Stationsleben 3 - Trinität

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Willkommen im Forum des TrekZone Network Star Trek Rollenspiels.
Neu hier? Neben dem Forum findest du viele weitere Informationen in unserem Hauptcomputer-Wiki. Wenn du mitspielen möchtest, melde dich bitte über das Anmeldeformular an. Wir freuen uns auf dich!

  • Sternenflottenstützpunkt, Rover Island, Hilfslazarett

    So sah der Krieg also aus, so hörte er sich an, und so roch er. Mit einem Padd in der Hand marschierte Sophie durch die Reihen des Lazaretts, um es dem beinamputierten Bolianer zu bringen, der sie darum gebeten hatte. Er wollte einen Brief an seine Familie schreiben und seinen Liebsten schonend von seiner Verwundung berichten. Bald würde er wieder bei ihnen sein, denn für sein Ersatzbein und die notwendigen Reha-Maßnahmen würde er sobald wie möglich ausgeflogen werden.

    Sie war vor einigen Stunden hergerufen worden, drei, vier, oder sechs, sie wusste es nicht. Den Angriff hatte sie in einem der Bunker unter dem Stützpunkt verbracht, so wie alle anderen Nonkombatanten auch. Doch als sie danach an die Oberfläche gekommen war, konnte sie fühlen, dass etwas nicht in Ordnung war. Der Stützpunkt selbst hatte kaum etwas abbekommen, da seine Schilde nicht durchbrochen werden konnten. Doch auf den Straßen und Wegen regte bereits wieder rege Geschäftigkeit, ebenso im Himmel über dem Stützpunkt. Ihr Blick wanderte in Richtung Tan Waksas. Irgendetwas fehlte, doch sie konnte es nicht festmachen. Erst später hatte sie erfahren, dass Tan Waksa nicht so viel Glück hatte wie der Stützpunkt oder Little Eden. Der Raumhafen war schwer getroffen worden, wobei sich das Ausmaß der Zerstörung von Erzählung zu Erzählung erheblich unterschied. Auch andere Viertel hatte es erwischt, man sprach von über einem Dutzend zerstörter Gebäude und tausenden zivilen Opfern. Es würden mit Sicherheit nicht die letzten sein.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Sternenflottenstützpunkt, Rover Island, Hilfslazarett

    Der Neuseeländer liess auch hier sein Blick schweifen. So viel Elend...Mit etwas wermut dachte er an den Tholi welchem er vor ein paar Tagen das Leben gerettet hatte. Und dies war jetzt also deren Dank dafür. Irgendwie kam in ihm eine leichte Wut auf. Eine die er eigentlich noch nie verspührt hatte, die Wut einem Lebewesen weh zu tun und dies so richtig.
    Sein Blick blieb nach einer Weile an einem ihm bekannten Gesicht hängen. Er ging dann auf Sophie zu." Hei, na alles klar hier soweit? und auch bei dir?" Er klopfte ihr aufmunternd an die Schulter." Also ich kann noch etwa eine halben Stunde hier sein, falls ihr Hilfe gebruchen könnte. Dann muss ich nach Tan Waksa um dort zu sehen, wo wir wie helfen können mit der Versorgung von deren Verletzten. Die haben dort ein Krankenhaus "verloren" und kommen mit der Situation fast kaum noch klar." Er seufzte kurz." Und so haben sie uns gebeten zu sehen was wir tun können."
  • Sternenflottenstützpunkt, Rover Island, Hilfslazarett

    Sophie schaute Joshi an. Er sah noch müder aus als sämtliche hier anwesende Ärzte und Pfleger. Das mochte wohl daran liegen, dass er nicht nur die Verwundeten versorgte, sondern darüberhinaus auch aktiv an der Schlacht teilgenommen hatte. Maman hatte auch müde angesehen, als sie vor einer gefühlten Ewigkeit kurz vorbeigeschaut hatte, um nach den Verwundeten zu sehen, die ihr Opfer unter Maries Verantwortung erbracht hatten.

    Das Schulterklopfen nahm sie zur Kenntnis, auch wenn sie es als unnötig empfand. "Wir kommen hier gut klar. Doktor Zirovic hat derzeit das Kommando. Allerdings sind unsere Kapazitäten mit 200 Verwundeten erschöpft. Wahrscheinlich werden wir weitere Hilfslazaretts schaffen müssen, gerade jetzt, wo in Tan Waksa ein Krankenhaus fehlt. Wie geht es Ihnen denn, Doktor?"
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • USS Harry Lee

    Die Verluste hielten sich in Grenzen, die Gefahr war vorerst abgewehrt, doch Millionen von Grinori hatten ihr Leben gelassen. Zivilisten. Kinder, mehrere Millionen Kinder waren sicherlich unter den Opfern, viele von ihnen noch ohne jedes Verständnis für das Geschehen um sie herum. Unschuldig. Millionen unschuldige Tote. Der Grund dafür? Es gab keinen, purer Hass.

    Doch Hass war kein guter Ratgeber, Ane war es. "Du hast die Nachricht an das Flottenoperationszentrum noch einmal verschlüsseln und versenden lassen?" Die Norwegerin nickte: "Ja, habe ich. Wir haben die Nachricht wieder über die entferntere Relais-Strecke geschickt, um ein Abhören zu vermeiden." "Sehr gut", antwortete die Französin und schaute aus dem Fenster. Es blieb beim Versuch, den das Lagezentrum der Harry Lee, ihrem neuen Flaggschiff, da die Uhisama bei der Verteidigung der Sternenbasis Schäden am Warpantrieb davongetragen hatte. Die beiden Frauen, die sich noch aus gemeinsamen Akademiezeiten kannten, schwiegen sich an.

    "Irgendwo habe ich gelesen, dass niemand Gott so nahe ist wie ein General auf dem Schlachtfeld. Selten sowas blödes gehört.", meinte Davion schließlich. Mehr als ein "Hmm" bekam sie dafür nicht als Antwort, doch es war eindeutig eines von Anes "Rede weiter-Hmms" und kein "Blabla-Hmm." "Nun, ein niedrigrangiger Offizier hat zwar Vorgesetzte, mit denen er sich abstimmen muss, aber er weiß genau, was er kann und was nicht. Als Flaggoffizier ... man hat tausende, zehntausende Personen unterstellt ... ich glaube aktuell sind es über 100.000, aber, man weiß nicht, was man kann. Ich habe mich noch nie so ohnmächtig gefühlt. Man kann sich vorbereiten, man kann planen und weiterplanen, sich auf alles gefasst machen, doch man hängt immer noch von Entscheidungen der Vorgesetzten ab. Und doch, von den eigenen Entscheidungen hängen unzählige Leben ab. Vielleicht steigt ja mit der Ohnmacht die Macht." Commodore Stangeland Horpestad schien darüber nachzudenken, sagte aber nichts.

    Marie hatte sich immer noch nicht an den neuen Rang ihrer Freundin gewöhnt, obwohl sie sie selbst befördert hatte. Wie viele Offiziere würde sie noch befördern? Alleine, um die noch bestehenden Lücken in der Kommandostruktur der 22. Flotte zu schließen wohl noch einige, drei oder vier Flaggoffiziere müssten es noch sein. Sie würde mit der Ernennung eines zweiten Rear Admirals noch warten, solange, bis sie die frisch gebackenen Commodores genauer kennen gelernt hatte. Oder sie wartete noch die Operationen der 8. Flotte ab. Falls diese wie für den Idealfall geplant an der föderal-tholianischen Grenze abgelöst und bis zur 22. Flotte durchbrechen konnte, wäre es möglich erfahrene Flaggoffiziere von der 8. in die 22. Flotte zu versetzen. Commodore Porter würde sich dafür anbieten. Und falls wieder ein Commodore fiel oder verwundet wurde ... die Flotte hatte noch genügend Captains und selbst wenn nicht: Ränge konnten auch übersprungen werden ... Es würde immer Nachschub da sein. Leben wurden in den Glutofen des Krieges geworfen wie Kohle oder Brennholz, immer heißer und heißer, bis der Kessel explodierte ... Allein, wie konnte sie das noch verhindern?
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Sternenbasis 613

    Gavin absolvierte gerade einen Rundgang durch die Sternenbasis, um die Reparaturarbeiten zu begutachten. An seiner Seite war der CMC und der Schotte war, seitdem er die komissarische Führung über die Raumstation übernommen hatte, mehr als nur ein wenig dankbar für die Unterstützung von Howlett. Die beiden Menschen kämpften sich durch einen Gang, der teilweise immer noch durch heruntergestürzte Streben und Deckenverkleidungen schwer gangbar war. Aber das war ja zumindest etwas, dachte sich Hamilton, es könnte noch schlimmer hier aussehen, wie bei der letzten Inspektion.

    "Wie sieht es mit den Systemen aus Chief? Wir müssen schnellstmöglich wieder die volle Bereitschaft der Sternenbasis herstellen. Wer weiß wann die Tholianer wieder so einen konzentrieren Angriff starten und uns möglicherweise angreifen wollen." Commander Hamilton duckte sich unter einem schräg stehenden Träger hinweg und blickte dann zu Jack, während dieser im folgte.
    "Den Umständen entsprechend recht gut, Sir. Zwar ist die Reparatur noch nicht so weit vorgeschritten, wie wir das gerne hätten, aber jetzt, da die Reparaturschiffe nicht mehr weit sind, können wir zumindest schon das Licht am Ende des Tunnels entdecken. Wenn die notwendigen Ersatzteile hier sind und unser Personal durch die anrückenden Hospitalschiffe entlastet wird, können diese sich wieder ihren ursprünglichen Aufgaben widmen."

    Gavin nickte zufrieden. Er hatte schon von mehr als nur einer Quelle gehört, dass das Lazarett auf Adan seine Kapazitäten schon längst überschritten hatte. Das dort eingesetzte Personal kam schon lange nicht mehr hinterher und wurde deswegen durch Kräfte aus anderen Bereichen ergänzt. Hamilton wusste das natürlich auch aus nächster Nähe, da auch seine Adoptivtochter vor Ort half und – wenn sie denn überhaupt nach Hause kam – mehr als nur abgekämpft wirkte. Selbst auf ihr Äußeres konnte oder wollte sie aktuell nicht so viel geben, was wirklich einiges hieß.

    "Sehr schön. Wie sieht es mit der Werft aus?"
    "Gut. Sie kann zwar noch nicht mit voller Kapazität arbeiten, aber dort sieht es wesentlich besser als hier oder auf Adan aus. Dort gilt es noch mehr als bei uns, sobald die Reparaturschiffe eingetroffen sind, ist es nur eine Frage weniger Stunden, bis sie wieder die volle Kapazität erreichen kann."
    Hamilton nickte zufrieden und gestattete sich ein kurzes Lächeln. "Das ist doch schon etwas. Endlich gibt es hier wieder ein paar gute Nachrichten."
    Die beiden Sternenflottenoffiziere absolvierten dann noch ihren Rundgang durch die Sternenbasis und führten diesen dann auf Adan fort. Als sie die Lager im Sternenflottenstützpunkt zu Gesicht bekamen nahm allerdings ihre zuvor positive Meinung wieder etwas ab. Spätestens allerdings, als man sich in Tan Waksa mit einigen der örtlichen Regierungs- und Sicherheitsvertretern traf, kippte die Stimmung wieder völlig um. Es gab noch viel zu tun...
  • USS Harry Lee

    Fast wäre sie ausgerutscht, als sie in die Pfütze getreten war, die sich neben ihrer Kakaotasse auf dem Boden des Kommandozentrums der Harry Lee gebildet hatte. Maries Leibgetränk war während des vergangenen Gefechts dem Ruf der künstlichen Schwerkraft gefolgt, als das Schiff der Intrepid-Klasse einige Treffer einstecken musste. Die Schilde hatten gehalten, neben drei Leichtverletzten war der Kakao an Bord der Harry Lee das einzige Opfer geblieben. Das war eine gute Nachricht. Die schlechte war, dass die 8. Flotte drei Schiffe verloren hatte, was sie auf lediglich 69 einsatzbereite Schiffe brachte. Drei waren auf dem Weg zum Treffpunkt zerstört worden, vier andere waren beschädigt in den Föderationsraum zurückgekehrt. Schlechte Nachricht. Die restlichen fünf Schiffe waren bereits vor Wochen zerstört worden. Dafür war die 8. Flotte jetzt im Dreibund, vereint mit der 22. Flotte, dessen Kommando Marie nach dem Anschlag auf die Konferenz des Flottenkommandos übernommen hatte. Das war wieder eine gute Nachricht.

    Auf dem Weg durch den tholianischen Raum hatte die 8. Flotte, die fortan als 6. Geschwader der 22. Flotte firmierte und die Reserve der Sternenflotteneinheiten im Bereich des Dreibundes bildete. Maries Kommandogewalt war indes auf eben diese reduziert worden. Die Verteidigung der Föderationswelten an der Grenze zur Tholianischen Versammlung oblag Admiral Osman, welche die kombinierten Kräfte der 23. und 24. Flotte kommandierte. Mit knapp 1000 Schiffen war die hiesige Sternenflottenpräsenz auf ein enormes Niveau gestiegen, das mithin der mutmaßlichen Stärke der tholianischen Flotte entsprach. Wichtiger als der numerische Faktor hatte die Entsendung der Verstärkung jedoch politische und psychologische Wirkung. Auch dem letzten Tholianer dürfte nun klar geworden sein, dass Yntak'Un nicht den Putin machen konnte, ohne sich mit der Föderation anzulegen. Im Gegensatz zu den Tholianern verfügte diese über größere Reserven, auch wenn es wohl Monate dauern würde, bis diese einträfen. So war es zu einer neuen Situation gekommen, einem Patt. Mit etwas Naivität mochte es nun erquicklich erscheinen, den Krieg einseitig für beendet zu erklären und den wiedergewonnenen Frieden zu zelebrieren. Doch würde dies verkennen, dass die Tholianer bei einem Abzug eines Großteils der Sternenflotteneinheiten dort weitermachen würden, wo sie aufgehört hatten. Mitnichten war der Krieg also zu Ende.

    Der Vice Admiral nahm sich einen Stapel Servietten, hockte sich hin und wischte den Kakao vom Boden auf. Der weiße Stoff färbte sich braun. Doch wenn Kakao die einzige Flüssigkeit blieb, die sie in diesem Krieg vergießen müsste, würde sie noch tonnenweise Kakao aufwischen. Es beruhigte sie den Boden zu wischen, zu beobachten, wie sich der Kakao in den Fasern ausbreitete und die Tücher schwerer und schwerer machte. Wahrscheinlich würde Crewman Wan-Bao nachher sagen, dass sie sich doch nicht die Mühe hätte machen brauchen. Doch seit wann sollte sie sich zu fein sein, ihren eigenen Dreck aufzuräumen?

    Es war grotesk. Vieles war grotesk, wenn nicht gar alles. Hier kniete sie unversehrt in einem schwer geschützten Raumschiff, während andernorts Millionen unschuldiger Grinori umgekommen waren. Auch die Verluste der Sternenflotte gingen mittlerweile in die Tausende, doch verglichen mit den zivilen Opfern schien das fast nichtig. Wie konnte man in solchen Zeiten nur an Kakao denken? Sie dachte an ihre Frau und ihre Töchter. Sie waren in Sicherheit, auch wenn der Angriff der Tholianer sie alle aufgewühlt hatte. Doch eine gute Folge hatte das Ganze, es hatte Sophie in ihrem Wunsch bestärkt der Sternenflotte beizutreten. Nun ja, sich für die Aufnahme an der Akademie zu bewerben, doch erschien es ihr nicht nur aufgrund der seit dem Dominionkrieg spürbar gesenkten Anforderungen unwahrscheinlich, dass ihre ältere Tochter bei ihrem Ansinnen scheitern könnte. Vielleicht wäre es aber besser so. Immerhin war die Sternenflotte nun nicht mehr die Sternenflotte. Oder doch? Es war Bullshit. Die Sternenflotte war immer noch die Sternenflotte.

    Doch sie selbst hatte sich verändert. Oh, sie selbst, darauf lief es doch immer hinaus. Sie fühlte sich arrogant, in Zeiten wie diesen an sich selbst zu denken, doch war Selbstreflexion egoistisch? Sie war noch dieselbe Person, auch wenn sie manchmal kaum glauben konnte, vor 15 Jahren Probleme damit gehabt zu haben, auf Außenmissionen einen Phaser zu tragen. Mittlerweile trug sie im Dienst seit Monaten einen. Gleich geblieben war jedoch ihre fehlende Treffsicherheit mit ihrer Seitenwaffe. Schon zu Akademiezeiten hatte sie Phasergewehre den kleineren Handphasern vorgezogen. Ob sie ihn je wieder verwenden müsste? Ein Phaser war schon eine schöne Waffe, akkurat und sauber in ihrer Wirkung, auch wenn die Person am anderen Ende des Nadionimpulses vermutlich anderer Meinung sein dürfte. Es gab schlimmeres. Klingen konnten Gliedmaßen abtrennen. Das in den letzten Wochen hin und wieder zurückkehrende Stechen in ihrem linken Arm erinnerte sie daran. In solchen Momenten musste sie sich dazu zwingen nicht ihre rechte Hand zu benutzen, wie sie es in den Monaten nach der Schlacht von Banaus II getan hatte. Wie es Laura gerade wohl ging? Sie war wohl bei diesen Churianern, also ging es ihr wohl gut. Vielleicht hatte sie auch endlich jemanden für sich gefunden, falls sie überhaupt das Bedürfnis dazu verspürte. Sie erhob sich und legte den braunen Lappen zur Seite. "Konzentration ..."
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • USS Harry Lee

    Wieder waren einige Wochen in den Raum gegangen und wieder waren Personen gestorben. Am Anfang, vor Jahren hat sie noch jeden Namen gewusst, den Posten, das Gesicht, den Klang der Stimme, dann nur noch das Gesicht, den Namen. Später als sie zeitweise das Kommando über mehr als ein Schiff führte, waren es nur noch Zahlen, doch jetzt waren selbst Zahlen nicht mehr im Stande, den Tod auszudrücken, der sie begleitete. Tragödie, Statistik. Vielleicht würde der Zyniker sagen, dass die Toten sie persönlich nicht betrafen, immerhin kannte sie sie nicht. Es waren Zahlen, so wie die Zahlen auf den Formularen der Logistik. In Materialschlachten war Leben eben bloß auch nur ein Material.

    Doch soweit war es noch nicht gekommen. Die Tholianer wussten, dass sie eine Materialschlacht nicht überstehen konnten, nicht ohne die Hilfe der Klingonen. Warum wussten sie immer noch nicht. Vermutlich beinhaltete der dem Klingonenpakt zu Grunde liegende Vertrag im Angriffsfall keine Verpflichtung der Bündnispartner in die Kampfhandlungen einzusteigen. Es würde Sinn machen und außerdem zu Q'naH passen. Er vertraute nicht blind, und den Tholianern konnte man nicht trauen, das war Allgemeinwissen, oder nicht? Vielleicht war es auch bloß Rassismus.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Deck 10 Büro des Sicherheitschefs

    Tomas sitzt in seinem Büro auf der Sternenbasis. Er war seit die Station angegriffen wurde die meiste Zeit des Dienstes in seinem Büro, da er auf der OPS nicht wirklich gebraucht wurde, nachdem sie aktuell sowieso renoviert wurde. Doch arbeitete er weniger in seinem Büro als das er sich Gedanken über die ganze Situation machte. Seit dieser Schlacht war er irgendwie anders geworden, nachdenklicher, er war mehr lebte mehr zurückgezogen, blieb meistens ins seinem Quartier anstatt in die Offiziersmesse zu gehen. Er hatte eine Menge über was er nachdenken musste. Eine Menge zu verarbeiten. Er verstand nun, warum die Professoren an der Akademie sagten, man solle zu seinen Untergeben keine Persönliche Bindung aufbauen. Er dachte immer es würde helfen, da man besser miteinander arbeiten konnte. Dies mochte vielleicht in Abteilungen gelten wie die Technik oder für die Wissenschaftsabteilung. Doch bei der Sicherheit, konnte dies sehr Ablenkend sein, wenn man mit der Person die neben einem erschossen wurde des öfteren in der Messe zum Mittagessen geht.
    Es nagte an ihm. Es störte ihn. Und vor allem lenkte es ihn von seinem Dienst ab. Hätte er diese Leute nicht irgendwie retten können oder ihnen irgendwie helfen können. Diese Frage hielt ihn schon Nächtelang wach. Er träumte immer wieder von diesem schrecklichen Tag als er mit seinen Leuten den Maschinenraum stürmte. Jedesmal wachte er schweißgebadet auf und merkte das es wieder der selbe Albtraum gewesen war. Er überlegte sich schon öfters ob er deshalb einen Counsler aufsuchen sollte, doch er dachte er wird damit fertig. Aber es nagte immer noch an ihm. Seit Monaten nagte es an ihm und er hielt es nicht mehr aus.
    Tomas stand auf zupfte seine Uniform zurecht und ging raus in den Gang zum nächsten Turbolift um zum Counsler zu gelangen.
    =/\=Lieutenant Tomas Sydney=/\=

    "How many people does it take, before it becomes wrong. A thousand? Fifty thousand? A million?"
    -Jean Luc Picard-
  • Ein Rumpf, das war von ihr geblieben. Ein Rumpf ohne Seele, ohne Geist, ohne Verstand. Tag um Tag, oder wieder und wieder waren sie gekommen, um ihr etwas zu nehmen. Zunächst waren es nur Finger gewesen, doch dann wurden ihre Verluste größer, bis kaum noch etwas von ihr blieb. Sie hatten ihr schließlich die Beine amputiert, die Augen ausgestochen, Ohren, Nase und Brüste abgeschnitten, oder vielmehr herausgerissen. Und bei alldem Leid, das man ihr zufügte, war man doch darauf bedacht, sie am Leben zu halten. Tatsächlich betrieben sie dafür einen ziemlichen Aufwand. Selbst die Parasiten, die nach einiger Zeit begannen sich von ihrer Hose aus auszubreiten und langsam ihr Fleisch aufzufressen hatte man - nach einiger Zeit - erfolgreich entfernt.

    Nun lag sie da. Armlos, beinlos, blind. Man fütterte sie mit Algenbrei, etwas, das man auch ohne Zähne und Zunge herunterschlucken konnte. Was nach dem Verdauungsvorgang vom Algenbrei übrig blieb bildete ihr Bettlager. Warum sie das taten wusste sie nicht mehr. Es muss mehr als Hass sein, doch was gab es mehr. Warum konnte sie nicht einfach sterben? Es wäre so viel einfacher. Vor alldem war sie nicht einmal 30 Jahre alt gewesen. Mit entsprechender medizinischer Versorgung würde man sie noch 100 Jahre so am Leben halten können. 100 Jahre in der Hölle.

    Mittlerweile kamen sie seltener, wenn ihr Zeitgefühl sie nicht im Stich ließ. Doch so vieler Sinne und dem Sinn ihres Lebens beraubt konnte sie sich da nicht sicher sein. Es erschrak sie, zu was scheinbar intelligente Lebensformen fähig waren. Selbst die Kinder hatten Spaß dabei sie zu demütigen, ihr Schmerz zuzufügen, sie zu missbrauchen. Ob man es immer noch tat, vermochte sie nicht zu sagen. Sie hatte jegliche Wahrnehmung eingebüßt. Sie existierte nur noch, wie ein Bakterium, doch ohne Zukunft nach der Zeit des Leids. Vielleicht war sie gar nicht mehr bei den Ketgor. Vielleicht hatte man sie an die Tholianer übergeben, die sich einen Spaß daraus machten einen ihrer Feinde zu quälen. Was für eine Rolle spielte das schon. Man hatte sie vergessen, sie sicherlich für tot erklärt. Wenn ihre Kameraden nur wüssten, wie sehnlich sie sich ihren Tod herbeiwünschte.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Mittlerweile hatte sich der Schatten einer Palme über die beiden gelegt. Einzig die Flossen und die Atemausrüstung lagen noch im heißen von der Sonne Adans gewärmten Sand. Doch Schatten bedeutete nicht zugleich niedrige Temperaturen, nicht an diesem Sommertag auf Rover Island, an dem das Thermometer zurzeit noch 36 ° Celsius im Schatten anzeigte. Doch der Schweiß und der Wind halfen die hohen Temperaturen erträglicher zu machen, außerdem waren es doch diese wechselnden Umweltbedingungen, die das Lebeb mit ausmachten. Derselbe Wind beförderte auch den salzigen Duft des Ozeans in Sophies Nase, desselben Ozeans in dem sie noch vor wenigen Minuten mit ihrer kleinen Schwester tauchen war.

    Seit zwei Jahren hatte Nathalie ein großes Interesse am Meer gezeigt, genauer gesagt an der zu großen Teilen noch unerforschten Unterwasserwelt Adans. Auch nach der Veröffentlichung des Kindersachbuchs, für dessen Illustration sie teilweise verantwortlich gewesen war, war die Faszination nicht abgeebbt. Um dem Interesse nachgehen zu können, war sie mittlerweile eine recht gute Taucherin geworden und da ein Tauchgang quasi der Weltraumspaziergang des Normalbürgers war und man sich der bunten, so nahen aber schier unendlichen fernen Welt und der Wasseroberfläche tatsächlich nicht so leicht entziehen. Da sie keinen erfahrenen Begleiter dabei hatten, waren sie nahe am Strand geblieben und tiefere Gefilde entsprechend gemieden. So hatten sie auch auf den Thermoanzug verzichten können, konnten sich nach dem Tauchgang kurz abduschen und wieder auf ihre Decke hauen.

    Doch die beiden jungen Damen waren nicht alleine. Ein drittes weibliches Wesen war ganz in ihrer Nähe, jedoch innerhalb des Hauses der Davions. Die Hündin Pinky, welche die Davions seit einigen Monaten hüteten hatte immerhin nicht die Möglichkeit ihr Fell abzulegen und sich der Sommerhitze auszusetzen und zog es stattdessen vor sich in den klimatisierten Räumlichkeiten des Hauses ihrer Gastgeber aufzuhalten. Eines jedoch hatte Pinky mit Nathalie gemeinsam. Auch sie hatte es sich gemütlich gemacht und war eingeschlafen.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Haus der Davions, Adan

    Der kühle Zug, der durch das Fenster ins Schlafzimmer drang sorgte dafür, dass sich auf Maries nicht zugedeckten Armen und dem linken Bein eine Gänsehaut bildete. Marie hatte nach all den Monaten auf einem Raumschiff darum gebeten die Luft von draußen ins Zimmer zu lassen. Es war mittlerweile Spätherbst auf Rover Island. Als sie den Planeten verlassen hatte, war es Winter gewesen. Annika schlief bereits und Marie schmiegte sich an sie wie an eine überdimensionierte Wärmflasche. Zu lange hatte sie darauf verzichten müssen und wofür? Dafür, dass weiterhin gemordet, gefoltert und gestorben wurde. Und sie lag hier mit vollem Bauch in ihrem Bett, der Puls nicht durch den Todeskampf gegen einen grausamen Feind sondern durch das Liebesspiel mit ihrer Frau noch leicht erhöht.

    Nichts sei einem Gott ähnlicher als ein General auf dem Schlachtfeld, was für ein Blödsinn. Gefühlte Ohnmacht war wohl das Los eines jeden Soldaten und zumindest nicht schädlicher als Größenwahn. Übermorgen würde sie wieder abreisen, zunächst in Richtung Föderationsraum zum Treffen mit Admiral Osman, und dann auf einer Kommandostrecke weiter nach Qo'noS. Mehrere der schnellsten Schiffe der Flotte würden ihren Warpantrieb bis an die Leistungsgrenze bringen, um sie und ihre Begleiter zu den Geheimverhandlungen zu Kanzler Q'naH zu bringen. Dennoch würde der Flug lange dauern, doch ob die Zeit genügen würde, um sich ausreichend vorzubereiten? Wahrscheinlich würde sie einiges an Personal mitnehmen. Sie lehnte sich zur Seite, Annikas Seite, denn aus unerfindlichen Gründen hatten sie wieder einen Seitenwechsel vollzogen. Oder vielleicht waren die Gründe doch nicht so unerfindlich. Immerhin hatte sie selbst häufig auch auf der Seite ihrer Frau geschlafen, wenn sie lange Zeit von ihr getrennt war.

    Ihr Blick fiel auf den Nachttisch, wo die leere Weinflasche in ein stummes Gespräch mit den beiden Gläsern vertief war. Ihr Interesse galt jedoch vielmehr dem Padd, das noch aktiv dort lag. Ihre Neugierde besiegte den Widerwillen sich auch nur für wenige Sekunden von Annika zu lösen und so griff sie nach dem Padd, blätterte etwas bis sie zum Titel des Buches gelangte. Zuerst hatte sie an ein schwedisches Buch gedacht, doch auch wenn sie weitaus schlechter Schwedisch lesen als sprechen konnte - und halb heimlisch machten sich alle drei Davions im Haushalt hinter ihrem Rücken seit jeher über ihren französischen Akzent lustig - aber sie erkannte anhand der Buchstaben, dass es nicht Schwedisch war, sondern deutsch. Vom Kriege Eine ungewöhnliche Wahl für Annika, zumal sie doch deutsche Dramen favorisierte. Verdutzt legte sie das Padd zurück an den Tisch. Clausewitz, du alter Preuße, wärst du doch bloß mit deinem Werk fertig geworden und hättest danach noch den Nachfolger Vom Frieden verfasst.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • qlob-Theater, Qo'noS

    Die Menge bebte, als der Herrscher unter den unzähligen Stichen zu Boden ging, die von den Ratsmitgliedern geführten dk'taghs hervorgerufen wurden. "Tod dem Tyrannen!", skandierte die Masse, die bis ins Unendliche anzuwachsen schien. Dabei war ihre Zahl ziemlich endlich, auch wenn 100.000 Zuschauer bei einer Theateraufführung eine für Marie neue Erfahrung waren. Sophie neben ihr war von der Reaktion des Publikums völlig überrascht, wobei ihre Wahrnehmung zusätzlich durch den Schluck Blutwein vernebelt zu sein schien, den ihre Mutter ihr beim Abendessen zu trinken erlaubt hatte. Marie hingegen war noch in der Lage die gesamte Atmosphäre aufzusaugen, ihre Sicherheitseskorte die im Angesicht von Hundert Mal Tausend grölenden Klingonen in den Alarmmodus wechselte, der zu ihrer Linken sitzende Q'naH, der zufrieden nickte als der letzte Funken Leben aus dem Diktator wisch, dessen Blut sich in einem Rinnsal in Richtung der ersten Reihe ergoss. Würdelos wurde der leblose Körper von der Bühne geschleift, wobei er eine rosarote Spur hinter sich herzog.

    In Ihrem Augenwinkel vernahm sie eine Bewegung. Q'naH hob den rechten Arm und die Statisten ließen Iulius QeiSar unsanft zu Boden gehen. Das musste auch dem Schauspieler wehgetan haben. Gerade als sie diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, spürte sie eine kräftige Hand an ihrem Oberarm, die sie nach oben zog. Es war der Kanzler, der sie in Richtung des Ausgangs der Loge - im Endeffekt waren es normale, ebenso wie der Rest der Sitzplätze nicht gerade komfortable steinerne Stühle, die lediglich die perfekte Sicht auf die Bühne von den tausenden anderen Plätzen abhob - zog. Lieutenant Sydney blickte sie alarmiert an, doch mit einem für ihre Verhältnisse subtilen Kopfschütteln gab sie ihm zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Wollte man sie hier töten, so würde man sie hier töten, das war ihr auch vor der Demonstration, welche die Kulisse des neuen qlob-Theaters der Bühne der Diplomatie bot, allen Beteiligten, inklusive Marie und Sophie, klar gewesen. Neben dem Kanzler des Hohen Rates schritt sie einige Stufen herab, nur um dann unter dem Jubel der Masse die Treppe zur Bühne hinaufzusteigen. Aus "Tod dem Tyrannen!" wurde nun ein Name "Q'naH", den die Klingonen wieder und wieder skandierten. Erst jetzt wurde ihr klar, dass das Drama vorzeitig beendet war, eine höchst eigenwillige Interpretation von Shex'PIrs Stoff, gerade für einen Puristen wie Q'naH. Doch die Inszenierung stand gerade erst an ihrem Anfang.

    Plötzlich stand sie der Bühne, vor 100.000 Klingonen, einem halben Dutzend Sternenflottenoffizieren und ihrer Tochter. Wie viele Personen die Live-Übertragung oder Aufzeichnungen des Ereignisses sehen würden ließ sich gar nicht erst abschätzen. Ein kaltes Schaudern durchfuhr ihren Körper, ihr linker Arm krümmte sich ein wenig unter einem stechenden Schmerz. Das letzte Mal, dass sie so vielen Klingonen gegenüberstand (zumindest in ihrer Erinnerung, die weiterhin auf diese Zahl zu bestehen schien, obwohl es in Wirklichkeit nicht einmal 1000 Klingonen gewesen waren) hatte sie es kaum überlebt. Statt mit ihrem Leben musste sie nur mit einem Arm bezahlen, dessen Fleisch schon längst den Würmern Banaus' Vorspeise geworden war, nur ein kleiner Vorgeschmack auf die hunderten Leichen, die nach der Schlacht ihr Festmahl ausgemacht hatten. Ihr Arm war neu, doch widersetzte er sich nun erstmals nach der langen Therapie ihren Befehlen, schien zum Phaser greifen zu wollen, der offen an ihrer Hüfte hing. Q'naHs Umarmung hinderte sie daran. Sie ärgerte sich, fühlte sich vorgeführt in ihrer weißen Galauniform neben dem 2 Meter großen Q'naH, nur eine weitere Requisite.

    "Brüder, Schwestern", erhob sich Q'naHs Bass in der absoluten Stille, die sich auf eine kleine Geste des Kanzlers hin eingestellt hatte. "Die erste Heldentat unseres Volkes war die Beseitigung eines Monsters, des Tyrannen Molors!" Die Menge buhte bei der Erwähnung des mythischen Widersachers des großen Kahless. "Unser Weg ist nicht der der Tyrannei. Unser Weg ist der Weg des Kriegers." Unter dem Jubel der Menge beugte er sich vor und riss ein Stück des blutverschmierten Stoffes vom Kostüm des gestürzten Diktators. Lächelnd drückte er es Marie in die Hand, nicht ohne jedoch etwas Blut auf ihrer ansonsten weißen Uniform zu verschmieren. "Mein Geschenk an die Föderation", flüsterte er ihr in einem Britischen Englisch zu, das ebenso wie Maries völlig frei von einem Akzent war. Sie strich sanft über das Stück Stoff, so unglaublich dünn, weich, anschmiegsam. Marie kannte diese Eigenschaften zu gut von einem ihrer Abendkleider, dem aus tholianischer Seide.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Jupitag-Residenz von Yntak'Un, Tholia, Tholianische Versammlung

    Der Genialster aller Tholianer und Bringer Herrlichkeit der tholianischen Rasse ließ es sich mal wieder gut gehen. Während sich neben ihm seine beiden Gespielen vergnügten schlug er sich seinen Verdauungstrakt mit allerhand Köstlichkeiten vor, deren Kosten im krassen Gegensatz zu ihrem gegen Null gehenden Nährwert standen. Vergnügt betrachtete er die beiden jungen Tholianer, wie sie ihre männlichen Gonaden vibrieren ließen. Ein Kitzeln durchfuhr ihn, welches ihm das tholianische Äquivalent eines Kicherns entlockte. Sein Vater hatte Gespielen beiderlei Geschlechts, doch in seiner unendlichen Weisheit akzeptierte Yntak'Un nur junge Tholianer mit aktuell männlichen Geschlechtsmerkmalen um sich. Zum einen erregte ihn der Anblick der vibrierenden Gonaden, doch der Hauptgrund war wohl das Pheromon, welches diese während des Aktes ausstießen. Un schien eine Disposition zur weiblichen Rolle im Paarungsakt zu haben, auch wenn er wie alle Tholianer zwittrig war. Doch ein Genialer Führer legte keine Eier, weswegen er sich ausschließlich auf die Nutzung seiner männlichen Keimdrüsen und seines Pektineks begrüßte, welcher entgegen den Gerüchten, die feindliche Agenten innerhalb seiner loyalen Bevölkerung verbreiten, von bemerkenswerter Dünne und Rundheit war.

    Ein Piepen seiner Kommeinrichtung zeugte vom kommenden Unheil, während seine Begleiter den aufgrund der Partnerwahl nicht in einer Zeugung endeten Akt beendeten. Auf dem Schirm erschien Oberfeldmarschall Pekta'Bibi, dessen seidenes Gewand von zahlreichen bunten Fäden durchzogen war, welche die Welten symbolisierten, welche er erfolgreich für die Versammlung unterworfen hatte. "Oh, geliebter Führer und genialster aller Tholianer, Gipfel der Herrllichkeit. Die Klingonen sind unterwegs." Einen Augenblick erstarrte Yntak'Un, bevor er die Schalen mit seiner Messi-Suppe gegen eine Wand schmetterte. Das teure bolianische Porzellan zerschellte an der harten Wand und verschmierte sowohl die künstlerischen Wandteppiche, die in einer für die meisten Spezies der Galaxie besorgniserregenden Kombination explizite erotische Darstellungen mit ebenso expliziten Darstellungen unvorstellbarer Grausamkeit vermischte. Pekta'Bibi duckte sich weg, als können die Schalen ihn treffen. Seine Bewegung ging dann in eine Verbeugung über, sich wohl darüber bewusst, dass die Schalen seines Herrschers ihn nicht schaden könnten, die von ihm kontrollierten Mordkommandos jedoch schon. Was war geschehen? Scheinbar konnten die verräterischen Elemente nicht völlig ausgelöscht werden. Ihm war bekannt, dass die Sternenflotte mindestens einen der Verräter retten konnte, dessen Schiff es bis in den Raum des Dreibundes geschafft hatte, bevor es durch ein weiteres tholianisches Kriegsschfif vernichtet werden konnte. Scheinbar hatte der klingonische Geheimdienst, immer noch verniedlichend ABWEHR genannt, enge Kontakte zu ranghohen tholianischen Militärs unterhalten, darunter auch Angehörige seines engsten Zirkels. Es war nicht klar wer, aber einer dieser verräterischen Lakaien würde wohl mit klingonischer Billigung seine Nachfolge antreten.

    Seine Herrschaft hatte sich auf Schrecken gestürzt, auf Mord, Massenmord und Gewalt. Doch es hatte nicht gereicht. Ohne die erhoffte klingonische Unterstützung, die er nach seinen ersten Erfolgen erwartet hatte, war der Krieg nicht zu gewinnen. Es war von Anfang ein Gambit gewesen, doch die Vorsehung war doch immer auf seiner Seite gewesen. War er nicht der Auserwählte, welcher die tholianische Rasse an ihren rechtmäßigen Platz an der Spitze der galaktischen Gemeinschaft führen sollte? Es gab nur eine Antwort. "Verrat! Verräter, alles Verräter!" Wutentbrannt griff er zu seinem Disruptor, zielte auf seinen rechten Gespielen und vaporisierte dessen Kopf. Der Gespiele zu seiner Linken ließ sich zu Boden fallen: "Geliebter, weisester, erhabenster ... Gnade." "Verräter", quietschte Yntak'Un, bevor sein Disruptor das Exoskelett des unterwürfigen Dieners traf, aufbrach und seinen Körper im Schock unregelmäßig zucken ließ. "Ihr alle habt mich verraten", quietsche Un, bevor er dem erbärmlichen Wurm von Untertan den Gnadenstoß gab, dem er jedem anderen fortan verwehren würde.

    Yntak'Un blieb nur noch eine Möglichkeit, um sich und die Zukunft der Galaxie zu retten, die Aussicht auf eine bessere Zukunft unter tholianischer Oberherrschaft zu bewahren: Die Flucht ins Exil. Das tholianische Volk, das ihn bis auf wenige durch das Ausland finanzierte Elemente als göttliches Geschenk verehrte würde nicht lange unter dem Joch der Klingonen und der Föderation leben. Wie konnte man überhaupt eines dieser erbärmlichen Fleischwesen als Gleichgestellten akzeptieren? Seine großangelegten öffentlichen Zurschaustellungen der Unterlegenheit der Humanoiden sollte doch jedes Kind erreicht haben. Egal. Breen, Breen, er würde zu den Breen gehen. Diese hatten schon immer ein ambivalentes Verhältnis zum Rest der Galaxie. Von dort aus würde er zurückkehren, zurückkehren, um alle Fleischwesen in Stücke zu reißen...
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
  • Zoologische Informationseinrichtung, Tholia, Tholianische Versammlung

    Der Raumanzug engte PiS'tiq ein. Er hasste es. Aber anders würde er die Grethor-Hitze in der diese Schalentiere lebten nicht überlebten. Doch er hasste nicht nur den Raumanzug und die Tholianer, noch mehr hasste er seinen Auftrag. Seine Einheit war als Teil einer Sicherungstruppe nach Tholia entsandt worden, um zentrale Stellen der tholianischen Verwaltung zu besetzen und einen reibungslosen Übergang zur Herrschaft des provisorischen Militärrates zu ermöglichen. Der 4. Zug seiner Einheit hatte gar die Ehre den Jupitag-Palast Yntak'Uns zu besetzen und den tholianischen Autokraten falls möglich festzusetzen, oder zu töten. Wahrscheinlich schwammen sie schon im Blutwein, um ihren Sieg zu feiern. Ihm war eine weitaus weniger ehrenhafte Aufgabe zugefallen. Politisch war sie hochwichtig hatte man ihm versichert. Er erreichte die Luftschleuse, aktivierte sie und hinter ihm Schloss sich ein Schott. Vor ihm lag eines der Gehege, indem das wohl berühmteste Exponat des tholianischen Zoos vor sich hinvegitierte. Auch er hatte die Aufnahmen der verstümmelten Menschenfrau gesehen. So etwas tat man keinem Feind an. Klingonen töteten ihre Feinde, diese Ehre hatte jeder verdient. Man hielt sich keine Trophäen, der Sieg war Trophäe genug. Und selbst wenn man sich ein Haustier hielt - PiS'tiq hatte als Kind selbst einen Targ, welcher ihm im Alter von vier Jahren zwei Finger abgebissen hatte - dann behandelte man dieses mit dem nötigen Respekt, fügte ihm nicht unnötig Leid zu. Er hatte den Targ damals provoziert, indem er ihm am Schwanz gezogen hatte, wie wahrscheinlich viele klingonische Kinder. Und er hatte seine Lektion gelernt.

    Als eine atembare Atmosphäre bei 40 ° C Temperatur hergestellt war, öffnete sich das Schott vor ihm. Er trat in den Raum ein, dessen weitere drei Wände allesamt transparent waren. Vor ihm lag es, ein Haufen Fleisch. Er öffnete seinen Helm und bereute es. Selbst aus dieser Entfernung schoss ihm der Gestank in die Nase. Er wusste nicht, ob dieser von den Ausscheidungen herrührte, in dem das Wesen lag. Vielleicht stammte er gar vom Wesen selbst. Es bewegte sich nicht, womöglich war es tot. Er trat einen Schritt näher. Hoffentlich war es tot. Lebendig war es keineswegs, so zumindest seine Hoffnung. Es lag auf dem Bauch, nackt wie jedes Tier, unter ihm eine Mischung aus Fäkalien und einen Brei, in der es sich scheinbar gesuhlt hatte. Arme hatte es keine, sie waren an den Schultern abgetrennt worden. Nur Narben zeugten noch vom einstigen Vorhandensein der Gliedmaßen. Auch Beine hatte es nicht. Die recht breiten Hüftknochen, die wie der Rest des Skeletts deutlich durch die Haut sichtbar waren endeten nach unten hin im Nichts. So etwas hatte er noch nicht gesehen. Er hatte im Dominionkrieg gekämpft, gegen Jem'Hadar, gezüchtete Monster aus der Unterwelt, konditioniert im Namen ihrer Herren zu töten, ehrlose Wesen. Er hatte die Raghdor bekämpft. Er hatte Cardassia nach dem Fall erlebt, Lakaria City in Trümmern, zu haushohen Bergen aufgetürmte Haufen von Leichen und Leichenteilen. Er wollte dem Wesen ins Gesicht sehen, oder was davon übrig war. Denn die Ohren hatte man abgeschnitten so viel stand fest.

    Er trat näher heran, zuerst darauf bedacht nicht in die stinkende Brühe zu treten, die das Wesen umgab. Als er erkannte, dass es zwecklos war, gab er dies auf und seine Stiefel traten mit einem langgezogenen Braaaahaaatsch in die Mischung aus ... Er beugte sich zum Wesen runter, doch der Gestank ließ ihn zurückfahren. Es war nicht der Geruch des Todes, den er zu gut kannte. Verbrannte Körper, verwesende Körper, all diese Düfte waren in seinem Gedächtnis gespeichert. Seinen Informationen nach war das Wesen einst ein Mensch gewesen, aber Menschen stanken nicht so. Ihr Gestank war süßlich, oft ekelerregend süß, wenn sie versuchten mit künstlichen Stoffen die klingonische Nase noch weiter zu foltern. Doch dies war anders, es roch nach Leben im Tod. Schließlich konnte der gestandene Krieger sich zum Wesen runterbeugen und es auf den Rücken drehen. Fast wäre er wieder zurückgefahren, doch er beschloss hinzusehen. Der untere Rumpf war verstümmelt, doch meinte er unter den Narben noch die Reste des weiblichen Geschlechts zu erkennen. Er konnte nur erahnen wie schmerzhaft es gewesen sein musste. Sein Blick glitt über den vernarbten Bauch. Wo einst wohl Brüste waren, verbleben nur Narben. Warum die Tholianer das getan hatten, erschloss sich ihm nicht. Wäre tatsächlich Information das Hauptanliegen für diese groteske Zurschaustellung eines humanoiden Wesens gewesen, wäre ein intaktes Exponat weitaus naheliegender, am besten eines jeden Geschlechts, denn die Tholianer kannten diese Unterscheidung nicht wirklich, was wahrscheinlich zu ihrer Ehrlosigkeit beigetrug. Er verspürte dem Drang dem Wesen, der einstigen Menschenfrau in die Augen zu blicken. Doch es gelang ihm nicht. Er blickte auf den Mund, oder vielmehr in den Rachen, denn Lippen waren keine mehr da, keine Zunge, kein Mund, keine Möglichkeit zu sprechen. Vielleicht war es das, was die Tholianer wollten, dieses Wesen im eigenen Körper, in den Trümmern des eigenen Körpers gefangen zu halten. Auch dort wo die Nase war, regierte Leere, doch ein Blick in die Augen bot den größten Schrecken. Sie hatte keine Augen mehr, doch ihre leeren Augenhöhlen schienen ihn förmlich anzustarren. Aus ihnen heraus blickte unendliche Leere. Er wandte sich ab, froh darüber, dass sein Gegenüber dieses Zeichen der Schwäche nicht bemerken konnte.

    Einige "Gesichts"muskeln bewegten sich - von Gesicht konnte man schwerlich reden - ein Krächzen schien dem Wesen zu entweichen. Dann zuckten einige andere Muskeln, eine neue Pfütze bildete sich unter der Frau. Ja, es war eine Frau, immer noch, ein menschliches Wesen. Er fragte sich, wie viel von ihr noch übrig war. Nicht viel, ihr Körper war zerstört. Vielleicht konnte er wieder hergestellt werden, immerhin verfügte die Föderation über fortschrittliche medizinische Technologien. Ihn interessierte vielmehr die Seele der Frau, seiner Kameradin, denn laut seinem Missionsprofil war auch sie eine Kriegerin gewesen. Zu gerne würde er mit ihr reden, zu gerne helfen. Sein Magen rumpelte, gurgelte, er drehte sich zur Seite und übergab sich. Überraschend ... keine Zeugen, nur die Frau, die ihn wohl nicht einmal bemerkt hatte. Mit dem Unterarm wischte er sich den Mund sauber. Zum Glück hatte er den Helm abgesetzt ... Er beugte sich zu ihrer herunter und hob sie hoch. Die ihr verbleibenden Muskeln kontrahierten, scheinbar bemerkte sie ihn. Er legte sie über seine Schulter, ihr schwacher Körper so leicht wie der eines Kleinkindes. Er war wahrlich kein Freund der Menschen. Sie hatten einen schlechten auf die Klingonen, den schwache Führer viel zu lange widerstandslos zugelassen hatten. Er hasste sie bisweilen sogar.

    Dann spürte er eine Bewegung auf seiner Schulter, nur ein Zucken, ein kleines Anzeichen von Leben. Doch es genügte. In diesem Moment schwor er sich, dass sein Hass sein Handeln niemals beherrschen würde.
    "It is history that teaches us to hope" - Robert Edward Lee
    "I begin to believe that the Muse of history is nothing but a lying bitch" - Jubal Anderson Early
Seit 2004 imTrekZone Network