkte, wie der Vulkanier zu seinem letzten Angriff ansetzte, als sie entsetzt feststellte, dass der Gegenangriff eine Falle gewesen war. Janush erlangte mit einer Gelenkdrehung für den Vulkanier überraschend die Kontrolle zurück und machte rückwärts einen gebeugten Schritt in diesen hinein.
      Anastasia sprang hinter der Deckung hervor und riss den Phaser hoch. Sie musste etwas tun. Der Phaser Stand auf Stufe Zwei, sie würde also keine großen Verletzungen hervorrufen. Und ihr Kollege war Vulkanier, er würde wohl schon nach kurzer Zeit wieder auf den Beinen sein. Doch sie war zu spät. Der Agent hatte ihren Kollegen bereits ausgehoben und in die Luft befördert. Während der Flugbewegung machte er eine Drehung und umgriff dabei den Kopf des Vulkaniers. Ein Zischen sowie ein lautes Knacken waren zu hören gefolgt von dem Dumpfen Aufschlag zweier Körper. Anastasia ließ sich schockiert auf die Knie fallen. Lediglich einer der beiden würde wieder aufwachen.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz IX

      Abscheu.
      Furcht.
      Tränen.
      Scham.
      Unglück.
      Beruhige dich. Du darfst nicht verzweifeln. Du kannst nicht ändern, was passiert ist. Und du kannst deine Gefühle nicht ändern. Aber du darfst nicht denken, dass du ohnmächtig bist. Du musst etwas tun, solange es noch nicht zu spät ist. Du musst deine Schwäche zu einer Stärke machen...

      »Lippenbekenntnis«

      Jetzt oder nie!
      Sie lehnte sich vor und küsste Janush. Dieser war merklich überrascht, aber angenehm überrascht, dass sie nun offenbar von selbst seine Nähe suchte und ließ sie gewähren. Anastasia versuchte den Kuss so sehr sie konnte zu genießen und ihn daran teilhaben zu lassen. Und es fiel ihr nicht so schwer, wie sie gedacht hatte, denn dies war ihr Kuss, ihr Moment, der Moment des Sieges über ihn. Sie schob die kleine Kapsel, welche sie in ihrem Mund versteckt hatte und die gerade dabei war sich zu öffnen in seinen. Sie spürte Janushs Gefühl, wie die Kapsel in seinem Mund aufging und deren Inhalt seinen Mundraum besetzte. Und sie spürte jenen Gedanken in ihm aufkeimen, als sie ihm eröffnete um was es sich bei der Kapsel handelte, welcher ihre stärkste Waffe beschrieb: er hatte sie unterschätzt.
      Sie kam ihm zuvor und unterbrach das Spiel jäh indem sie ihm in die Lippe biss um zu verhindern, dass er die Kapsel sofort ausspuckte. Janush schrie auf, schlug ihr ins Gesicht, als sie sich weiter an ihm fest biss und stieß sie dann von seinem Schoß. Die Arme hinter den Rücken gefesselt hatte Anastasia kaum Chancen sich abzufangen und so fiel sie über den Tisch hinter ihr zu Boden, wobei sie die Gläser darauf um stieß. Janush sprang auf, spuckte, rieb sich mit der Hand über die Zunge und sah fassungslos Anastasia hinterher, welche nach dem Schlag dennoch geistesgegenwärtig dafür gesorgt hatte alle Getränke auf dem Tisch umzuwerfen um nichts zu lassen, womit er sich den Mund ausspülen konnte.
      'Du hinterhältiger Teufel!'
      Nun bekam er seine eigene Medizin zu schlucken. Jene Droge, mit der er sie gefügig gemacht hatte, würde ihn nun gefügig machen. Anastasia zog die Beine an und führte ihre Hände von hinter ihrem Rücken nach vorne. Sie würde die Fessel nicht auf die schnelle Lösen können, aber so würde sie immerhin mehr oder weniger eine Hand zur Verfügung haben. Sie richtete sich auf und blickte zu Janush. Dessen Fassungslosigkeit war für sie deutlich zu spüren. Er konnte nicht glauben, dass er ihr soeben aufgesessen war. Und sie merkte zu ihrer Freude, dass dieser seine Zeit damit verschwendete, darüber nachzudenken, ob er etwas gegen die Substanz, die nun seinen Körper infiltrierte, tun, oder er ihr diesen hinterhältigen Anschlag heimzahlen sollte. Sie musste verhindern, dass er irgend welche Gegenmaßnahmen ergriff und gleichzeitig am Leben bleiben. Doch eher würde sie sterben als diesem Psychopathen zu erlauben sie weiter in seiner Gewalt zu haben und einer Gehirnwäsche zu unterziehen.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Akt I - Sequenz X

      »Prolog«

      Amastasia saß in ihrem Quartier, welches sie sich mit ihrem Kollegen teilen musste. Der Frachter war zwar groß, aber nur sehr dürftig zum Bewohnen eingerichtet. Für die zehnköpfige Crew hatte man, verglich man den Luxus bei der Sternenflotte oder auf Passagierschiffen, gerade mal das nötigste eingerichtet. Kleine Quartiere, einen Gemeinschaftsraum mit Replikator, einen kleinen Sportraum, einen Sanitärbereich. Achtern waren offenbar noch ein paar Räumlichkeiten, die die Crew nutzte, aber dort war sie noch nicht gewesen. Außer um den nötigen Bedürfnissen nachzukommen hatte sie das Quartier nicht verlassen. Aber es war ihr so am liebsten. Ihr Kollege war Vulkanier und damit niemand, der schnell lästig wurde. Sie genoss es sogar, wenn er sich bei Kerzenschein nieder saß und meditierte. Seine Meditation war für sie wie Musik, die auch ihren Geist beruhigte. Gerne würde sie ihn während der Meditation berühren um dieses Gefühl noch intensiver zu erleben, aber sie mochte ihn nicht stören.
      Doch jetzt war sie allein, hatte gerade ihr Essen beendet und kniete auf dem Boden über einem Padd. Es waren besondere Anweisungen zur Mission, auf welcher sie sich befand, Anweisungen, die nur für ihre Augen bestimmt waren. Anweisungen, die sie davor warnten selbst gegen die Zielperson vorzugehen. Sie las den kurzen Text noch ein zweites Mal und aktivierte dann den Löschalgorithmus, welcher die Information zuverlässig zerstören würde. Etwas beunruhigte sie, schon seit dem ersten Briefing. Nur wenig hatte sie über die Zielperson erfahren, aber sie wurde das Gefühl nicht los, als würde sie die Person bereits kennen. Je mehr sie erfuhr, um so besser passte es in die diffuse Vorstellung, die sie sich gemacht hatte.
      Kann es sein, dass ...
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • »Strand«

      Der warme Sand unter ihren Füßen war angenehm. Bei jedem Schritt dauerte es einen Moment, bis sie festen Halt hatte und ihr Fuß weit genug eingesunken war, aber sie genoss das Gefühl wie der warme Sand ihre Füße um umfloss und lies sich Zeit. Gerne hätte sie sich noch mehr Zeit gelassen, aber die Tasche in Anastasias Hand trug sich dann doch nicht von selbst, sodass sie auch nicht ewig brauchen wollte und einen Kompromiss finden musste. Einen Kilometer lief sie am Strand entlang, bis sie sich entschied an diesem Ort zu bleiben. Etwa Zwanzig Meter war das Wasser entfernt, später würde sie sicher schwimmen gehen. Aber zuerst wollte sie sich ein wenig Sonnen und so stellte sie die Tasche ab, holte die mitgebrachte Decke hervor und breitete sie über den Sand aus. Dann holte sie ein Buch heraus, welches sie sich ebenso mitgebracht hatte sowie ein Sonnenschutzmittel für die Haut, welches sie, nachdem sie ihr Kaolar und Kleid abgestreift hatte, aufsprühte. Dann setzte sie sich eine Sonnenbrille auf um ihre Augen beim Lesen zu schonen, legte sich auf den Bauch und begann zu lesen.
      Das Buch war ein Roman, leichte Literatur um sich die Zeit zu vertreiben, und handelte von einem Jungen, welcher auf der Suche nach seiner Schwester ist, die in jungen Kindheitsjahren von ihm getrennt wurde. Dabei deckt er langsam aber sicher eine Intrige auf, die sein Haus einem anderen Adelshaus einverleiben soll. Es war ein aktuelles Buch und schwamm auf der Welle jener betazoidischen Bücher, die seit einigen Jahren aufkamen und die betazoidische Adelsgeschichte glorifizierten wie auch die fiktiven Handlungen mit Verhaltensweisen wie Intrige und Verrat aufpeppten um für ein breiteres Publikum zugänglich zu sein, weil sie dadurch eine den meisten Spezies leichter zugängliche Form der Spannung schafften. Anastasia war irgendwie auf den Geschmack gekommen, vielleicht war es ein Echo zu ihrem Arbeitgeber und ihrer Arbeit, und es gab durchaus gut geschriebene Bücher diesem Genre, ein paar jedenfalls.
      Nach einer Weile drehte sie sich auf den Rücken und da das hochhalten des Buches eher unangenehm war legte sie es sich als Lichtschutz über die Augen und döste. Die Sonnenstrahlen auf der Haut waren angenehm, der Wind blies schwach über den Strand und sorgte für eine angenehme Kühlung, sodass es nicht lange dauerte, ehe die Betazoidin einnickte.

      Anastasia erwachte und konnte sofort wieder die Sonnenstrahlen auf ihrem Körper spüren. Eine Brise zog über sie hinweg, sodass es nun etwas kälter war. Hatte es sie geweckt? Sie schreckte hoch, als sie bemerkte, dass jemand neben ihr saß. Erleichtert stelle sie fest, dass es jemand war, den sie kannte.
      "Bitte entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht wecken. Sie schliefen so friedlich..."
      Saul Paladin saß in Richtung des Meeres neben ihr im Sand und hatte nun seinen Kopf zu ihr herumgedreht. Sein Blick glitt kurz über ihren Körper - ihre Kurven kamen aufgerichtet besser zur Geltung - schließlich war er auch nur ein Mann und ihm ging durch den Kopf, dass ihr ein wenig mehr Farbe auf der Haut gut tun würde. Ihre Haare würden durch die Sonnenstrahlung hingegen etwas heller werden, was ihm ebenfalls besser gefiel, wie er sich eingestehen musste.
      "Wie lange sind Sie schon hier?", fragte Anastasia und hob das Buch auf, das bei ihrer ruckatigen Aufwärtsbewegung zur Seite gefallen war.
      "Ein paar Minuten. Nicht lange."
      Das er sie nicht wecken wollte war natürlich eine jener sozialen Lügen gewesen, wie sie die Menschen pflegten. Er hatte dafür gesorgt, dass sie seine Anwesenheit trotz Schlaf bemerkte, nachdem sie nicht bereits aufgewacht war, als er sich zu ihr gesetzt hatte. Es war wohl seine vertraute Aura gewesen, die das Unterbewusstsein der Betazoidin gerade nicht in Alarm versetzt hatte. Aber aufschrecken hatte er sie dann doch nicht wollen, auch wenn es wohl nur schwer zu vermeiden gewesen war. Sie blickte ihn an in der Erwartung, dass er ihr nun erzählte, was er hier zu suchen hatte, aber Saul entschied, da sie seine Motive ja eh lesen konnte, die Frage zurück zu geben.
      "Und, was treibt Sie hier allein an den Strand?"
      Er war gekommen, da er sie nun schon seit Monaten nicht mehr gesehen hatte und einmal schauen wollte, wie es seiner ehemaligen Schülerin erging. Einige Missionen hatte sie nun abgeschlossen, er hatte die Abschlussberichte und ihre Bewertungen, soweit er es den einsehen durfte, verfolgt und war zumindest auf dem Papier sehr zufrieden. Sie zu finden war nicht schwer gewesen. Wenngleich sie ihre Ruhe wollte war sie pflichtbewusst genug gewesen ihren Kommunikator mitzunehmen.
      "Ich möchte einfach in Ruhe den freien Tag und die Sonne genießen. Das ist es schon."
      Saul schmunzelte. Es war typisch für sie.
      "Sie sind eine unverbesserliche Einzelgängerin", sprach er seinen Gedanken aus.
      Sie zog die Beine an und blickte zum Meer. Die Aussage empfand sie gerade ein klein wenig vorwurfsvoll, auch wenn es nicht so gemeint war.
      "Ich befinde mich oft genug in Gesellschaft. Und ich suche auch die Gesellschaft anderer, wenn mir danach ist", entgegnete sie rechtfertigend.
      "Es ist eine Ihrer Schwächen", ergänzte Saul von ihrem Einwand unbeeindruckt.
      Sie hielt sich davon ab ihn anzublicken, verzog aber leicht die Miene.
      Ist er hergekommen um mich zu tadeln?
      Aber es war wohl immer noch der Mentor, welcher aus ihm zu ihr sprach. Ein wenig war sie nun über sich selbst verwundert. Seine Offenheit ihr gegenüber hatte sie stets sehr geschätzt. Warum war sie jetzt so angegriffen? War es, weil er sich an sie herangeschlichen hatte? Es war doch auch nichts, was sie nicht schon erlebt hatte.
      "Ich habe mir nicht ausgesucht, dass die Anwesenheit anderer Personen manchmal so schwierig für mich ist."
      Sie strich mit der Hand über den Buchrücken.
      "Aber Sie haben die Fähigkeit als denkendes Wesen, auch wenn es schwer sein kann, die eigenen Impulse zu überwinden."
      Sie sah ihn verständnislos an. Was sollte das jetzt? Sie wollte nur ein wenig den Sonnentag genießen und sich erholen. Sie nahm ihr Kleid, faltete es auf und legte es sich wie ein Tuch über nachdem sie sich wieder mit dem Rücken auf das Handtuch gelegt hatte. Eigentlich hatte sie kein Problem damit vor Personen, die sie gut kannte und denen sie vertraute, unbekleidet zu sein, aber nun fühlte sie sich irgendwie unwohl dabei. Oder war es nur der Wind, der nun kühlere Luft heran trug?
      "Ja, es ist meine Entscheidung. So ist es", gab sie ihm leicht trotzig zurück. Sie merkte, wo Saul das ganze hinführen wollte und das gefiel ihr überhaupt nicht. Dieser Mensch wusste, auch ohne, dass er Telepath war, welche Knöpfe man bei ihr drücken musste um sie dort hin zu bekommen, wo er sie hinhaben wollte.
      "Nun, wenn Sie sich allem alleine stellen, dann müssen sie auch damit klar kommen, wenn zu Beispiel jemand wie ich Ihnen etwas antun wollte."
      "Was kann ich kleines Wesen jemandem wie Ihnen schon entgegen setzten?" antwortete sie in resignierendem Ton und lenkte ihren Blick in den blauen Himmel. Lediglich ein paar dünne Höhenwolken waren zu sehen.
      Saul musterte sie für ein paar Sekunden und es war offensichtlich, dass er dies anders sah.
      "Wenn Sie alle Ihre Fähigkeiten einsetzten dann könnten Sie mich selbst dann überwältigen wenn ich mein Messer bereits an Ihrer Kehle hätte."
      Sie sah wieder zu ihm und lächelte ihn an. Widerstand war zwecklos.
      "Ich bin überrascht. Sie gehören scheinbar zu den wenigen Personen, die mich tatsächlich überschätzen."
      Das Lächeln formte sich zu einem Grinsen.
      "Oder macht sich das Alter langsam aber sicher bemerkbar?"
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
    • Für ein kurzen Moment war Saul überrascht von dieser Antwort von ihr, aber dann entgegnete er Anastasias Grinsen mit einem amüsierten Lächeln.
      "Ich fühle mich noch fit. Und ich gehöre zu den ganz wenigen Personen, die wissen wozu Sie fähig sind ... wenn Sie es denn wollen. Sie brauchen mir nichts vor zu machen und Sie sollten auch sich selbst nichts vormachen."
      Er schickte seinen Blick hinaus aufs Wasser.
      "Eigentlich sind meine Bedenken wohl unsinnig. Mit Ihrer Ausbildung sollten Sie mehr als in der Lage sein auf sich selbst aufzupassen. Zumindest, was die physische Welt angeht."
      Anastasia hob den Kopf und sah in an. Der "was soll das denn nun bedeuten"-Ausdruck war mehr eine Höflichkeit, blieben ihr Sauls Gedanken natürlich nicht verborgen.
      Er lies sich noch ein paar Sekunden Zeit aufs Meer zu blicken, ehe er zu einer Antwort ansetzte.
      "Mit Ihrer Persönlichkeit und Ihren Überzeugungen sollten Sie mittlerweile ein psychisches Wrack sein. Sie haben bereits Dinge erlebt, die auch andere, weniger ... emotionale Agenten nicht verkraftet hätten."
      Eine kurze Pause folgte.
      "Ich habe Ihnen damals nicht zugetraut, dass Sie die Ausbildung bei mir durchhalten, vor allem, nachdem ich erfuhr, dass Sie bereits einmal ausgestiegen sind. Und natürlich habe ich mir Mühe gegeben Sie an den Punkt zu bringen an dem Sie aufgeben."
      Er sah sie wieder an.
      "Aber ich habe mich geirrt und Sie haben mir das Gegenteil bewiesen, selbst als ich mich schon verrannt hatte. Ich weiß bis heute nicht, wie Sie das gemacht haben."
      Anastasia warf ihm wieder ein Lächeln zu. Er war stolz auf Sie, daran bestand kein Zweifel. Sie war eine besondere Schülerin gewesen, auch das hatte sie seit jeher von ihm spüren können. Sie setzte zu einer Entgegnung an, hielt aber noch einmal kurz inne und begann dann anders.
      "Betazoiden sind psychologisch nicht so ... fragil wie ihr Menschen", entgegnete sie ihm und schob dann noch ein "denkt" nach. "Wir sind durch unsere Telepathie viel öfter der Wahrheit ausgesetzt, also auch vielen unbequemen Wahrheiten und haben andere Methoden entwickelt mit ihnen zu leben; nicht wie ihr Menschen, die sich vor allem durch Lügen schützen."
      Es war eine Feststellung und kein Vorwurf, was sie aber dennoch mit einem weiteren Lächeln entschärfte.
      "Wir Betazoiden haben ein Metabewusstsein welches und vor psychologischem Trauma bewahren soll. Es ist davon auszugehen, dass mein Metabewusstsein, auch durch meine besondere Situation, besonders wirkungsvoll ist. Sonst hätten Sie recht und ich wäre schon lange in einem Sanatorium, wohl schon bevor ich überhaupt zur Sternenflotte gekommen bin."
      Saul nickte leicht. Das musste wohl die Erklärung sein, zumindest ein wichtiger Teil davon. Aber Anastasia war klar, dass auch dieses Metabewustsein letztendlich nur drei Möglichkeiten hatte, wie es mit einem Gedanken umgehen konnte, um sie zu schützen: Ignorieren, dabei Information und Emotion zu entkoppeln, was sie zu einer Vulkanierin machen würde, oder zu einer Psychopathin. Vernichten, also den Gedanken zu verdrängen oder zu vergessen um auf diese Weise keinen Bezug zu sich selbst herstellen. Und Verändern, also letztendlich sich selbst zu belügen.
      Sie konnte Saul nicht verübeln, dass seine Gedanken sich ebenfalls darum drehten, dass sie sich wohl letztendlich selber belügen musste, wenn es niemand anderes für sie tat. Seine Gedanken kreisten weiter und blieben schließlich bei einer Frage stehen, welche er sich immer mehr zu stellen begonnen hatte. Seine Antwort darauf war bis jetzt jener Gedanke, welcher ihn dort hin gebracht hatte: sie belog sich selbst um sich zu schützen. Schon wollte er den Gedanken abschütteln, als ihm bewusst wurde, dass sie ohnehin alles mitbekommen hatte und er den Gedanken auch aussprechen konnte um von ihr eine Antwort zu bekommen. Er drehte seinen Kopf und blickte zu ihr.
      "Ich kann mir nicht erklären, warum Sie mich nicht hassen. Sie hätten sicherlich allen Grund dazu."
      "Warum sollte ich Sie hassen?"
      In Sauls Kopf schwirrten einige Gründe herum, aber sie sah dies anders. Das meiste, was er getan hatte, hatte er aufrichtig in ihrem besten Interesse getan, selbst wenn es eine Quälerei gewesen war. Und die Jahre, die sie nun draußen im Einsatz gewesen war, hatten immer wieder gezeigt, dass sie ohne diese Quälerei ihre Mission nicht hätte erfüllen können, wohl nicht mal zurückgekommen wäre. Sie musste das Gesamte sehen und so hatte sie mittlerweile mehr als nur Sauls Überzeugung, dass das Training für sie wertvoll, überlebenswichtig sein würde.
      "Mit der Überzeugung, mit der Sie das Training durchgeführt haben, mit der Mühe, die Sie sich meinetwegen gemacht haben. Mit dem, was ich alles durch Ihre Hilfe überwinden konnte, wie könnte ich Sie da hassen?"
      Sie richtete sich wieder auf und wandte sich leicht zu ihm hin.
      "Selbst, als Sie mich immer weiter auf die Probe gestellt haben, war es Ihr vornehmliches Ziel mich so gut wie möglich auf all die Unwägbarkeiten, die mich erwarten würden, vorzubereiten. Mein Scheitern herauf zu beschwören hätte bedeutet, dass ich in der Ausbildung gescheitert wäre und sicher in ihr Netz gefallen wäre, und nicht im Einsatz ..."
      Sie senkte leicht den Kopf als sie die letzten Worte ausließ. Oft genug war es schon knapp geworden, zu oft, aber sie verdrängte den Gedanken wieder. Sollte sich ihr Metabewusstsein darum kümmern.
      "Sie haben mir beigebracht, dass der einzige Gegner, den es wirklich zu überwinden gilt, ich selbst bin."
      Sie sah ihm in die Augen. Saul brauchte ein wenig, ehe er ein beruhigtes Lächeln aufsetzte.
      "Sie haben zwar keines Wegs die Exzentrik, aber dafür umso mehr die Beharlichkeit betazoidischer Frauen."
      Gerne hätte er ihr seine Hand auf die Schulter gelegt, aber er wusste wie ihr das missfiel.
      "Ich bin stolz auf Sie. Aber das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen."
      "Aber ich bin trotzdem froh, es von ihnen zu hören." Sie lehnte sich vor und reichte ihm ihre Hand als Geste ihrer Anerkennung, womit sie Saul überraschte. Da Anastasia keine Handschuhe trug war dies eine sehr besondere Geste. Sichtlich erfreut ergriff er sanft ihre Hand. Weitere Worte, dass wusste er, bedurfte es hier nicht mehr.
      "Das menschliche Gehirn ist nicht geschaffen, rationale Prozesse zu veranstalten, sondern das Überleben eines Organismus zu bewirken." - Karl Steinbuch
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